Kernkraft in Russland

Im Süden Moskaus sind 60.000 Tonnen Atommüll entdeckt worden

Stefan Scholl

Von Stefan Scholl

Mi, 16. Oktober 2019 um 18:19 Uhr

Ausland

BZ-Plus In Moskau könnte eine riesige Baustelle bald radioaktive Schichten freilegen, wenn 60.000 Tonnen Atommüll beseitigt werden. Die Anwohner protestieren seit Monaten – doch die Stadt will davon nichts wissen.

Jemand hat ein kleines gelbes Dreieck mit einem schwarzen Flügelrad, dem Zeichen für Atomstrahlung, auf einen Baumstamm geklebt. Ein anderer hat ein anderes gelbes Dreieck wieder abgerissen. Die Böschung ist steil, ihr Unterholz kaum vom Herbst gelichtet, Moskauer Niemandsland. Das Dosimeter knarrt, Iwan Kondratjew hält es an einem Stativstab in ein Erdloch. Das Display zeigt 8,6, dann 9,8, schließlich 10,1 Mikrosievert pro Stunde. Und rot schimmernde Buchstaben: "Gefährliche Radioaktivität". Zum Vergleich: In der Sperrzone von Tschernobyl, am Eingang zum Unglücksreaktor, werden jetzt 1,2 Mikrosievert registriert.

Stadt will trotz Strahlung eine Autobahnbrücke bauen
"Techniker des Katastrophenschutzministeriums haben hier sogar schon 61 Mikrosievert gemessen. Das Dreihundertfache der Norm." Iwan Kondratjew, 61, Umweltaktivist, steht mit seinem Dosimeter auf einer Atommüllkippe. In den Hängen unterhalb der Moskauer Fabrik für Polymetalle lagern nach Angaben des Verbraucherschutzamtes Rospotrebnadsor mindestens 60 000 Tonnen Nuklearabfälle. Die Halde befindet sich im Süden der 12,4-Millionen-Stadt, die S-Bahn-Station Moskwaretschje ist kein Steinwurf entfernt, weiter links liegt der Fluss Moskwa. Die Halde neben dem Park der alten Zarenresidenz Kolomenskoje war ...

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