Monumentales Holzobjekt

Auf dem Weg zur Staufener Burg steht jetzt "Orbi"

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Mo, 30. September 2019 um 15:31 Uhr

Staufen

Der Künstler Marco Schuler gibt der Stadt Staufen sein monumentales Holzobjekt "Orbi" als Dauerleihgabe. Es besteht aus 26 Papst-Bänken und steht am Rand des Weges zur Staufener Burg.

Ein Stolperstein ganz besonderer Art steht seit ein paar Tagen den Wanderern zum Staufener Schlossberg im Weg. Das Holzobjekt "Orbi" konnte durch Vermittlung von Elmar Bernauer von der Galerie "Fluchtstab" in die Fauststadt geholt werden. Es ist eine auf zehn Jahre ausgelegte Leihgabe des Künstlers Marco Schuler. Die Sache hat einen kleinen Haken: Möglicherweise bleibt sie gar nicht so lange in der Stadt.
Es mag nicht nur am freigiebig ausgeschenkten Wein gelegen haben, dass sich viele Menschen am Samstag am Orbi versammelten. Viele waren neugierig zu erfahren, was es mit dem Objekt auf sich hat, das per Tieflader angeliefert wurde und schon seit ein paar Tagen am Fuß des Schlossbergs im Gewann Reitschmiedt in den Himmel ragt. Burgturm, Wachturm, Leuchtturm? Auf jeden Fall sehr massiv, gebaut aus Papstbänken, die nach dem Besuch von Benedikt XVI. im Jahr 2011 an Interessierte abgegeben wurden.

Der Künstler Marco Schuler sicherte sich 30 dieser Bänke und baute aus 26 von ihnen den Orbi. Er ist innen hohl, und im oberen Teil finden sich auf allen vier Seiten des hochstehenden Quaders jeweils zwei runde Öffnungen. Der "kantige Riese", wie der Künstler selbst sein Werk bezeichnet, wirke dadurch freundlicher, und die "Augen" gäben der Skulptur fast ein menschliches Gesicht. Bei Orbi, so sagte der Kunsthistoriker Markus Ewel in seiner Interpretation, entstehen Assoziationen: als erstes, woher die Bänke stammen – und dann Erinnerungen an den Segen "urbi et orbi" (der Stadt und dem Erdkreis), der der Stadt Rom und der gesamten Kirche durch den Papst an Weihnachten und an Ostern gespendet wird. Rom war damals Zentrum der Welt-Macht und ist heute immer noch Zentrum der Christenheit. Doch stelle sich die Frage, ob ein solcher Machtanspruch heute noch vertreten werden könne. "Hier beginnt die Irritation, und es gilt neue Antworten zu finden", sagte Ewel.

Dabei richte er seinen Blick auf die Öffnungen, die auf ihn wie "Augen mit starr-ernstem Blick" wirkten. Sie ließen die Dicke der Wandung abschätzen und erlaubten einen Blick ins Innere, das leer ist. Die Statue nehme kein Gegenüber in den Blick, jeder könne sich angeschaut fühlen oder nicht. Dieser Blick, der komme und gehe in alle Richtungen, erlaube dem Betrachter einen freien Standpunkt. "Und es ist unsere Fantasie, was dieser rätselhafte Gesichtsausdruck sagen will, die das Gegenüber lebendig werden lässt", sagte Kunsthistoriker Markus Ewel.

Ein zweiter Gedanke sei die Frage nach dem Inhalt des Turms, der ja leer ist. "Der Betrachter erfüllt ihn mit Inhalt, wo keiner ist; deshalb wird diese Hülle zum Anstoß, sich mit ihr zu beschäftigen". Der Mensch suche und brauche Bedeutung – und müsse sich - wie es auch der Schelm immer wieder versuche – mit Vieldeutigkeit begnügen. Marco Schuler ergänzte: "Wie ein unbetretbares Wachhäuschen wird die Skulptur vor dem Fußgänger auf dem Weg zur Burg aufragen. Halte Deine Augen in alle vier Himmelsrichtungen geöffnet, bleibe nach oben hin offen und frei, habe deinen Standpunkt, lenke deine Blicke auf Schönes und Gutes und wahre das Geheimnis, das du selbst bist."

Orbi stand seit 2012 auf dem Gipfel des Belchen und war dort mitnichten leer. Er umschloss das Gipfelkreuz und hatte so durchaus einen Inhalt. Der Künstler hat zugestimmt, das Werk auf zehn Jahre an die Stadt Staufen zu geben. Ob sie allerdings so lange bleibt, ist nicht sicher: Die Skulptur steht zum Verkauf – so könnte ja auch die Stadt das Objekt erwerben. Der Preis ist laut Marco Schuler "Verhandlungssache".

Die Skulptur Orbi besteht aus Tannenholz aus 26 Papstbänke aus der Hinterlassenschaft des Papst-Besuchs in Freiburg 2011. Höhe: fünf Meter. Gewicht pro Seite 1,4 Tonnen. Gesamtgewicht inklusive Betonblöcken zur Stabilisierung im Inneren zehn Tonnen. 2012 auf dem Belchen aufgestellt, dann eingelagert. 2018 in Görwihl aufgestellt, 2019 als Leihgabe an die Stadt Staufen vergeben. Bei der Skulptur wird in Kürze eine Tafel aufgestellt mit einem Text, der den Künstler und sein Werk beschreiben wird.

Ein Video der Vernissage gibt es im In0terne0t unter: mehr.bz/orbivideo