Wirtschaft

Abwendung von der Profitorientierung

Peter Behnen

Von Peter Behnen (Breitnau)

Do, 07. Januar 2021

Leserbriefe

Zu: "Dann geht es steil hoch", Interview von Ronny Gert Bürckholdt mit Hans-Werner Sinn (Wirtschaft, 21. Dezember)

Es ist bemerkenswert, dass auch ein liberaler Ökonom wie Hans-Werner Sinn dafür plädiert, die Pandemie durch staatliche Verbote in den Griff zu kriegen. Das widerspricht eigentlich seiner neoliberalen Grundhaltung. Verkürzt ist seine Sichtweise, wenn es um die angebliche Gefahr einer Inflation geht. Er fokussiert sich auf die Möglichkeit, dass die massiv gesteigerte Geldmenge auf den Warenmärkten wirksam werden könnte und den Konsum in die Höhe treiben könnte.

Wichtiger wäre, auf die inflationären Tendenzen an den Börsen- und Immobilienmärkten zu schauen. Der Aufbau einer Vermögenspreisblase könnte zu einem Crash führen, der, wenn er in einer größeren Weltregion stattfände, zu einem Umschlag des Kapitalismus in barbarische Verhältnisse führte. Die einzig sinnvolle Alternative wäre eine schrittweise Abwendung von der profitgesteuerten Wirtschaftsordnung und eine Hinwendung zur Wirtschaftsdemokratie, eine Orientierung, die Herr Sinn wegen seiner wirtschaftsliberalen Grundeinstellung nicht geben kann. Peter Behnen, Breitnau