Basketballspielerin Mirna Paunovic

GESICHT DER WOCHE: Abschied von Liga eins

Georg Gulde

Von Georg Gulde

So, 02. August 2020

Basketball

Sollte im Oktober die 20. Erstligasaison der Basketballerinnen des USC Freiburg mit Zuschauern stattfinden, werden Besucher eine Spielerin auf dem Parkett sehr vermissen: Mirna Paunovic. Die 43-jährige ehemalige Nationalspielerin Bosnien-Herzegowinas zieht sich aus der Beletage des deutschen Korbballsports zurück, sie soll ab und an im zweiten Team der Eisvögel in der drittklassigen Regionalliga eingesetzt werden. Bundesligaspiele wird sie – falls Zuschauen erlaubt ist – allenfalls noch von der Tribüne aus verfolgen.

43 Jahre, das ist ja auch ein gesegnetes Alter für den Abschied vom Leistungssport. Zumal, wenn man – wie die Centerspielerin – alleinerziehende Mutter ist, in Vollzeit in der Personalabteilung der Justizvollzugsanstalt Freiburg arbeitet und wenig Zeit zum Training hat. Als ob das nicht genug wäre, liegen auch einige gesundheitlich schwierige Phasen hinter der 1,85 Meter großen Frau, die im Spätsommer 2005 nach Freiburg gekommen war. Bis Ende der Saison 2011/2012 spielte sie, dann legte sie eine Babypause ein. Sie brachte ihre Töchter Misha (nun sechs Jahre) und Mika (vier Jahre) zur Welt. Es schien eine glückliche Zeit zu sein für eine Frau, die mit 15 Jahren die Familie verlassen hatte, dann in einem Basketball-Internat erwachsen geworden und in der Folgezeit als Profi durch Europa getourt war.

Doch dann erhielt Mirna Paunovic Ende 2015, als sie mit ihrem zweiten Kind im achten Monat schwanger war, bei einer Untersuchung die Diagnose: Brustkrebs. Mika wurde daraufhin dreieinhalb Wochen vor dem eigentlichen Termin geboren. Es folgte für Paunovic im Januar 2016 eine Operation, danach Chemotherapie. Auch die Trennung von ihrem Mann fällt in diese Zeit. "Man sieht während und nach einer Krankheit vieles anders, als man es davor gesehen hat", sagt sie – und ergänzt: "Ich bin so dankbar, dass ich danach wieder zu den Eisvögeln zurückkommen konnte."

Sie zog von Ettenheim nach Freiburg, heuerte nach dem Abstieg der Eisvögel in die zweite Bundesliga als Co-Trainerin an – um vier Monate später doch wieder Spielerin zu werden und der jungen Mannschaft entscheidend auf dem Parkett zu helfen, dass das Team des Universitätssportclubs sofort wieder aufstieg.

Für Paunovic kam also die erste Bundesliga wieder. Aber auch der Krebs. Im Frühjahr 2019 wurde sie erneut operiert. Erfolgreich. Es folgte für die Frühaufsteherin (5 Uhr) und überzeugte Kaltduscherin ("Ist doch schön"), die inzwischen auf Yoga setzt, um im inneren Gleichgewicht zu bleiben, ihre letzte Saison in Liga eins. Und Erstliga-Basketball war für Mirna Paunovic ein letztes Mal mehr als der geliebte Sport – er war Therapie.