Aus dem Kirsch-Areal wird Moltke 47

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Sa, 24. April 2021

Offenburg

Fast 100 Wohnungen sollen auf dem ehemaligen Fabrikgelände an der Moltke-Straße entstehen.

. Aus "Kirsch" wird "Moltke 47": Auf der seit einigen Jahren ungenutzten Fläche des früheren Offenburger Traditionsunternehmens Kirsch sollen bis zu 95 neue Wohneinheiten entstehen. Nach dem Abbruch der bestehenden Gebäude könnte ab Ende 2022 mit den Neubauten begonnen werden. Die historische Backsteinfassade entlang der Moltkestraße wird wohl zugunsten eines durchgehenden Fußgänger- und Radwegs ebenfalls der Spitzhacke zum Opfer fallen. Die Carl-Blos-Straße soll hin zur Erzbergerstraße verlängert werden.

Stadtplaner Daniel Ebneth stellte die Pläne dem Planungsausschuss des Gemeinderates vor. Vorrangig im Mittelpunkt der Präsentation stand das Modell des Architekturbüros Müller und Huber aus Oberkirch. Es war aus einer Mehrfachbeauftragung als Sieger unter drei Büros hervorgegangen. Ihre Konzeption "Moltke 47 - neue urbane Gemeinschaften in der Offenburger Oststadt" hat das Preisgericht, das vor fünf Wochen getagt hat, am meisten überzeugt.

Die Mehrfachbeauftragung ist laut Daniel Ebneth eine Variante für ein städtebauliches Qualifizierungsverfahren. Anders als bei einem "ordentlichen" Wettbewerbsverfahren seien hier die formellen "Richtlinien für Planungswettbewerbe" nicht anzuwenden. Hier gebe es bei der Mehrfachbeauftragung auch kein Auftragsversprechen zur Realisierung. Im aktuellen Fall hätten sich der Eigentümer des gesamten Geländes, Jochen Kopitzke, Geschäftsführer der 2017 nach Willstätt umgesiedelten Firma Kirsch, und der Investor, die Firma Funk, aber bereit erklärt, im südlichen Bereich das Büro Müller und Huber für die Umsetzung zu beauftragen und im nördlichen Bereich das Büro Hansert und Partner aus Schutterwald, das ebenfalls ein Konzept abgegeben hatte. Der südlich des Carl-Blos-Wegs gelegene Grundstücksteil soll an Funk veräußert werden und von dieser entwickelt werden. Der nördliche Teil wolle Kopitzke voraussichtlich selbst entwickeln.

Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss geplant

Für das gesamte Areal, das rückwärtig an das Schiller-Gymnasium anschließt, ist laut Daniel Ebneth Geschosswohnungsbau vorgesehen, mehrere drei- bis fünfgeschossige Gebäude mit mehreren Wohneinheiten sollen entstehen. Im Norden sind momentan primär Eigentumswohnungen angedacht, im Süden, an der Ecke Moltkestraße/Zeller Straße, Mietwohnungen mit Gewerbeeinheiten im unteren Geschoss, etwa Büros oder Räume für Dienstleistungen.

Recht imposant, bei einer Länge von 90 Metern, fällt laut Bebauungsvorschlag das Gebäude entlang der Moltkestraße aus. "Hier wird aber nun im Weiteren noch geprüft, wie und wo größere Öffnungen im Gebäude erfolgen", so Daniel Ebneth. Derartige Gebäudemaße seien in der näheren Umgebung aber nicht ungewöhnlich. Man denke nur an die Gewerbeschule, auch im benachbarten Kronenquartier seien derartige Strukturen vorgesehen. Wille der Investoren sei laut Ebneth außerdem Fassadenbegrünung – mit Drähten, an denen sich Pflanzen emporranken.

Die Zahl der Wohneinheiten auf dem Kirsch-Areal stehe noch nicht exakt fest: "Im Süden aber könnten zwischen 45 und 55 Wohneinheiten entstehen, im Norden zwischen 35 und 40 Wohneinheiten, je nach Wohnungsgröße." Je Wohneinheit sei mindestens ein Stellplatz vorgesehen, zum Teil im Erdgeschoss, hinzu kämen zehn Prozent Besucherstellplätze auf dem Grundstück. Für den Nordteil ist eine Tiefgarage vorgesehen.

Die Büros hatten mehrere Rahmenbedingungen zu halten. So möchte die Stadt entlang der Moltkestraße einen Geländestreifen zum Bau eines kombinierten Fuß-/Radwegs erwerben. Was darauf hinaus läuft, so die Antwort auf eine Frage von Stadtrat Mario Vogt (Freie Wähler), dass die historisch anmutende Backsteinfassade der alten Shedhalle aus den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht stehen bleiben kann. "Gegebenenfalls können Zitate der Backsteinwand in den privaten Freiflächen oder im Erdgeschoss des Gebäudes noch integriert werden", so Daniel Ebneth.

Für die Rettung der Fassade hatten sich Bürger stark gemacht. Geplant ist auch, eine Sackgasse im östlichen Bereich der Carl-Blos-Straße zu beseitigen und diese als Fuß-/Radweg bis zur Moltkestraße "durchzubilden", mit der Erzbergerstraße als Verlängerung auf der östlichen Seite der Moltkestraße. Dieser Durchstich hat laut Daniel Ebneth bislang aber lediglich den Arbeitstitel "Carl-Blos-Weg".