Zischup-Schreibwettbewerbgewinnerin Frühjahr 2022

"Bäume mit Zukunft sind die Eichen"

bzt

Von bzt

Do, 28. April 2022 um 15:42 Uhr

Schreibwettbewerb Zischup

Von Jaelle Köpfer, Klasse 8c, Theodor-Heuss-Realschule, Lörrach

Ein Interview mit dem Förster Berthold Köpfer vom Forstrevier Lörrach-Weil am Rhein über die Zukunft unseres Waldes

Zischup: In welchem Waldgebiet arbeiten Sie und sind Sie 2050 noch dafür zuständig?

Köpfer: Ich arbeite im Stadtwald Lörrach und im Stadtwald Weil auf den Gemarkungen Weil, Märkt, Haltingen und Lörrach, Brombach, Haagen und Tüllingen. Ich bin 2050 nicht mehr zuständig, weil ich dieses Jahr schon aufhöre.

Zischup: Wie wird der Wald im Jahr 2050 aussehen? Wird er sich stark verändern?

Köpfer: Sicher kann niemand sagen, wie er im Jahr 2050 aussehen wird. Das sind ja immerhin noch 30 Jahre bis dahin. Wenn sich das Klima weiter so entwickelt und es immer heißer und trockener wird, dann wird der Wald sich stark verändern. Dann werden einige Baumarten bei uns hier unten verschwinden, weil es ihnen zu heiß und zu trocken wird. Zum Beispiel wird die Fichte verschwinden, ebenso die Tanne und eventuell sogar die Kiefer. Diese werden sich in höhere Lagen in den Schwarzwald zurückziehen, wo es kälter ist und mehr Wasser zur Verfügung steht. Durch die Schädigungen, die wir jetzt schon haben, wie zum Beispiel Eschentriebsterben, wird die Esche ganz verschwinden. Man weiß auch nicht, ob sie wieder zurückkommen kann, weil es nicht sicher ist, ob es resistente Bäume gibt. Die Esche braucht aber auch viel Grundwasser, weshalb sie in den unteren Lagen eher auch in Zukunft Probleme haben wird. Bäume mit Zukunft sind die Eichen, die als Tiefwurzler besser ans Grundwasser kommen und relativ anpassungsfähig sind. Außerdem die Douglasie, die ebenfalls tief wurzelt und mit wenig Wasser auskommen kann. Es werden auch Versuche mit neuen Baumarten gemacht. Ob diese aber hier hinpassen, kann man erst in einigen Jahrzehnten sagen.

Zischup: Werden Menschen dann auch noch im Wald spazieren gehen können?

Köpfer: Solange der Wald bewirtschaftet wird, kann man auch in Zukunft noch dort hingehen. Wenn man Urwald hätte, könnte man nicht mehr durchgehen, weil dort alles übereinander liegt und dicht verwachsen ist. Da könnten dann nur noch Wildschweine und Bären durch.

Zischup: Wie sehr beeinträchtigt der Klimawandel den Wald und die Tiere?

Köpfer: Den Wald beeinträchtigt er in den letzten zehn bis 15 Jahren gewaltig. Seit 2003 ist der Wald sehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden, weil seitdem Hitze und Trockenheit zu deutlichem Wassermangel geführt haben. Ältere Bäume können sich nur schwer umstellen und sind deshalb deutlich benachteiligt. Jüngere Bäume können sich eher auf die veränderten Bedingungen einstellen, weil sie noch vitaler sind.

Der Wald wird hier sicher nicht verschwinden, aber er wird sich verändern. Die Tiere werden sich ebenfalls anpassen müssen, wenn weniger Nahrung zur Verfügung steht. Wildschweine und Rehe können sich gut anpassen, schwieriger wird es für feuchtigkeitsliebende Tiere wie Frösche und Lurche. Es werden eher neue Tierarten dazukommen, wie aktuell der Wolf. Vor allem aber Insektenarten, die mehr Wärme benötigen, wie zum Beispiel die Tigermücke und einige Zeckenarten.

Zischup: Gibt es 2050 noch alle Lebewesen, die heute hier leben? Welche sind eventuell bedroht oder gefährdet?

Köpfer: Bedroht sind vor allem die Tierarten, die an eine bestimmte Flora und Fauna gebunden sind. Allerdings ist es so, dass der Wirtschaftswald mehr Tierarten beherbergen kann als der Urwald. Insofern wird sich da wohl nicht so viel verändern, solange wir den Wald nutzen. Gefährdet sind die Tiere, die sich von Insekten ernähren, weil es immer weniger Insekten gibt, weil zu viele Umweltgifte sie schädigen. Auch das Nachtlicht schadet den Insekten, weil diese sich an den Lampen sammeln und dort Opfer von Fressfeinden werden und auch verhungern.

Zischup: Wie viel Müll liegt im Wald, und wird dieser sich Ihrer Meinung nach vermehren in den nächsten 30 Jahren?

Köpfer: Es liegt heute schon zu viel Müll im Wald. Es gibt leider immer wieder Menschen, die sich an keine Regeln halten und den Wald als Mülldeponie betrachten. Das wird sich leider auch in Zukunft wohl nicht ändern.