Freiburger Stadtteil Vauban

Alles Öko, oder was?

Marius Brüning-Wolter, Klasse 9a, Staudinger-Gesamtschule, Freiburg

Von Marius Brüning-Wolter, Klasse 9a, Staudinger-Gesamtschule & Freiburg

Di, 01. Juli 2014 um 11:14 Uhr

Schülertexte

Der Stadtteil Vauban ist nur ein kleiner Teil Freiburgs, doch er wird immer berühmter und beliebter. Viele Touristen besuchen das Vauban. Sie kommen mit Bussen, privaten Autos oder mit der Straßenbahn. Das Vauban wird auch das "Bio"- oder "Öko"-Viertel Freiburgs genannt. Doch ist es das wirklich und wie lebt es sich dort?

Ich wohne schon länger als zehn Jahre im Vauban und habe viele tolle Erfahrungen gemacht. Das Viertel bietet eine schöne Wohnatmosphäre und kleine Geschäfte. Es wird auch besonderen Wert auf umweltbewusstes Wohnen gelegt. Die Gebäude im Vauban wurden alle entsprechend des Freiburger Niedrigenergiestandards errichtet. Einige Wohnhäuser sind die ersten Mehrfamilien-Passivhäuser in Deutschland.

Im Herzen des Viertels befindet sich ein Bioladen, der Quartiersladen. Der Laden bietet verschiedene Bioprodukte an, wie Biogummibären, Bioschokolade, saisonales Obst und Gemüse. Wir kaufen eher weniger im Quartiersladen ein, dennoch habe ich Freunde, deren Eltern sehr großen Wert auf Bioprodukte legen. Natürlich gibt es im Vauban auch "normale" Läden wie in allen anderen Stadtteilen auch. Zum Beispiel ein kleines Schreibwarengeschäft, den "Papiertiger". Dieses Schreibwarengeschäft gibt es schon, solange ich denken kann. Früher, als ich noch in die Karoline-Kasper-Grundschule ging, bin ich fast immer nach der Schule zum "Papiertiger" gegangen, um mir Süßigkeiten zu kaufen. Und auch noch heute investieren die Schulkinder ihr ganzes Taschengeld dort in Süßigkeiten, Spielsachen und anderen Kram.

Was mir besonders gefällt, ist der Freiraum, den es zwischen den Wohnhäusern gibt. Dieser wurde geschickt mit Spielplätzen, Grünflächen und Bouleplätzen ausgestattet. So sehe ich bei dem Blick aus meinem Zimmer nicht direkt einen anderen Balkon oder eine Hauswand, sondern auf eine grüne Wiese mit Blumen, Bäumen und Sträuchern. 2013 wurden die Grünspangen im Vauban vom Bund Deutscher Landschaftsarchitekten unter die Top 100 der besonderen Orte gewählt. Die üppige Vegetation hat den Grund, dass das Gartenamt seit 30 Jahren kein Unkrautvernichtungsmittel mehr einsetzt. Eine weitere Ursache ist, dass die Stadt gelernt hat, dass biologische Vielfalt für die Natur wichtig ist. Genauso findet die Mehrheit der Einwohner eine bunte, chaotische Wiese deutlich schöner, als ein stark strukturiertes Blumenbeet. "Genauer gesagt haben wir nicht das Unkraut bekämpft, sondern den Begriff Unkraut abgeschafft", so der Autor der Internetseite http://www.vauban.de Andreas Delleske.

Das sind die Hauptgründe, warum immer mehr Touristen ins Vauban kommen. In kleinen Gruppen, mit einem Reiseleiter und Experten ziehen sie durch das Viertel. Die Begeisterung und die Faszination sind ihnen deutlich anzusehen. Dem Tourismus kommt seit 2013 das neue "Green City Hotel" zugute. Dieses Hotel ist ein Integrationsbetrieb, das heißt, dass viele Angestellte eine Behinderung haben. Auch die Außenfassade aus natürlich begrünten Holzlamellen fügt sich perfekt in das Stadtbild ein.

Mich persönlich stört der ansteigende Tourismus etwas, weil ich mich immer weniger "heimisch" fühle. Auch die Möglichkeiten für Jugendliche sind gering. Zwar gibt es eine Art Skaterplatz, doch der besteht nur aus einer öden Fläche und zwei kleinen Rampen. Ich vermisse so etwas wie eine Feuerstelle oder einen etwas abgelegeneren Treffpunkt. Trotzdem finde ich das Vauban einen echt tollen Ort zum Wohnen. Das Viertel liegt direkt am Schönberg, ist mit der Straßenbahn stadtnah erreichbar und immer noch etwas abseits der Innenstadt. Der Ruf des "Bio- und Ökoviertels" ist berechtigt, da sich das Viertel und einzelne Geschäfte sehr auf einen ökologischen Lebensstil spezialisieren. Es ist ein Ruf, auf den wir "Vaubanler" stolz sein können: Wir gehen mit gutem Beispiel voran.