Aus dem Schatten gestrampelt

dpa

Von dpa

Fr, 28. Februar 2020

Radsport

Emma Hinze und Pauline Grabosch gewinnen den Teamsprint bei der Bahnrad-WM / Männer-Vierer für Olympia qualifiziert.

BERLIN (dpa/BZ). Kristina Vogel und Miriam Welte waren mächtig stolz auf die neuen Golden Girls des deutschen Bahnradsports. "Jede Zeit hat ihre Athleten, ihre Stars. Ich war es vielleicht auch ein paar Jahre. Jetzt kommen neue Champions. Das macht total Spaß. Vielleicht war es auch das Richtige für sie, dass die zwei Alten weg sind und Platz für Neue machen", sagte Vogel nach dem Gold-Coup der jungen deutschen Teamsprinterinnen bei der Heim-WM in Berlin.

Mit dem goldenen Auftakt bei den Titelkämpfen im Velodrom hatte kaum einer gerechnet. Zurück liegen 20 beschwerliche Monate, angefangen mit dem so schlimmen Trainingsunfall der seitdem querschnittsgelähmten Rekord-Weltmeisterin Vogel bis hin zum Rücktritt von Welte im vergangenen Jahr. Plötzlich waren Hinze, Pauline Grabosch und Lea Sophie Friedrich, die in der Qualifikation zum Einsatz kam, gefordert. Alle drei nicht älter als 22 Jahre und immer mit der Bürde, am einstigen Erfolgsduo gemessen zu werden. Schließlich hatten Vogel und Welte eine Ära geprägt, Olympia-Gold 2012 in London geholt und viermal den WM-Titel eingefahren.

Vor allem Grabosch war nach dem Unfall von Vogel auf der Betonpiste in Cottbus in ein tiefes Loch gefallen, hatte sie den folgenschweren Zusammenprall der Olympiasiegerin mit einem niederländischen Nachwuchsfahrer doch im Training hautnah erlebt. Die Magdeburgerin legte eine Pause ein, sogar ihre so verheißungsvoll begonnene Karriere stand auf der Kippe. Die gesamte Mannschaft habe sich nach dem Unfall von Vogel und dem Rücktritt von Welte neu sortieren müssen, sagte Grabosch. Herausgekommen ist ein vielversprechendes Trio für die Zukunft, vor allem im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Tokio (24. Juli bis 9. August). "Wir haben gute Karten, wir sind alle schnell. Es wäre schön, wenn es im Sommer nochmal schneller geht und wir das als beflügelnden Moment nutzen können", sagte Hinze, die sich in überragender Form präsentierte und sogar den Weltrekord von Vogel auf der Position zwei unterbot. Für den Vierer war die Qualifikation für Olympia das wichtigeste Ziel bei dieser WM. "Das müssen wir schaffen", hatte Domenic Weinstein aus dem Bad Dürrheimer Ortsteil Unterbaldingen vor der WM der Badischen Zeitung gesagt. Hierfür musste das Team mindestens den achten Platz belegen. Nach nationalem Rekord in der Qualifikation (3:50,304 Minuten) ging es gegen Großbritannien um die Finalläufe. In diesem Rennen brach das Team mit Felix Groß, Leon Rohde, Weinstein und Theo Reinhardt nach gut drei Kilometern aber auseinander und kam nur noch auf 3:53,577 Minuten. Das reichte am Ende zum siebten Platz. Damit ist die Qualifikation geschafft, der deutsche Vierer wartet allerdings weiter auf eine Medaille in der einstigen Paradedisziplin, die für fünf Olympiasiege und 16 Weltmeistertitel gesorgt hatte. Domenic Weinstein tritt noch in der 4000-Meter-Einerverfolgung an diesem Freitag an. "Ich weiß nicht, wozu ich fähig bin", sagte er der BZ. "Aber wenn ich ins Rollen komme, will ich unter die Top Vier."

Die Titel am Donnerstag gewannen: Männer, Scratch: Karaliok (Weißrussland); Mannschaftsverfolgung: Dänemark in 3:44,672 Minuten (Weltrekord); Keirin: Lavreysen (Niederlande). Frauen, Mannschaftsverfolgung: 1. USA; 2. Großbrit.; 3. Deutschland.