Ausbau als Hürdenlauf

Holger Holzer (SP-X)

Von Holger Holzer (SP-X)

Sa, 06. März 2021

Auto & Mobilität

Ladeinfrastruktur und Mehrfamilienhäuser.

Wer in einer Wohnung wohnt, guckt beim Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur für E-Autos häufig in die Röhre. Ein neues Gesetz soll Abhilfe schaffen, schließlich geht es hier um die Basis der Elektromobilität.

Das Ende vergangenen Jahres in Kraft getretene überarbeitete Wohneigentumsgesetz sollte einen gewichtigen Hemmschuh für den Ausbau der E-Mobilität beseitigen und die Installation einer Ladestation auch für Wohnungseigentümer und -mieter erleichtern. Bis zu der Novelle musste die gesamte Wohneigentümergemeinschaft dem Ladesäulenbau zustimmen – und zwar einstimmig. Und das auch, wenn es nur um eine einzelne Anlage an einem einzigen Stellplatz ging. Entsprechend schwierig war es für E-Autobesitzer häufig, ihre Pläne durchzubringen.

Das neue Gesetz hat die Schwierigkeiten nun zunächst behoben, wie Martin Kaßler, Geschäftsführer des Verbandes der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV) erklärt. Allerdings kommt der künftige E-Mobilist weiterhin nicht komplett an der Wohneigentümergemeinschaft vorbei: Sie darf immer noch über Art und Umsetzung der Maßnahme abstimmen. "Eine Eigentümerversammlung ist daher weiterhin nötig", so Kaßler. Diese ist zu Corona-Zeiten allerdings nicht immer ohne weiteres organisierbar.

Eventuell dadurch ausbleibende Beschlüsse waren nicht nur aufgrund der zeitlichen Verzögerung ein Problem. Es geht auch um Geld – und zwar um bis zu 900 Euro pro Ladesäule. Das nämlich ist der Betrag, den der Bund seit Ende November bei der Installation einer Wallbox zuschießt. Rund 270 Millionen der zunächst insgesamt zur Verfügung stehenden 300 Millionen Euro waren nach Auskunft der zuständigen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Ende Februar bereits abgerufen. Wie Anfang dieser Woche nach einer Mitteilung des Bundesverkehrsministeriums bekannt wurde, wird dieser Betrag jetzt aber um 100 Millionen Euro auf insgesamt 400 Millionen Euro aufgestockt, so dass keine Torschlusspanik aufkommen muss.

Wie sich der Anteil der Antragssteller zwischen Eigenheim- und Wohnungsbesitzern aufteilt, erhebt die nationale Förderbank nicht. Allerdings liegt die Zahl der geplanten Ladepunkte pro Antrag aktuell bei zirka 1,23, was auf einen relativ hohen Anteil von Ein-und- Zweifamilienhaus-Besitzern hinweisen dürfte. Zudem sind 98 Prozent der Antragssteller Privatpersonen – und eben keine Hausverwaltungen.

Doch selbst wenn Eigentümerversammlungen in Kürze wieder möglich sein sollten, ist das Problem keinesfalls gelöst. Denn dann könnte es bei den Handwerkern zu einem Stau kommen. Die haben zuletzt stark unter den ausbleibenden Aufträgen aus Mehrfamilienhäusern gelitten und ihre Personal- und Betriebskosten heruntergefahren. Eine plötzliche Welle an größeren Renovierungs- und Installationsbeschlüssen könnten sie womöglich gar nicht handhaben, befürchtet Kaßler.

Für den Ausbau der E-Auto-Infrastruktur bedeutet die Situation der Wohneigentümergemeinschaften ein ernstes Problem, stehen sie doch für deutschlandweit rund vier Millionen Parkplätze. Verbände aus Autoindustrie, Energiebranche und Wohnungswirtschaft dringen bereits seit Jahren auf den Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur, den sie als zentralen Hebel für den Hochlauf der Elektromobilität sehen. Schließlich fänden rund 85 Prozent aller Ladevorgänge an privaten Säulen und Wallboxen statt. Allerdings wohl auch künftig eher selten in Mehrfamilienhäusern.