Die Huster sind noch nicht zurück

ANGERISSEN: Waren wir früher kränker?

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Di, 29. September 2020

Kolumnen (Sonstige)

Der Herbst ist da – und mit ihm die neuen, alten Sorgen. Wie wird das jetzt, wenn wir uns vom Freien allmählich in die Räume zurückziehen müssen und diese beheizt und womöglich schlecht belüftet sind? Was macht das mit den Kinos (siehe unten), Theatern und Konzertsälen? Wobei: Die Erfahrungen mit den Herbergen der Kunst, seitdem diese wieder in einen, freilich deutlich, reglementierten Betrieb zurückgekehrt sind, waren bislang gut. Die meisten Spielstätten dürfen nicht einmal halbvoll sein, Verhältnisse wie bei ausufernden Familienfeiern und -partys sind ohnedies nicht zu erwarten, wenn alle in eine Richtung schauen und schweigen. Apropos Schweigen: Es ist still geworden im Publikum seit dessen Rückkehr nach dem Shutdown. Kein Räuspern, kein Schnäuzen, kein Husten und kein Niesen. Waren wir früher kränker? Wer erinnert sich nicht an ganze Hustenkonzerte, bevorzugt bei den leisen Passagen im Saal. Als führe ein unsichtbarer Husten-Kapellmeister den Taktstock und gebe die Einsätze. Vorbei, wohltuend vorbei. Offenbar sind alle so konzentriert bei der Sache und wollen auf keinen Fall durch akustisches In-Szene-Setzen ihrer Atemwegsorgane Corona-Verdachtsmomente auf sich ziehen. Doch wenn sich jetzt die kalten und feuchten Tage häufen, was dann? Husten bleibt ein No-Go. Der Herbst ist da – und mit ihm die neuen, alten Sorgen.