Alltägliches wieder lernen

Niklas Moser, Klasse 9e, Geschwister-

Von Niklas Moser, Klasse 9e & Geschwister-

Fr, 14. Dezember 2012

Schülertexte

Zischup-Reporter Niklas Moser unterstützt Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben.

"Alte Menschen haben es schön, denn sie müssen nicht mehr arbeiten gehen." Diesen Satz haben die meisten wahrscheinlich schon mal gehört. Im Rahmen meines Sozialpraktikums beschäftige ich mich insgesamt elf Wochen mit älteren Menschen, die auf dem Weg zurück in ein Leben ohne Betreuung sind.

Schon zu Beginn meiner Arbeit in der Klinik für neurologische Rehabilitation erfahre ich, dass es oftmals die alltäglichen Dinge sind, die entscheiden, ob ein "Kunde" – wie die Patienten hier genannt werden – nach Hause kann oder in einem Heim auf Betreuung angewiesen ist. So auch bei Paul M.*, 79 Jahre (Name geändert). Sein Schicksal geht mir besonders nahe, da ich ihn wegen seines Alters oft mit meinem Großvater vergleiche.

Paul M. erlitt vor einem halben Jahr einen Schlaganfall und wurde in eine Klinik eingeliefert. "Sechs Wochen lang konnte ich mich nicht bewegen und jeglicher Kontakt mit meiner Haut brachte unglaubliche Schmerzen", schildert er seine Situation. Paul M. war zunächst vollkommen auf die Schwestern angewiesen.

Sechs Wochen ist er jetzt schon zur Rehabilitation in dieser Klinik, um Vorgänge, die für uns selbstverständlich sind, wie zum Beispiel alleine essen zu können, wieder zu erlernen. "Mein größter Wunsch ist es, wieder laufen zu können." Obwohl Paul M. täglich trainiert, muss er sich ständig wieder ausbremsen, um seinen Körper nicht zu überfordern. Denn nur in gemäßigtem Tempo können wirklich Fortschritte erzielt werden. Durch die vielen Stunden allein in der Klinik wuchs in Paul M. mehr und mehr die Angst vor einem einsamen Leben – zum Beispiel in einem Altersheim. "Der Wunsch, eines Tages von meinen Schwestern abgeholt zu werden, um nach Hause zu gehen, gibt mir immer noch die Kraft für die Rehabilitation", betont er.

Es ist wahr, dass alte Menschen es genießen können, nicht mehr arbeiten zu müssen. Aber von einem sorgenfreien Leben sind sie trotzdem weit entfernt.