Motorsport

Absage der Motocross-Rennen trifft den MSC Schopfheim hart

BZ/zok

Von BZ-Redaktion & Matthias Konzok

Mo, 20. April 2020 um 09:00 Uhr

Motorsport

Die Corona-Krise legt auch den Motorsport lahm. Der MSC Schopfheim hat nun sein Rennwochenende, das sonst tausende Zuschauer anlockt, abgesagt. Dem Verein fehlen somit wichtige Einnahmen.

Dort, wo sonst Motoren dröhnen, Schlamm und Staub durch die Luft fliegen, herrscht: Stille. Die Corona-Pandemie hat auch den Motorsport lahmgelegt. Der MSC Schopfheim musste nun reagieren und sein Motocross-Wochenende im Juni absagen.

Ob beim Motocross in Schopfheim oder bei der Speed Night im Bad Bellinger Ortsteil Hertingen: Jahr für Jahr reisen Motorsportler aus Deutschland und Europa nach Südbaden und locken tausende Zuschauer an. Doch in Folge der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind hierzulande Großveranstaltungen bis zum 31. August vorerst untersagt. So muss der MSC Schopfheim das für den 6. und 7. Juni geplante Internationale 55. ADAC Motocross "schweren Herzens leider absagen", wie MSC-Sport- und Rennleiter Thomas Grässlin mitteilt. Betroffen sind Läufe zur internationalen Deutschen Seitenwagen-Meisterschaft und der baden-württembergischen Open-Motocross-Meisterschaft sowie das Jugend-Motocross.

MSC Schopfheim hat 60.000 Euro in seine Strecke investiert

Die Auswirkungen der Corona-Krise trifft Vereine wie den MSC Schopfheim, deren Planungen oft auf eine Großveranstaltung ausgerichtet sind, hart. So bricht dem MSC "in diesem Jahr die Haupteinnahmequelle weg", erklärt Grässlin und verweist auf die Einkünfte durch das Rennwochenende und das damit verbundene Sponsoring. "Darüber wird der gesamte jährliche Vereinsbetrieb, Clubgelände- und Vereinsheim-Unterhalt, Reparaturen und Instandhaltungskosten, Trainings- und Jugendveranstaltung und vieles mehr finanziert."

Dazu zählen auch notwendige Modernisierungen des Vereinsgeländes an der Dossenbacher Straße. 2019 musste der MSC einen neuen Waschplatz mit Ölabscheider nach neuestem Umweltstandard einbauen lassen. Behördliche Auflagen bedingten diese Investition, deren Kosten der Verein auf über 60.000 Euro beziffert. Zwar erhielt der MSC hierbei Unterstützung durch Sponsoren, und der ADAC Südbaden habe aus seinem Sportstättenförderprogramm "einen großzügigen Zuschuss gewährt". Dennoch "musste der MSC einen Großteil der Kosten selbst finanzieren", so Grässlin.

Andere Vereine hatten bereits immense Kosten

Darüber hinaus entstehen für die Vereine im Vorfeld bereits Ausgaben, "da solche Großveranstaltungen eine monatelange Vorlaufzeit in der Organisation und der Genehmigung und damit verbundener Gebühren durch diverse Dachverbände, Verbände und Behörden benötigen", wie Grässlin erklärt. Das betrifft beispielsweise Genehmigungen bei örtlichen Behörden im Zuge des Umweltschutzes. Und allein die Genehmigungen der nationalen und internationalen Verbände liegen demnach im vierstelligen Bereich. Dahingehend hatte der MSC Schopfheim Glück im Unglück, weil man noch rechtzeitig reagieren konnte. "Bisher sind für den Verein nur wenige Unkosten entstanden", sagt Grässlin, denn man habe die Genehmigungen noch nicht eingereicht. Andere Vereine mussten ihre Veranstaltungen hingegen kurzfristig absagen, "sie hatten bereits alles organisiert und deshalb immense Kosten", so der Schopfheimer Sportleiter.

Entscheidung in Hertingen Anfang Mai

Auch mit Blick auf die benötigten Rettungskräfte wäre es problematisch gewesen, das Rennwochenende durchzuführen. "Rotes Kreuz, Feuerwehr, Rennärzte – alle sind derzeit voll eingespannt", sagt Grässlin. Über einen zeitlichen Puffer verfügt derweil der MSC Rebland. Am 22. August ist die Speed Night in Hertingen geplant. Der vergleichsweise späte Renntermin bietet den Vereinsverantwortlichen momentan noch die Möglichkeit, die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie abzuwarten. Anfang Mai "wollen wir eine Entscheidung treffen", erklärt Ralf Willin, zweiter Vorstand des MSC Rebland.

MSC Schopfheim hofft auf Rennen im Oktober

Ob die Motocross-Saison jedoch in diesem Jahr überhaupt nochmal in Fahrt kommt? Das scheint mehr als fraglich. Nicht nur, weil der Wettkampf- und Trainingsbetrieb ausgesetzt ist, "sämtliche Trainingsstrecken im In- und auch benachbarten Ausland sind bis auf Weiteres geschlossen", sagt Grässlin. Sondern auch mit Blick auf den Jahreskalender. Die meisten Rennen finden normalerweise bis zum 31. August statt – und bis dahin sind eben die aktuellen Beschränkungen für Großveranstaltungen gültig.

Die Schopfheimer Verantwortlichen hoffen zumindest, "dass sich die derzeit schwierige Lage in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas beruhigt", wie Grässlin mitteilt. Und, so fügt der Sportleiter an, "dass die Rettungskräfte soweit wieder Luft haben". Dann könnte eventuell wenigstens das für den 10. Oktober geplante 2. ADAC-Clubsport-Enduro als Lauf zum baden-württembergischen ADAC-Enduro-Cup an der Dossenbacher Straße stattfinden. Üblicherweise ist mit 200 bis 250 Teilnehmern zu rechnen, die die Veranstaltung mit ihren Startgeldern finanzieren. Das Dröhnen ihrer Motoren, es wäre in Tagen der Stille wieder ein willkommenes Signal für bessere Zeiten.