Geert Mak

Aus einer Krise kann Großes erwachsen

Joachim Walter

Von Joachim Walter (Müllheim)

Sa, 20. Februar 2021

Leserbriefe

Zu: "Aus einer Krise kann Großes erwachsen", Interview von Peter Riesbeck mit Geert Mak (Kultur, 30. Januar)

Herausragend, wie Geert Mak unsere durch die Pandemie veränderte Gemütslage und die zunehmende Beklemmung bezüglich der Gestaltbarkeit einer individuellen Zukunft mit einer wünschenswerten und machbaren Umgestaltung Europas verknüpft. Behutsam ist seine Wortwahl für das, was uns im neuen Jahrtausend aufgewühlt hat und weiter beschäftigen wird: Finanzkrise, Eurokrise, Flüchtlingsdebatte, Klimaschutzpolitik, Sicherheitspolitik.

Das inflationär gebrauchte Wort Krise lässt er dort nicht gelten, wo es nichts verloren hat. Die globale Migration muss solidarisch debattiert und den tatsächlich Betroffenen solidarisch geholfen werden. Sind wir Europäerinnen und Europäer deshalb in der Krise? Mitnichten. Ein im Zentrum machtvolles föderales Europa ist dazu in der Lage.

Der Kompromiss ist eine europäische Errungenschaft, vereitelt aber zunehmend eine mehrheitlich solidarische Vorgehensweise. Das Festhalten am Vetorecht jedes Mitgliedstaats sollte zu Gunsten einer flexibleren Handlungsfähigkeit aufgegeben werden. Dazu muss mehr nationale Souveränität zur Schaffung einer föderal organisierten Fiskal- und Sozialunion Europa preisgegeben werden. Bleibt das politische Europa so starr wie bisher, werden uns mit beschämenden Kompromissen wie Frontex, verpuffenden Milliardenzahlungen an die Peripherie und Rückführungspatenschaften weiter Lösungen vorgegaukelt. Mehrheitlich solidarisch können wir Europäerinnen und Europäer das besser. Der von Geert Mak genannten Renaissance des Ausschlusses von "Wir" gegen "Sie" sollten wir solidarisch und erfolgreich Paroli bieten. Joachim Walter, Müllheim