Braunau am Inn

Was machen mit dem Hitler-Haus?

Norbert Mappes-Niediek

Von Norbert Mappes-Niediek

Fr, 11. Januar 2013

Ausland

Das österreichische Braunau am Inn hat ein Problem mit einer geschichtsträchtigen Immobilie – keiner weiß, was mit der Geburtsstätte des "Führers" geschehen soll.

Manchen geht es auf die Nerven, immer nach dem Hitler-Haus gefragt zu werden, und sie schicken die Touristen dann irgendwohin, etwa zum Krankenhaus. Besonders oft gefragt wird der Verkäufer im Textilgeschäft gegenüber. Er deutet dann immer auf das gelbe Gebäude. Manchmal schaut er sogar auf die Uhr und sagt: "Kommen Sie um halb eins wieder, da schaut er gern zum Fenster raus!"

Wenn man hier geboren ist, hat man für das Haus in der Salzburger Vorstadt Nr. 15 meistens einen Satz auf Lager; nicht immer so einen lustigen, manchmal auch einen weisen, kecken oder auch einen banalen. Für den Umgang aber mit einem solchen Gebäude gibt es nicht einmal außerhalb von Braunau eine Regel. Aus einem KZ macht man eine Gedenkstätte, eine Kultstätte für Neonazis würde man einfach entfernen. Was aber tun mit einem dreistöckigen Haus in bester Stadtlage, in dem zufällig der Lebensweg eines der größten Verbrecher der Weltgeschichte begann? Das Haus steht schon fünfzehn Monaten leer. Für seine Zukunft will niemand die Verantwortung übernehmen.

Georg Wojak, dem munteren Bezirkshauptmann von Braunau am Inn, könnte man einen Vorschlag zutrauen. Weil der Verwaltungsbeamte aber nicht zuständig ist, lässt er sich auch nur markante Sätze einfallen. Zum Beispiel: "Wir haben uns nicht ausgesucht, dass die Dienstmagd Klara Pölzl hier am 20. April 1889 einen Sohn geboren hat." Einmal hat Wojak auch gesagt, der Hitler habe hier "bloß die Windeln gefüllt" – was aber prompt die Grünen auf den Plan rief.

Braunau war nie ein Nazi-Nest oder gar ...

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