Eidechsen-Umzug

Artenschutz ist zwingend Habitatschutz

Martina Hänsler

Von Martina Hänsler (Freiburg)

Mo, 16. Mai 2022

Leserbriefe Freiburg

Zum Bericht "Teure Wanderung der Kriechtiere – Umzug der Mauereidechsen kostet 900 000 Euro" (BZ vom 10. Mai), in dem es um die Umsiedlung der Mauereidechsen geht, die im künftigen Baugebiet Kleineschholz leben.

Eidechsen, insbesondere Mauereidechsen, verhalten sich sehr territorial.

Mauereidechsenreviere sind nur rund 25 Quadratmeter groß. Hier sollte dann vom Nahrungsangebot über die Sonnenbank bis zum Eiablageplatz und sicheren Verstecken möglichst alles vorhanden sein für eine Eidechse.

Eine Mauereidechse wird immer versuchen, wieder zu ihrem Revier zurückzukehren. Nur weil der Mensch ihr ein "schönes neues Zuhause" gebaut hat, bedeutet das nicht, dass die Eidechse dort bleiben möchte.

Ich halte das für Augenwischerei und dafür, den Bürger an der Nase herumzuführen. Artenschutz ist zwingend Habitat-Schutz! Wäre der "neue" Lebensraum ein geeignetes Habitat, gäbe es dort schon Eidechsen, die ihr Revier gegen Neuankömmlinge verteidigen. Wenn es dort keine Eidechsen gibt, wo sie hinverpflanzt werden sollen, dann hat das einen Grund. Da ist das Areal aus Sicht der Eidechsen nicht geeignet.

Der Mensch macht sich mal wieder die Natur zum Untertan und die Welt, wie sie ihm gefällt.

Und der Leser denkt: "Ja, die machen was für den Artenschutz". Das einzige, was Artenschutz wäre, wäre irgendwo anders zu bauen und den streng geschützten Tieren ihren so eng begrenzten Lebensraum zum Überleben zu lassen.

Martina Hänsler, Freiburg