Achtung, hier staubt’s

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 22. Februar 2020

Neues für Kinder

BZ-INTERVIEW mit dem Chemiker Jens Soentgen über Wollmäuse und nervigen sowie nützlichen Staub.

Staub ist überall. Unterm Bett, auf der Straße... Der Chemiker Jens Soentgen, Leiter des Wissenschaftszentrums Umwelt der Universität Augsburg, erforscht Staub. Sonja Zellmann hat ihn gefragt, was am Staub so interessant ist.

BZ: Was genau ist eigentlich Staub?

Soentgen: Früher hat man gesagt: Staub ist alles, was so leicht ist, dass es vom Wind weggeweht werden kann. Heute sind wir etwas genauer und sagen: Staub, das sind sehr feine Teilchen, die in der Luft schweben können. Das können Fasern oder Hautschüppchen sein, Sandkörnchen oder Tropfen. Das alles zusammen nennen wir Fachleute Aerosole. Der Staub, mit dem wir es im Alltag zu tun haben, setzt sich überwiegend aus Fasern zusammen.

BZ: Was für Fasern sind das?
Soentgen: Hausstaub, also der Staub in der Wohnung, kommt zum Beispiel von unserer Kleidung. Da reiben ständig Stofffasern ab. Dazu kommen Haare, Hautschuppen, Essensreste, Dreckkörnchen. Wer einen Hund oder eine Katze hat, hat auch Tierhaare im Staub. Und wer kleine Kinder hat, hat oft mehr Staub, weil durch viel Bewegung im Haus mehr sogenannter Abrieb entsteht, also mehr Fasern abgescheuert werden.

BZ: Kann man am Staub sehen, wer in einer Wohnung lebt?

Soentgen: Ja, jede Wohnung hat gewissermaßen ihren eigenen Staubabdruck, in dem sich unsere Lebensart ausdrückt. Daher ist Staub auch für die Kriminalpolizei so interessant. Da sind viele Spuren drin, die sich zeigen, wenn man den Staub unterm Mikroskop untersucht.

BZ: Was ist so spannend am Staub, dass Sie Staubforscher geworden sind?

Soentgen: An unserem Institut beschäftigen wir uns mit dem Staub, der in der Luft ist. Wir schauen, welche Auswirkungen er auf die Gesundheit hat und wie man ihn vermindern kann. Da geht es unter anderem um den gesundheitsschädlichen Feinstaub, der durch Verbrennung entsteht, zum Beispiel in Dieselautos oder beim Heizen.

BZ: Wie kommen Wollmäuse zustande, also solche wuschelig aussehenden Staubgebilde in der Wohnung?

Soentgen: Einzelne Staubteilchen ziehen einander an wie Magnete und verbinden sich, wenn sie aufeinandertreffen – zum Beispiel durch einen Luftzug. Unterm Bett gibt es oft viele Wollmäuse, weil es durch Bewegungen auf der Matratze zu einem Pumpeffekt kommt: Die Luft wird so besonders häufig aufgewirbelt, wodurch sich der Staub unterm Bett immer weiter verbinden kann.

BZ: Da ja andauernd neuer Staub entsteht: Lohnt es sich überhaupt zu staubsaugen?

Soentgen: Stimmt, der Kampf gegen den Staub ist nicht zu gewinnen. Aber natürlich lohnt es sich Staub zu saugen, sonst wäre ja immer mehr Staub da. Auch wenn es keinen Spaß macht ... Zuhause können wir das Staubaufkommen auch verringern, wenn wir nur wenige Dinge aus Stoff haben, wie Wolldecken und Sofakissen.

BZ: Hat Staub auch was Gutes oder ist das im Grunde nur Abfall?

Soentgen: Klar hat Staub was Gutes: Für Forscher ist er interessant, weil er sich so anders verhält als andere Dinge: Er schwebt und er klebt durch seine Anziehungskraft. Farbe und Schminksachen sind Staub. Ein Bleistiftstrich ist eine Staubspur, die auf dem Papier haftet. Die Natur nutzt Blütenstaub zur Fortpflanzung. Und so weiter...