Zwischenlager

Im Kernkraftwerk Leibstadt soll nun doch kein Atommüll verpackt werden

Kai Oldenburg

Von Kai Oldenburg

Fr, 15. November 2019 um 10:07 Uhr

Kreis Waldshut

Die Idee, auf dem Gelände des Schweizer Kernkraftwerks Leibstadt an der deutschen Grenze Atommüll zu verpackten, scheint erstmal vom Tisch.

Die Idee der Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke Leibstadt und Gösgen (Kanton Solothurn), auf ihren Betriebsgeländen Atommüll zu verpacken, scheint vom Tisch. Während Waldshuts Landrat Martin Kistler das Aus dieser Pläne in einer Pressemitteilung begrüßt, schreibt das Schweizer Bundesamt für Energie: "Die Betreiber verzichten gegenwärtig darauf, im Rahmen des Sachplanverfahrens Machbarkeitsstudien durchzuführen."

Zentrale Verpackung weiterhin möglich

Im Frühjahr war bekannt geworden, dass die Betreiber der beiden Kraftwerke prüfen wollen, ob die abgebrannten Brennelemente aller Schweizer Atommeiler zentral auf ihrem Gelände in Endlagerbehälter zur Einlagerung in das geplante Tiefenlager verpackt werden könnten. Wäre aus diesem Plan Realität geworden, wären Verpackungsanlage und Endlager räumlich voneinander getrennt worden. Eine solche Trennung ist gleichwohl noch möglich. Denn, so schreibt das Landratsamt: "Für eine zentrale Verpackungsanlage bleibt der Standort des Zwischenlagers (Zwilag), in dem heute die Castro-Behälter gelagert werden, aber weiterhin im Rennen."
Der Weg zum Atom-Endlager

Der vom Schweizer Bundesrat 2008 genehmigte Sachplan geologisches Tiefenlager regelt die Standortsuche für Atommüll-Endlager in drei Etappen, aktuell läuft die dritte Etappe (bis Ende 2029): Diese Etappe markiert den Weg zur Rahmenbewilligung. In den Standortgebieten Jura Ost (Bözberg), Nördlich Lägern und Zürich Nordost finden unter anderem Tiefenbohrungen statt. Die Nagra soll danach entscheiden, für welches oder welche Standortgebiet/e sie ein Rahmenbewilligungsgesuch ausarbeiten werde.Volksentscheid (Anfang 2030 bis Ende 2031): Nach der Überprüfung der Rahmenbewilligungsgesuche entscheiden Schweizer Bundesrat und Parlament Ende der 2020er beziehungsweise Anfang der 2030er Jahre über deren Genehmigung. Eine Volksabstimmung könnte 2031 erfolgen. Gebaut werden das oder die Endlager nach 2045.

Das Zwilag ist in Würenlingen (Kanton Aargau) und damit ähnlich nah an der Grenze wie das Kernkraftwerk Leibstadt. Allerdings würden die Schweizer Kantone sowie die Landkreise auf deutsche Seite den Standort Zwilag für eine zentrale Verpackungsanlage als ungeeignet anssehen, "da er über einem mächtigen Grundwasserstrom liegt, der für die Trinkwasserversorgung genutzt wird". Der Bau einer Brennelemente-Verpackungsanlage wäre, so schreibt das Schweizer Bundesamt für Energie auf seiner Homepage, an den Standorten der Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt technisch möglich.

Die jetzt verworfenen Pläne von Machbarkeitsstudien wären die Voraussetzung gewesen, dass die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) konkrete Vorschläge hätte erarbeiten können.Aktuell läuft die dritte und entscheidende Etappe auf dem Weg zu einem Schweizer Endlager für schwach-, mittel- und hochradioaktive Abfälle. Neben Tiefenbohrungen in den drei Standortregionen Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost zur genaueren Bodenanalyse sollen in den nächsten Jahren auch die Standorte der so genannten Oberflächeninfrastrukturen festgelegt werden. In diesen Anlagen, die Kritiker auch Atomfabriken oder heiße Zellen nennen, sollen später die abgebrannten hochradioaktiven Brennelemente aller Schweizer Atomkraftwerke in Endlagerbehälter umverpackt werden.