Anklage gegen Fernsehteam

Eckhard Stengel

Von Eckhard Stengel

Fr, 18. Dezember 2020

Computer & Medien

RTL-Beitrag soll Angriff auf Unschuldigen ausgelöst haben.

Ein RTL-Beitrag, der einen Lynchjustiz-Angriff auf einen vermeintlichen Pädosexuellen auslöste, hat womöglich strafrechtliche Folgen für die TV-Macher: Ein Reporter und eine Mitarbeiterin des Senders sind nach BZ-Informationen angeklagt worden, weil sie durch mangelnde Anonymisierung den Übergriff in Bremen ermöglicht haben sollen. Damit sollen sie fahrlässige Körperverletzung begangen haben. Unklar ist, ob das Amtsgericht diese Anklage zur Verhandlung zulässt.

RTL hatte 2018 einen Beitrag über eine "neue Masche von Pädophilen" ausgestrahlt. Darin zeigten die Journalisten einen heimlich gefilmten scheinbar Verdächtigen aus Bremen, den sie unkenntlich gemacht hatten, sowie ein Gebäude, in dem seine Wohnung vermutet wurde. Fünf bis zehn Männer stürmten eine Wohnung, in der sie den Mann vermuteten und schlugen ihn krankenhausreif. Wie sich herausstellte, war der Schwerverletzte nicht der im Fernsehen verpixelt gezeigte Mann – und auch der erwies sich laut Polizei als unschuldig. 2018 hatte die "Kommission für Zulassung und Aufsicht" der deutschen Landesmedienanstalten den RTL-Beitrag förmlich beanstandet, weil er gegen journalistische Grundsätze verstoßen habe.