Nach 13 Corona-Fällen

Bahlinger SC will auch Partie beim SSV Ulm verschieben

Matthias Kaufhold

Von Matthias Kaufhold

Mo, 28. September 2020 um 20:10 Uhr

Sonstige Sportarten

Am Donnerstag endet für die Fußballer des Bahlinger SC die Corona-Quarantäne. Am Samstag sollen sie in der Regionalliga beim SSV Ulm antreten. Ist das medizinisch zu verantworten?

Das Positive vorneweg: Bis Montag hat sich der Gesundheitszustand der mit dem Coronavirus infizierten Personen beim Bahlinger SC nicht verschlechtert. Keiner der 13 Betroffenen im Kader des Fußball-Regionalligisten liegt im Krankenhaus. Nur einer Person, die bettlägerig sei, mache Covid-19 bislang zu schaffen, versichert der Vereinsvorsitzende Dieter Bühler. Dass die Mannschaft dennoch bereits mit dem Auswärtsspiel beim SSV Ulm am kommenden Samstag wieder den Spielbetrieb aufnimmt, halten die Verantwortlichen des BSC für zu riskant.

Nachdem der erste Corona-Fall am Sonntag, 20. September, im Regionalliga-Team der Kaiserstühler belegt war, hatte Mannschaftsarzt Tarek Schlehuber für den Folgetag umgehend alle Spieler und Funktionsträger testen lassen. Die gesamte Equipe, einschließlich Trainer, Betreuer und Physiotherapeuten, begab sich in häusliche Quarantäne. Allerdings endet diese 14-tägige Separation nicht für alle am gleichen Tag. Manche kommen an diesem Mittwoch, andere erst am Donnerstag wieder raus. "Warum? Das ist uns auch ein Rätsel", sagt Clubchef Bühler.

Wer die Infektionskette ausgelöst hat, ist unklar

Womöglich hängt das mit behördlichen Vorgaben zusammen. Je nach Wohnort der Betroffenen sind verschiedene Gesundheitsämter zuständig. Beim BSC sind auf jeden Fall die Ämter der Landkreise Emmendingen, Ortenau und Breisgau-Hochschwarzwald (auch für Freiburg zuständig) involviert. Das erschwert auch die Nachverfolgung von Kontakten.

Wer sich wo als Erster infiziert hat und das Virus dann in die Mannschaft trug, haben die Verantwortlichen nicht ermitteln können. "Wahrscheinlich werden wir das nie rausbekommen", schätzt Bühler. Es sei falsch anzunehmen, dass der erste Positiv-Fall der Auslöser war. "Ein Teil der positiv Getesteten zeigt gar keine Symptome", sagt der sportliche Leiter Bernhard Wiesler. Vielleicht sei aus dieser Gruppe das Virus eingeschleppt worden.

Für Bühler und Wiesler habe sich der Verein jedenfalls nichts vorzuwerfen. Alle Schutzmaßnahmen seien im Vorfeld eingehalten worden. Breite Tests seien frühzeitig veranlasst worden, ohne erst das Go des Gesundheitsamts abzuwarten. Die TSG Balingen (BSC-Gegner in der Regionalliga am 16. September) und der TSV Steinbach (Gegner am 19. September) seien sofort verständigt worden. Der Corona-Fall bei der TSG hinge mit einem Spieler der dortigen zweiten Mannschaft zusammen und habe keinen Bezug zum BSC, so Bühler. In Steinbach seien alle Tests negativ ausgefallen, was den Bahlinger Chef nicht wundert: "Laut einer DFB-Studie ist eine Ansteckungsgefahr während des Spiels nahezu ausgeschlossen."

Entwarnung für die zweite Mannschaft

Auch die Zweite des BSC, die noch am 20. September ein Landesliga-Pflichtspiel mit vier Spielern der ersten Mannschaft austrug, sei komplett auf Covid-19 überprüft worden. "Eine reine Vorsichtsmaßnahme", so Bühler. Da niemand aus der Zweiten corona-positiv getestet sei, dürfte die Mannschaft am kommenden Sonntag gegen die SG Nordweil/Wagenstadt wieder aufs Spielfeld zurückkehren.

Und die erste Mannschaft? Der Heimauftritt an diesem Mittwoch-Spieltag gegen den FC Bayern Alzenau fällt flach. Für Bernhard Wiesler ist es "eigentlich nicht zu verantworten", dass seine Spieler bereits am Samstag in Ulm wieder auflaufen. Um eine konkurrenzfähige Mannschaft zu stellen, müsse der BSC aus seinem 25-Mann-Kader auf einen Teil jener zehn Spieler zurückgreifen, die positiv getestet wurden. Dies aber hält Mannschaftsarzt Tarek Schlehuber aus medizinischen Gründen nicht für vertretbar: "Die Folgen des Virus für den kardio-pulmonalen Apparat sind bei weitem noch nicht verstanden", sagt Schlehuber, der ein Belastungs-EKG vor Wiederbeginn für notwendig hält. Dies sei aber bis zum Wochenende nicht mehr zu stemmen. Der Verein hat deshalb bei der Regionalliga Südwest den Antrag gestellt, die Partie in Ulm zu verschieben, wohlwissend, dass damit die Spielplangestalter noch mehr Probleme bekommen. "Es hilft aber nichts", sagt Bühler. "Wir dürfen angesichts der angespannten Lage nur von Woche zu Woche denken."