Kommunalwahl

7 Dinge im Wahlkampf, die wir so noch nicht gesehen haben

fudder-Redaktion

Von fudder-Redaktion

Do, 23. Mai 2019 um 18:24 Uhr

Stadtgespräch (fudder)

Die Kommunal- und Europawahl rückt näher. Bisher verläuft der Wahlkampf in Freiburg ruhig. Einige Kuriositäten und Besonderheiten haben sich allerdings ereignet. fudder stellt sie, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, vor.



1. Urbanes Freiburg lässt das Wahlprogramm am Telefon vorlesen

Wahlprogramme sind oft schwammig formuliert oder verklausuliert – und immer viel zu lang. Wer liest sich das schon alles durch? Die neue Wählervereinigung Urbanes Freiburg hat sich daher etwas Neues ausgedacht: Ihr Wahlprogramm lässt sie unter einer Hotline vorlesen. Oldschool, aber auch kreativ. Denn die Hotline funktioniert so, wie man das auch von eigenen Anrufen bei Hotlines kennt: "Wenn du dich für unsere Verein interessierst, wähle die 1. Wenn du mehr zu unserem Wahlprogramm wissen willst, wähle die 2." Das erinnert an O2 und Co, allerdings sind die Wartezeiten durchaus kürzer. Rund 500 Anrufe seien bei der Hotline eingegangen, sagt Simon Waldenspuhl, Platz 2 der Liste. Zwischen zwei bis drei Minuten dauerten die Anrufe im Schnitt. Auf Bierdeckel wurden die Nummern gedruckt, dann in mehr als 14 Kneipen ausgelegt. "Die Idee war, dass Leute in der Kneipe sitzen und dann anrufen", sagt Waldenspuhl.
  • Hotline von Urbanes Freiburg: 0761/76993500

2. Wahlsprüche auf Badisch, die man teils nicht versteht

Wahlplakate sollen, das weiß die Forschung, vor allem die eigene Wählergruppe ansprechen und diese motivieren, zur Wahlurne zu gehen. Die Freien Wähler sprechen ihre potentiellen Wähler ganz explizit an: auf badisch. "Z Friburg sicher un suufer!", "Zieh’n euch warm an" oder "Unsri Verein muen understuetzt werre!" heißt es neben den Konterfeis. Wie bitte? Ob das alle in der Universitätsstadt Freiburg verstehen? Unwahrscheinlich, aber vermutlich ist genau das gewünscht. Wer weiß schon, was "D’Hobel" bedeutet? Kai Veser von den Freien Wählern gibt Auskunft: So nennt man in Freiburg die Straßenbahn. Aha!

Zufalle, dass seit einigen Tagen auf den Freie-Wähler-Plakaten noch Zusatzaufkleber angebracht sind? "Zuhören – Verstehen – Handeln" steht dort – auf Hochdeutsch. "Wir können auch Hochdeutsch", sagt Kai Veser dazu. Für alle, die des Badischen nicht mächtig sind, haben die Freien Wähler freundlicherweise ein Video auf Facebook mit den Übersetzungen veröffentlicht.



3. Polizei hängt Wahlplakate von Nicht ab, weil sie sie nicht erkennt

Ein Gesicht, ein Lächeln und ein (oft nichtssagender) Spruch – so sehen die meisten Wahlplakate aus. Aber es gibt keine Vorgaben, wie Wahlplakate gestaltet sein müssen. Gefährden die Plakate niemanden, dürfen sie rund sechs Wochen vor der Wahl und bis dahin hängen. Das galt nicht für die Liste necessary intellectually charging tendency Nicht, deren engagierte Plakatierschritte vor zwei Wochen jäh unterbrochen wurden – von der Polizei, die die Wahlplakate nicht als solche erkannte und sie abhängte. Die Banner, die zugegebenermaßen tatsächlich schwer als Wahlwerbung zu identifizieren sind, durfte die Wählergruppierung wieder bei der Polizei abholen – und neu anbringen.

4. Der Wahlkampf wird musikalisch

Kommunalwahlen können naturgemäß nicht ohne Lokalkolorit auskommen. Das sieht auch Platz 7 der SPD-Liste für den Gemeinderat, Viviane Sigg. Kurzerhand hat sie einen Song aufgenommen über "unser schönes Freiburg". Dort singen SPD-Politiker zur verträumten Klaviermusik von den Bächle, der flüsternden Dreisam und den bösen Mieten. "Ein Herz, das für unser Freiburg schlägt" heißt der Song – und er wird sicher noch zum Hit.



5. Die Freiburger Grünen verschicken versehentlich Wahlwerbung an Kleinkinder

Erst die Salomon-Schlappe, dann das. Die Freiburger Grünen haben es wirklich nicht leicht. Ihr Vorhaben, gezielt Erstwählerinnen und Erstwähler anzuschreiben schlug Anfang Mai komplett fehl. Anstatt die Freiburger Jahrgänge 1997 bis 2001 schickte ihnen die Stadtverwaltung die Adressdaten der Freiburgerinnen und Freiburger, die zwischen 26. Mai 2014 und 23. April 2019 geboren wurden. Das Alter für die Kommunalwahl wurde zwar herabgesetzt, aber nicht so weit, dass Neugeborene oder Vierjährige zur Wahlurne tapsen dürfen. Die Stadtverwaltung entschuldigte sich bei der Fraktion und den betroffenen Eltern.

6. Junges Freiburg hat ein eigenes Wähler-Telefon

"Call me on my cellphone" schreiben die Jungen Wähler auf Freiburg. Dann steht da noch eine Handynummer und dass man seine Anliegen auf WhatsApp und Telegram schreiben kann. Tut man es, passiert erst Mal einige Stunden nichts. Anrufen geht aber auch.



7. Parteien und Gruppierungen, die sich an der AfD abarbeiten

Die Partei, die sich als Alternative anpreist, bekomtm viel Contra. Am vergangenen Wochenende soll angeblich einer ihrer Wahlkampfstände in der Kaiser-Jopsh-Straße angegriffen worden sein – so schrieb die Polizei in einer Pressemitteilung, ohne klarzustellen, wie der Angriff vonstatten gegangen sei. Zwei Augenzeuginnen widersprechen und verweisen auf einen AfD-Wahlkämpfer, der aggressiv aufgetreten sein soll. Strafbare sollen sich nur drei 15- und 16-jährige Mädchen gemacht haben, die vermummt waren. Anders geht die Partei mit der AfD um. Sie hingen Plakate mit der Aufschrift "Hier könnte ein Nazi hängen" vor den Wohnungen der AfD-Kandidaten. Die AfD, die sich wohl angesprochen fühlt, will Anzeige erstatten. Die linksradikale Antifaschistische Linke (AL) geht anders an die Geschichte und hängt gefälschte Wahlplakate im AfD-Style auf, deren Inhalte nicht immer dem Parteiprogramm entsprechen. Aber auch die AfD selbst teilt aus. Einer der AfD-Wahlkämpfer hatte am vergangenen Wochenende seiner eigenen Darstellung nach dem Oberbürgermeister vorgeworfen, das Amt zu beschmutzen, und ihm beim familiären Stadtbummel gedroht: "Herr Horn, Sie werden diese Amtszeit nicht überleben."



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