"Alles fliegt an dir vorbei"

bex

Von bex

Fr, 19. Dezember 2014

Schülertexte

ZISCHUP-INTERVIEW mit Flurin Steiert vom Skateboardladen Layback in Freiburg.

Zischup-Reporter Tim Luca Bohnert aus der Klasse 9d des Rotteck-Gymnasiums in Freiburg hat Flurin Steiert interviewt. Der 22-Jährige macht eine Ausbildung zum Holztechniker oder besser Brettbauer bei Layback, einem Fachgeschäft für Longboards und Skateboards in Freiburg.

Zischup: Wo kann man hier in Freiburg gut Longboard fahren?
Steiert: In Freiburg gibt es viel Platz zum Longboarden. Zu den normalen Strecken gehört die Strecke von Himmelreich runter. Da fährt man mit dem Zug 14 Kilometer hoch und dann einen Fahrradweg runter, ganz entspannt. Günterstal ist auch ziemlich schön. Da kann man mit der Bahn hoch- und einen Fahrradweg wieder zurückfahren. Oder halt im Schwarzwald, aber das ist für Fortgeschrittene oder Könner.
Zischup: Was macht Ihnen beim Longboarden am meisten Spaß?
Steiert: Ich kann abschalten, wenn ich die Straße habe und mit meinen Freunden irgendwo runter fahre. Dann kommt man irgendwann in einen Modus, in dem man nur noch sich, seine Freunde und die Straße vor einem sieht, und alles andere fliegt einfach so vorbei.
Zischup: Was ist das Schwierigste am Longboard fahren?
Steiert: Das Schwierigste oder das Können ist, wenn man alles auf Abruf kann, es also immer klappt und man keine Fehler mehr macht. Das ist aber sehr, sehr schwer.
Zischup: Welche verschiedenen Arten von Boards gibt es überhaupt?
Steiert: Das ist prinzipiell eine Mercedes-BMW-Frage, man kann das gar nicht so genau sagen. Es gibt klar Unterschiede zwischen den verschiedenen Richtungen. Es gibt Dancen, es gibt Downhill, es gibt Cruisen, es gibt Cityfahren. Die Verschiedenheiten sind eigentlich Geschmackssache, also sollte man das aussuchen, bei dem man sich am besten fühlt.
Zischup: Was für eine Preisklasse empfehlen Sie denn den Anfängern?
Steiert: Prinzipiell sage ich immer: Wer billig kauft, der kauft doppelt. Wenn man weiß, dass einem der Sport Spaß macht, sollte man schon so 200 bis 250 Euro in die Hand nehmen. Dann kann man sicher sein, dass die Materialien relativ gut sind.
Zischup: Ab welchem Preis fangen die guten Longboards an?
Steiert: Die Standardbretter, mit denen auch die meisten Profis fahren, liegen bei knapp 300 bis 350 Euro. Bei über 1000 Euro kommen dann Achsen aus Flugzeugtitanium oder CNC-gefräste Achsen ins Spiel. Aber das ist definitiv etwas, das sehr selten jemand braucht.
Zischup: Wo liegt der Unterschied zwischen den guten und den nicht so guten Longboards?
Steiert: Der größte Unterschied liegt im Material. Das günstige Zeug ist ganz oft schlecht verarbeitet. Das heißt, dass sich die Achsen nochmal verbiegen, die Kugellager oder die Bretter einfach schneller kaputt gehen.
Zischup: Aus welchem Holz sind die Longboards gemacht?
Steiert: Longboards sind hauptsächlich aus einem Holz-Glasfaser-Mix. Meistens ist Ahorn verbaut, das ist das klassische Skateboardholz, dann geht’s weiter mit Esche oder Bambus. Die Selbstgemachten sind oft aus Birke-Multiplex.
Zischup: Im Layback bieten sie auch Kurse an: Was bringen Sie den Teilnehmern da bei?
Steiert: Prinzipiell erst einmal, wie man sich auf dem Longboard zu verhalten hat. Da gibt es einfach ganz klare Regeln. Dazu gehört zum Beispiel, einen Helm zu tragen. Man lernt, wie man sicher bremsen kann, wann und warum man bremsen muss, und einfach die Grundregeln im Straßenverkehr, dass man die anderen und sich selbst nicht gefährdet. Und dann, wenn das alles sitzt, geht es schon weiter Richtung Open End.
Zischup: Seit wann gibt es Ihren Laden?
Steiert: Also die Marke Hackbrett gibt es schon über zehn Jahre. Das Geschäft war früher in ein bis zwei kleinen Containern, dann waren wir eine Zeit lang in der Stadt, jetzt seit einem Jahr sind wir hier in der Schopfheimer Straße und auch wirklich ein Longboard-Fachhandel.
Zischup: Wer kauft bei Ihnen eigentlich Longboards?
Steiert: Das sind mittlerweile ältere Leute, also auch über 40, die früher Surfer waren und jetzt wieder Spaß haben wollen, bis zu jungen Kids, die voll geil drauf sind und wirklich Spaß haben wollen, also nicht mehr nur Skater. Rentner gab es wenige bisher, aber gab es auch schon.
Zischup: Seit wann gibt es denn eigentlich Longboards? Und seit wann ist es ein Trend?
Steiert: Ich weiß, dass es seit zehn Jahren organisierte Weltmeisterschaften gibt. Gekommen ist das Longboarden vom Surfen, wo sich Leute Achsen unter ihre Surfbretter gebaut haben, wenn sie keine Wellen mehr hatten. Ein richtiger Trend ist es seit zwei bis drei Jahren, also seit die größere Masse entdeckt hat, dass es für sie ein Spaßartikel geworden ist oder auch ein Fahrradersatz.