Übersetzungen

Die Corona-Regeln gibt es im Kreis Lörrach bald zum Anhören – in vielen Sprachen

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Fr, 08. Januar 2021 um 13:29 Uhr

Lörrach

Viele Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, tun sich schwer, die Corona-Regeln zu verstehen. Stadt, Landratsamt und Schubert-Durand-Stiftung in Lörrach wollen das ändern.

Selbst für Muttersprachler ist es in der Corona-Pandemie nicht leicht, Maßnahmen und Verhaltensregeln zu verstehen und immer auf dem aktuellen Stand zu sein. Was tun bei einem positiven Corona-Test? Was bedeutet Ausgangssperre, was Quarantäne? Auf Initiative der Integrationsbeauftragten des Landratsamts Eva Petersik und in Zusammenarbeit mit der Stadt, der Internationalen Kommission und der Schubert-Durand-Stiftung werden dieser Tage "Sprachpakete" für Menschen mit fehlenden Deutschkenntnissen online gestellt.

In einfacher Sprache und in kurzen Kapiteln

In mehreren Sprachen wurden Erklärungen zu grundlegenden Dingen wie medizinische Informationen, Schutzmöglichkeiten und Quarantäneregeln in Audiodateien eingepackt. Um sie möglichst vielen Menschen zu vermitteln, geschieht das in einfacher Sprache und in kurzen Kapiteln, und zwar in Absprache mit dem Ärzteteam des Gesundheitsamts und mit der Pressestelle des Landratsamts.

Für Eva Petersik, die auch an der Hotline und Kontaktverfolgung beteiligt ist, war es offensichtlich, dass viele Bürger überhaupt nicht wissen, was es heißt, in Quarantäne zu sein, oder wie man sich im Krankheitsfall verhalten muss.

Viele ziehen sich aus Angst zurück

Auch Gudrun Schubert von der Schubert-Durand-Stiftung berichtet davon, dass in ihrer Zielgruppe, Mädchen und Frauen aus dem islamischen Kulturkreis, große Unsicherheit herrsche. Viele zögen sich zurück, weil sie Angst haben. Doch das könnten nicht alle. Wer arbeiten müsse, sei dem Risiko einer Ansteckung ausgesetzt. Die normalen Vermittlungswege, wie etwa die von der Stiftung angebotenen Elternkurse oder Frauentreffen, fallen aufgrund des Shutdowns weg. Alles Notwendige schriftlich zu hinterlegen und über Whatsapp-Gruppen zu verteilen, funktioniere nicht, sagt Gudrun Schubert aus Erfahrung.

Aus ihrer langjährigen Tätigkeit für die Schubert-Durand-Stiftung wusste auch die Integrationsbeauftragte des Landratsamts, dass viele ihrer Klienten zwar über Whatsapp-Gruppen informiert würden, aber solche Texte nicht lesen können. Deshalb stieß ihre Initiative im Landratsamt bei Gudrun Schubert und ihren Kolleginnen auf offene Ohren. Die Stiftung war auch die erste Beteiligte, welche die Audiodateien in Türkisch, Arabisch und Persisch auf ihren Social-Media-Kanälen hochlud.

Kommunikation läuft auf anderen Wegen

Was bisher getan wurde: Das Landratsamt und die Stadt Lörrach verlinkten auf ihren Homepages Informationen des baden-württembergischen Sozialministeriums. Dort versuche man, neue Maßnahmen aktuell zu übersetzen, wie Eva Petersik erklärt. Da aber in den Netzwerken von Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, Kommunikation oft auf anderen Wegen ablaufe, machte sie sich Gedanken darüber, wie man diese besser erreichen könne. Wie ihnen sagen, wie sie sich verhalten sollen, was von ihnen erwartet wird? Anfang Dezember wurde das Projekt "Sprachpakete" angegangen und in mehreren Telefonkonferenzen mit dem Integrationsmanager im Welcomecenter der Stadt Lörrach, Maximilian Schmalz, Ashwak El Hourani von der Stadt sowie Mitgliedern der Internationalen Kommission und der Schubert-Durand-Stiftung besprochen.

Audiodateien sollen in den kommenden Tagen online gehen

Augenblicklich sind Audiodateien in Arabisch, Dari, Farsi, Französisch, Italienisch und Türkisch fertig, aufgenommen mit Hilfe des Dolmetscherpools und der Internationalen Kommission der Stadt Lörrach sowie der Schubert-Durand-Stiftung. Eva Petersik will weitere hinzufügen, etwa in Russisch, Serbokroatisch, Polnisch, Englisch und auch Deutsch.

Es gehe darum, dass Leute wie Integrationsmanager oder Sozialarbeiter diese Dateien an ihre eigenen Kontakte weitergeben und so als Multiplikatoren fungieren. Weitere thematische Bausteine beispielsweise zum Impfen sollen bald folgen. Das Ganze werde im Laufe dieses Monats Fahrt aufnehmen, kündigt Petersik an. Nach den Feiertagen wolle man daran gehen, die Audiodateien über diverse Kanäle zu posten. Die Stadt Lörrach will sie auch auf ihrem Youtube-Kanal veröffentlichen.