Fliegen

Auch wir müssen unser Reiseverhalten ändern

Barbara Classen

Von Barbara Classen (Freiburg)

Sa, 16. Mai 2020

Leserbriefe

Zu: "Pokerspiel um Einstieg des Bundes bei der Lufthansa", Agenturbeitrag (Wirtschaft, 29. April)
Der Luftverkehr ist auf das Niveau von 2006 gesunken, was bedeutet, dass wir 2020 unseren Klimazielen näher kommen. Damit es bei dieser guten Nachricht bleibt, müssen die europäischen Staaten, allen voran Deutschland und Frankreich, auf eine bedingungslose Unterstützung ihrer nationalen Fluggesellschaften, Lufthansa und Air France-KLM, mit Milliarden von Steuergeldern verzichten.

Die Fehler nach der Finanzkrise von 2008 dürfen sich nicht wiederholen; staatliche Hilfe darf nicht mehr mit freier Fahrt für Emissionen gleichgesetzt werden. Das Argument der Arbeitsplätze, die unbedingt gerettet werden müssen, ist im Kontext der drohenden Klimakatastrophe nicht mehr haltbar. Der Staat sollte sich da engagieren, wo Arbeitsplätze entstehen, die dem Erreichen der Klimaziele dienen. Darüber hinaus sollten mehr und besser bezahlte Arbeitsplätze in systemrelevanten Berufen wie Alten- und Krankenpflege entstehen und so diese Berufe aufgewertet und für mehr Menschen attraktiver gemacht werden.

Wenn wir den Klimawandel entschleunigen wollen und eine solidarischere Gesellschaft anstreben, müssen auch wir Bürger unser Reiseverhalten verändern. Sollte uns das jüngste Angebot der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit nicht nachdenklich machen? Die Piloten erklären sich dabei bereit, auf bis zu 45 Prozent ihres Gehalts zu verzichten, und wollen so zur Rettung der Lufthansa beitragen. Sie zeigen uns damit ungewollt den einzuschlagenden Weg: Weniger Verdienst für einige, weniger Umweltzerstörung für alle und eine solidarische Gesellschaft sind der Weg aus der drohenden Klimakatastrophe. Barbara Classen, Freiburgund Yvon Broudeur, Merzhausen