Auf die Knie gehen, nicht in die Knie

dpa

Von dpa

Mo, 03. August 2020

Basketball

Basketball-Profis in den USA wenden sich zum Saisonstart gegen Rassismus und Ungerechtigkeit – trotz Drohung eines Politikers.

(dpa/BZ). Fast alle NBA-Profis protestierten beim Start nach der Corona-Pause gegen Rassismus und Ungerechtigkeit. Die Oklahoma City Thunder um den deutschen Nationalspieler Dennis Schröder ließen sich auch von einer politischen Warnung nicht abbringen. Nur einzelne Spieler schlossen sich nicht an.

Schröder hakte sich während der US-Hymne bei seinen Teamkollegen unter, ging auf das rechte Knie und präsentierte das schwarze Shirt mit der weißen Aufschrift "Black Lives Matter". Auch Oklahoma mit Schröder protestierten mit eindrücklichen Zeichen gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit. Dabei ließen sich die NBA-Profis auch nicht von der Drohung des (hellhäutigen) Republikaners Sean Roberts aus Oklahoma abbringen, der angekündigt hatte, dass man "vielleicht die beachtlichen Steuervorteile" für die Thunder "überprüfen" müsse, wenn dies geschehe. "Es war besonders, dass es uns möglich war, dies gemeinsam als Team zu tun", sagte Schröders ebenfalls dunkelhäutiger Teamkollege Chris Paul nach dem 110:94 gegen Utah zur Aktion des Teams. "Als Spieler hatten wir viele Gespräche über den übergeordneten Grund, wofür wir hier spielen. Es war schön, dass wir vereint waren."

Auch wenn in den weiteren Partien an den ersten Tagen der Saisonfortsetzung auf dem Gelände von Disney World in Orlando die überwältigende Mehrheit der NBA-Spieler diese Form des Protests wählte, gab es einzelne Profis, die darauf verzichteten. Der (hellhäutige) Meyers Leonard (Miami) erklärte, dass er die Black-Lives- Matter-Bewegung (Schwarze Leben zählen) unterstütze, blieb aber bei der US-Nationalhymne stehen. "Mir ist bewusst, was los ist. Aber ich kann beides sein. Mein Patriotismus geht tief."

Der dunkelhäutige Jonathan Isaac von den Orlando Magic nannte religiöse Gründe dafür, warum er nicht auf ein Knie ging. "Für mich werden schwarze Leben durch den Gospel unterstützt." Während seine Teamkollegen knieten, habe er gebetet, sagte Isaac.

Auch der langjährige Trainer der San Antonio Spurs, Gregg Popovich, und seine Assistenz-Trainerin Becky Hammon (beide hellhäutig), die die amerikanische, aber auch die russische Staatsbürgerschaft besitzt, blieben vor der Partie gegen Sacramento stehen. Beide trugen dabei aber "Black-lives-matter"-Pullover. Popovich (71), zugleich Trainer des US-Nationalteams, wollte keine Gründe für sein Stehen nennen: "Jeder muss eine persönliche Entscheidung treffen. Die Liga war diesbezüglich großartig: Jeder hat die Freiheit zu reagieren, wie er möchte."

Der gemeinsame Kniefall aller NBA-Profis hatte den Re-Start überstrahlt, NBA-Boss Adam Silver (hellhäutig) stellte danach klar: "Ich respektiere den gemeinsamen friedlichen Protest unserer Teams für soziale Gerechtigkeit und werde unter diesen Umständen die lange existierende Regel, die das Stehen bei der Nationalhymne einfordert, nicht durchsetzen."

Die Spieler haben zudem die Möglichkeit, auf ihren Trikots spezielle Botschaften anstelle ihres Namens zu präsentieren. So steht beim deutschen Nationalspieler Maximilian Kleber "Gleichberechtigung" auf dem Rücken. Dass Miamis (dunkelhäutiger) Akteur Jimmy Butler den Platz komplett frei lassen wollte, ließ die Liga jedoch nicht durchgehen. Als Kompromiss durfte Butler Heat den Platz oberhalb der Rückennummer frei lassen und seinen Namen darunter setzen. "Ich habe mich entschieden, es zu ändern, weil mich meine Teamkollegen brauchten", sagte Butler, der ansonsten nicht hätte spielen dürfen.