Experiment

Studierende aus Offenburg schicken Ballon in die Stratosphäre

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 24. November 2020 um 20:13 Uhr

Offenburg

Studierende der Hochschule Offenburg haben Daten in der Stratosphäre gesammelt. Dafür ließen sie einen Wetterballon bis in 34.678 Meter Höhe aufsteigen. Zu Boden kam er in Tschechien.

An einem Herbstmorgen gegen 7.30 Uhr trafen sich laut einer Pressemitteilung der Hochschule Offenburg 13 Verfahrenstechnik-Studierende auf dem Flugplatz in Kehl. Die empfindliche Ballonhülle aus Latex musste mit rund 2000 Litern Helium befüllt werden. Gleichzeitig wurde eine Kapsel mit handelsüblichen Messeinrichtungen zu Temperatur, Druck, Feuchtigkeit, Aerosolen sowie Kohlenstoffdioxidgehalt (CO2) vorbereitet und am Ballon befestigt. Zusammen mit einem Fallschirm sowie einer Radiosonde und einem GPS-Tracker hob der Ballon um 9.45 Uhr in östliche Richtung ab.

Drei Gruppen folgten dem Ballon auf unterschiedlichen Routen. Gegen Mittag – der Ballon hatte die Region Meßkirch und eine Höhe von 18.500 Metern erreicht – riss das Signal der Radiosonde plötzlich ab. Es drohte der Verlust der Kapsel und aller Messdaten. Einige Stunden später konnten die Studierenden den Ballon aber per GPS orten: Er war nach einem etwa siebeneinhalb Stunden langen und rund 650 Kilometern weiten Flug bei Mikulov in Tschechien gelandet.

Ballons war mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde unterwegs

Die Auswertung der Messeinrichtungen in Offenburg ergab eine maximale Flughöhe von 34.678 Metern. Insgesamt war der Ballon zwei Stunden lang auf etwa dieser Höhe unterwegs. "Einen Flug eines Wetterballons über so lange Zeit in einer Höhe von mehr als 34.000 Metern habe ich noch nie erlebt", so Dragos Saracsan, der betreuende Professor. Eigentlich hätte der Ballon durch den geringeren Umgebungsdruck und die veränderte Dichte des Heliums in einer solchen Höhe platzen müssen. Da sich Helium-Dichte und Umgebungsluft allerdings annähernd angeglichen hatten, war der Ballon in einen Schwebezustand ohne Höhenänderung übergegangen. Erst Luftströmung und Schwingungen ließen ihn nach zwei Stunden schließlich doch platzen.

Zuvor hatten die Messeinrichtungen interessante Daten aufgezeichnet: Der minimale Luftdruck etwa betrug 3,98 Hektopascal. Zum Vergleich: In Offenburg beträgt der Luftdruck etwa 1000 Hektopascal. Die tiefste Temperatur lag bei Minus 52,6 Grad Celsius. Die maximale Geschwindigkeit des Ballons lag bei 150 Kilometern pro Stunde, weswegen er auch deutlich weiter flog, als erwartet.

Studierende werten Flug als vollen Erfolg

Ein besonderes Augenmerk der Studierenden galt den aufgezeichneten CO2-Werten, denn das sogenannte Treibhausgas trägt am stärksten zu dem durch den Menschen verursachten Klimawandel bei. Wie schon bei vorangegangenen Versuchen fiel die CO2-Konzentration mit zunehmender Höhe zunächst, stieg jedoch in der Stratosphäre wieder an. Dieses Phänomen hängt vermutlich mit heftigen Waldbränden zusammen, etwa im Amazonasgebiet. Durch eine Kaminwirkung können die Waldbrand-Emissionen in diese Höhen getragen werden. Auch die anderen durchgeführten Messungen bestätigten diese Erwartungen. Detaillierte Auswertungen laufen derzeit noch.

Das Team wertet den Flug als vollen Erfolg, Flugdauer und -weite haben alle überrascht. Zudem habe sich gezeigt, dass auch mit einfachen Geräten nachvollziehbare Messwerte erzielt werden können.