Studie

83 Prozent der Jugendlichen halten sich an die Corona-Richtlinien

dpa

Von dpa

Fr, 23. Oktober 2020 um 15:08 Uhr

Panorama

Rücksicht statt Verantwortungslosigkeit, Solidarität statt hemmungsloser Lebensfreude: Junge Menschen in Deutschland agieren in der Corona-Krise mitnichten so, wie es ihnen oft vorgeworfen wird.

Erst vor Kurzem stimmte Kanzlerin Angela Merkel in den Chor der Vorwürfe ein, als sie an junge Menschen appellierte, "lieber heute auf’n paar Feten und Feiern und Partys zu verzichten, um morgen und übermorgen gut leben zu können". Die am Donnerstag vorgestellte Jugendstudie der Tui-Stiftung ergab aber: 52 Prozent der jungen Menschen halten die Corona-Beschränkungen für angemessen, 83 Prozent von ihnen beachten die Regeln eigenen Angaben nach auch.

Ein zentrales Ergebnis: Man könne nicht sagen, dass junge Leute sich nicht an die Maßnahmen hielten, betonte Marcus Spittler, Experte des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Auch gehe unter, dass junge Leute in der Pandemie erhebliche Einschränkungen erlebten, die weit über ein Feierverbot hinausgingen.

Nur ein Fünftel hält die Maßnahmen während der Pandemie für übertrieben, ein weiteres Fünftel für nicht ausreichend. Wer sich an die Regelungen hält, tut dies vor allem, um die Gesundheit anderer zu schützen (89 Prozent), weniger wegen der eigenen Gesundheit (79 Prozent) oder der Strafen bei Missachtung (61 Prozent). Junge Menschen seien sich der Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitmenschen bewusst, betonte der Vorsitzende des Kuratoriums der Tui-Stiftung, Thomas Ellerbeck.

Unter Homeschooling leiden vor allem die Jüngeren

Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut YouGov im September in Deutschland insgesamt 1011 junge Frauen und Männer im Alter von 16 bis 26 Jahren. Junge Menschen in Deutschland litten in der Pandemie vor allem unter fehlenden sozialen Kontakten, doch überraschenderweise machte dies Erwachsenen ab 27 Jahren (52 Prozent) noch mehr zu schaffen, wie YouGov-Meinungsforscher Peter Mannott sagte.

Unter Homeschooling oder Homeoffice litten vor allem die Jüngeren, 29 Prozent nannten dies als besondere Belastung, Erwachsene ab 27 (sechs Prozent) kamen mit dem Arbeiten zuhause besser zurecht. Gleichzeitig haben junge Menschen der Studie zufolge immer mehr den Eindruck, dass die Politik eher die Interessen älterer Generationen im Auge hat. Laut Umfrage sagten dies 48 Prozent der jungen Deutschen. Schon vor der Pandemie war der Generationenkonflikt für junge Leute in Deutschland relevant.

Umwelt- und Klimaschutz bleibt das wichtigste politische Thema

Auch laut der Mitte Mai veröffentlichten Studie "JuCo" der Universitäten Frankfurt und Hildesheim fühlen Jugendliche sich in der Krise generell zu wenig beachtet. Für junge Menschen bleibt trotz der Pandemie der Umwelt- und Klimaschutz das wichtigste politische Thema (51 Prozent). Auch in den anderen europäischen Ländern beherrschte der Umwelt- und Klimaschutz für junge Leute die Agenda: Seit 2019 gab es in Großbritannien einen Anstieg von 32 Prozent auf 51 Prozent, in Frankreich von 34 Prozent auf 46 Prozent und in Polen von 19 Prozent auf 46 Prozent. Die 20 Jahre alte Studentin Stella Tringali sagte, vor allem Sozialkontakte hätten ihr in der Krise gefehlt und Reisen, für die sie gearbeitet habe.

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