Ehrenamt

60 Jahre später: Aus dem Schuljungen wurde ein nun vielgeehrter Jubilar beim DRK in Teningen

Dieter Erggelet

Von Dieter Erggelet

Mi, 31. März 2021 um 10:00 Uhr

Teningen

Ein Arbeitsunfall seines Patenonkels war für den damals zehnjährigen Kurt Armbruster Anlass, dem Jugendrotkreis beizutreten. 60 Jahre später ist er immer noch für das DRK aktiv.

Eine Art diamantene Hochzeit mit dem Deutschen Roten Kreuz feiert in diesen Tagen Kurt Armbruster aus Teningen. Seine 60 Jahre lange ehrenamtliche Tätigkeit beim DRK dauert bis heute an. Rolf Heitzmann, DRK-Ortsvereinsvorsitzender von Teningen, wird den Jubilar, der in diesen Tagen zudem seinen 70. Geburtstag feiert, sobald es die Corona-Situation wieder zulässt, mit einer Auszeichnungsspange würdigen.

Das Schlüsselerlebnis, seinen Mitmenschen zu helfen, war für den damals zehnjährigen Bauernbub aus Schapbach (Kreis Freudenstadt) ein Arbeitsunfall beim Aufarbeiten von Brennholz im elterlichen Wald. Sein Patenonkel erlitt eine lebensbedrohliche Beinverletzung, verursacht durch eine Axt, die ihr Ziel verfehlte. Der Zehnjährige versorgte und tröstete den Verletzen, bis der Rettungsdienst eintraf. Kurz nach diesem Ereignis trat Kurt Armbruster in das Jugendrotkreuz ein.

Als Zeitsoldat im Sanitätsdienst

Nach seiner Schulzeit und der Ausbildung zum Wirtschafter für Landbau, arbeitete er beim Landwirtschaftsamt in Haslach im Kinzigtal. Anschließend begann das, was er heute im Rückblick als harte Tour bezeichnet: Er verpflichtete sich als Zeitsoldat im Sanitätsdienst der Bundeswehr für acht Jahre, besuchte Seminare und las in medizinischen Fachbüchern am Wochenende, während seine Kameraden ihre Freizeit genossen. Im Anschluss an den Wehrdienst wurde Armbruster Gesundheits- und Krankenpfleger, später Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin und Pflegepädagoge. "Lehren mit all seinen Facetten liegt mir im Blut", sagt er schmunzelnd. Dabei habe Armbruster, der seit 42 Jahren in Teningen lebt, sein Hobby beim DRK zum Beruf gemacht.

Kindernotfallkurse sind sein Steckenpferd

33 Jahre lang war er als Pflegepädagoge an der Akademie für medizinische Berufe an der Freiburger Uniklinik tätig und engagiert sich seit mehr als 45 Jahren beim DRK als Ausbilder auf Orts-, Kreis- und Landesebene für Erste Hilfe, Erste Hilfe am Kind, Sportgruppen und Sanitätsdienst. 18 Jahre lang war er ehrenamtlicher DRK-Kreisausbildungsleiter und verantwortlich für die Breitenausbildung im DRK-Kreisverband Emmendingen. Erste-Hilfe-Kurse gibt er dabei immer noch, vor allem für Zielgruppen wie Übungsleiter, Senioren, Forstarbeiter oder medizinisches Fachpersonal.

Seine Leidenschaft sind allerdings Kindernotfallkurse. "Man glaubt es gar nicht, was es für einen Spaß macht, junge Eltern mit Erste Hilfe am Kind zu begeistern", sagt er. Die Ausbildung in Erster Hilfe ist ihm wichtig. "Da sollte man noch viel mehr tun", sagt er. An der Volkshochschule Nördlicher Breisgau Emmendingen bietet er seit 1990 diese Kindernotfallkurse an. Und: Auch die Reservisten der Bundeswehr aus dem Einzugsgebiet zwischen Rastatt bis Lörrach absolvierten bei ihm 30 Jahre lang die Sanitätsausbildung aller Truppen. "Ich bildete in dieser Zeit mehr als über 1200 Reservisten in erweiterter Erster Hilfe aus, da geht es rau aber herzlich her", so Armbruster.

Helfer auch im Ausland

Die Vielseitigkeit ist für Kurt Armbruster eine weitere Motivation zum Helfen, nicht nur in Deutschland, auch im Ausland: So war er im Juli und August 1992 aufgrund seiner fachlichen Qualifikation bei der größten konzertierten Hilfsaktion in der Geschichte der deutschen Hilfsdienste dabei: Er half bei der Erstversorgung von rund 10 000 bosnischen Flüchtlingen, die aus dem Bürgerkriegsgebiet in die Bundesrepublik Deutschland geholt wurden. Für sein Engagement erhielt er die Dankesurkunde vom Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes. Hanno Hurth, Kreisvorsitzender des DRK-Kreisverbandes Emmendingen, verlieh ihm bereits 2013 das Rotkreuzabzeichen "Humiroir". Das Kunstwort ist eine Zusammenziehung aus Humanität und Miroir (französisch für Spiegel) und steht für Humanität im Spiegel. An der Wandtafel seiner Auszeichnungen ist neben vielen anderen Auszeichnungen die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg zu sehen.