Antizyklisch

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 23. Februar 2020

EHC Freiburg

Hingehen lohnt sich: Der EHC Freiburg spielt heute gegen Bad Nauheim.

DEL-2-Club EHC Freiburg spielt eine Saison nah am Maximum. Ursprünglich höchstens als Mittelfeldkandidat gehandelt, hat sich der letztjährige Beinahe- Absteiger zu einem Spitzenteam entwickelt. Heute. 18.30 Uhr, spielen die Wölfe gegen Bad Nauheim.

Viele trauen Freiburgs-Eishockey-Zweitligist in den Playoffs die ganz große Überraschung zu. An der Ensisheimer Straße aber bleiben sie auf dem Boden. Den Kufenkünstlern geht es um eine langfristige Entwicklung.

Seinen Keynes hat Daniel Heinrizi offensichtlich gelesen. Die Lehren von John Maynard Keynes gehören zum kleinen Einmaleins eines jeden Volkswirts. Der britische Ökonom führte die internationale Gemeinschaft in den 1930er Jahren mit seiner Idee vom antizyklischen Investieren einst aus der Weltwirtschaftskrise. Ein wenig hält es auch der sportliche Leiter des DEL-Zweitligisten Daniel Heinrizi mit Keynes: "Alle werden uns kommende Saison an unserem derzeitigen Erfolg messen. Darauf bereiten wir uns vor." Seit vergangenem Oktober brütet der 34-jährige sportliche Leiter des EHC Freiburg daher bereits über den Kaderplanungen für die kommende Saison. Während der herkömmliche Betrachter in den vergangenen Monaten nur beobachten konnte, wie der Zweitligist dem ohnehin schon guten Saisonstart eine überragende Phase in der Liga folgen ließ, zwischenzeitlich sogar Tabellenführer war und sich mittlerweile in der Spitzengruppe der Tabelle festgesetzt hat, hat der Sportchef die Weichen auf Zukunft gestellt.

Gewissermaßen hat Heinrizi damit seinen Worten vom zurückliegenden Jahr Taten folgen lassen. Damals hatte er den EHC Freiburg als "schlafenden Riesen" bezeichnet. Stand jetzt hat er damit Recht behalten. Antizyklisch denken, niemals mit dem Hier und Jetzt zufrieden geben: Heinrizi und sein Cheftrainer Peter Russell haben ihren Kufencracks ein klares Credo mitgegeben: "Was wir gerade erleben, ist das Ergebnis täglicher, harter Arbeit", beschwört der Sportchef.
Als Team mit einem der kleinsten Etats der Liga sind die Wölfe nach vorn gestürmt. Oder korrekter gesagt: Der EHC hat sich nach vorne verteidigt. Freiburg stellt die beste Defensive der Liga. Coach Russell will, dass stets das ganze Team verteidigt. "Hier stimmt momentan die Mischung", findet Ex-Nationalspieler Simon Danner, der vor einem halben Monat zurück zum EHC wechselte. Hier hatte der 33-Jährige bereits seine Jugendzeit verbracht, bevor er in Frankfurt, Wolfsburg, Schwenningen und Augsburg mehrere Jahre im deutschen Oberhaus dem Puck hinterherjagte.

"Regionale Kräfte, gute Spieler, die auf den vier Ausländer-Positionen funktionieren und das Konzept des Trainers addieren sich zu einem guten Mix", ergänzt Defensivmann Alexander Brückmann, der seit 2010 für die erste Mannschaft der Wölfe aufläuft. Der 27-Jährige ist sich sicher: "Wir können in den Playoffs für eine Überraschung sorgen."

War der EHC Freiburg ein schlafender Riese?

"Deswegen wollen wir versuchen, einen Großteil der Kaders so zusammenhalten", sagt Sportchef Heinrizi. Er rechnet damit, dass er 80 Prozent des Teams zusammenhalten kann. Die Leistungsträger haben bereits verlängert. Heinrizi weiß: "Wären wir hier zu spät dran gewesen, hätten wir sie nicht mehr bezahlen können." Da das Duett Russell/Heinrizi aber schon immer überzeugt von den Stärken des Kaders war, haben sie den personellen Rahmen für die kommende Spielzeit bereits festgezurrt. Geraten die Eisspezialisten ob des aktuellen Höhenflugs ins Träumen? Schließlich hat die DEL vor anderthalb Jahren verkündet, dass sie nach knapp 15 Jahren der hermetischen Abriegelung wieder einen geregelten Auf- und Abstieg zulassen will. Von 2020/21 an sollen sich DEL-2-Clubs wieder für die Beletage qualifizieren können. "Wir haben immer gesagt, es geht uns um eine langfristige Entwicklung", sagt Heinrizi. Managersprech.

Verteidiger Brückmann, der durch seinen Bruder, DEL-Mann und Nationaltorwart Felix Brückmann, die Tücken des Oberhauses kennt, findet: "Träumen kann man immer, momentan aber sind wir weit weg." Hindernis Nummer Eins ist die Echte-Helden-Arena, Hindernis zwei die professionellen Strukturen. Beides müsste für die DEL neu-, beziehungsweise massiv ausgebaut werden. Ex-DEL-Spieler Danner sagt: "In der DEL geht’s nochmal schneller und körperbetonter zu. Finanziell ist das eine andere Hausnummer." Dieser Realismus zeichnet die Wölfe 2020 aus. "Schritt für Schritt denken", nennt das Heinrizi. Keynes hätte es nicht besser formulieren können.
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