Aus für Zverev bei den French Open

dpa

Von dpa

Mo, 05. Oktober 2020

Tennis

US-Open-Finalist verliert gegen jungen Italiener Jannik Sinner in vier Sätzen / Daniel Altmaier und Laura Siegemund im Achtelfinale.

Alexander Zverev muss mindestens bis 2021 auf seinen ersten Grand-Slam-Titel warten. Drei Wochen nach seiner Final-Niederlage bei den US Open schied Deutschlands bester Tennisspieler bei den French Open im Achtelfinale aus. Zverev, der am Vorabend des Matches Fieber hatte, musste sich am Sonntag dem Italiener Jannik Sinner 3:6, 3:6, 6:4, 3:6 geschlagen geben und verpasste damit ein Duell mit Paris-König Rafael Nadal im Viertelfinale. Nadal deklassierte den Qualifikanten Sebastian Korda (USA) 6:1, 6:1, 6:2.

"Jannik Sinner hat heute verdient gewonnen", sagte Tennis-Legende Boris Becker als TV-Experte beim Sender Eurosport. "Insgesamt hat Alexander Zverev etwas zu passiv gespielt und stand zu weit hinter der Grundlinie."

Zverev haderte mit sich, seiner Erkältung und dem böigen Wind. Immer wieder blickte er ratlos zu seinem neuen Trainer David Ferrer und seinem Vater Alexander Senior auf die Tribüne. Insgesamt agierte der 23-Jährige viel zu passiv und überließ Sinner die Initiative. Und der Shootingstar aus Südtirol, dem einige Experten eine große Zukunft vorhersagen, übernahm liebend gerne das Kommando und setzte den oft viel zu weit hinter der Grundlinie stehenden Zverev mit seinen wuchtigen Grundschlägen unter Druck.

Im dritten Satz kämpfte sich Zverev noch einmal in die Partie zurück, Sinner (19) blieb aber trotz des Satzverlustes gelassen. Im vierten Durchgang schaffte er schnell ein Break und machte die Überraschung mit dem ersten Matchball perfekt. Zverev wird sich nun ein paar Tage erholen, ehe er dann angeblich in Köln bei den beiden Hallen-Turnieren antritt.

Damit ist beim Sandplatz-Spektakel in der französischen Hauptstadt nur noch ein Deutscher bei den Männern vertreten. Qualifikant Daniel Altmaier trifft am Montag in seinem Achtelfinal-Match auf den Spanier Pablo Carreno Busta. Der 22 Jahre alte Qualifikant Altmaier setzte seinen beeindruckenden Siegeszug in Paris fort und schaltete am Samstag den an Nummer sieben gesetzten Italiener Matteo Berrettini mit 6:2, 7:6 (7:5), 6:4 aus. Der Spanier Busta hatte bei den US Open erst im Halbfinale in fünf Sätzen gegen Zverev verloren. Der 29-jährige Iberer gilt als Spieler, der seinem Gegner kaum Punkte durch eigene Fehler schenkt. Für Altmaier kein Problem: "Ich werde ihm auch nichts schenken", sagte der Kempener voller Selbstvertrauen.

Altmaier hatte 2018 wegen einer Mischung aus Bauchmuskelschmerzen und Schulterproblemen fast ein Jahr pausieren müssen und war sogar aus den Top 400 der Weltrangliste gerutscht. Seitdem kämpfte er sich Stück für Stück zurück und nutzte die Corona-Pause, um sich körperlich in einen Top-Zustand zu bringen. Das hilft ihm in Paris, wo er durch die Qualifikation musste und nun schon sechs Spiele absolviert hat. "Mein Fitnessprogramm und die Tatsache, dass ich 2020 sehr viele Matches gespielt habe, machen mich stark", sagte er. Altmaier, aktuell die Nummer 186 der Welt, ist erst der vierte Spieler in diesem Jahrtausend, der bei seiner Grand-Slam-Premiere auf Anhieb das Achtelfinale erreicht hat.

Bei den Frauen spielt US-Open-Doppel-Siegerin Laura Siegemund (Metzingen) im Achtelfinale gegen Paula Badosa (Spanien). In der nach vielen Favoritenstürzen offenen Frauen-Konkurrenz rang die 32-jährige Deutsche die an Nummer 13 gesetzte Kroatin Petra Martic 6:7 (5:7), 6:3, 6:0 nieder und überstand damit erstmals in ihrer Karriere bei einem Grand-Slam-Turnier im Einzel die dritte Runde.

Die deutschen Doppel-Titelverteidiger Kevin Krawietz/Andreas Mies kämpften im Achtelfinale das französische Duo Benjamin Bonzi und Antoine Hoang mit 6:4, 1:6, 7:6 (7:5) nieder und wehrten dabei im dritten Satz drei Matchbälle ab.