Spielemesse

Bei der Gamescom zeigen auch baden-württembergische Firmen ihr Können

Achim Fehrenbach

Von Achim Fehrenbach

Do, 22. August 2019 um 19:30 Uhr

Computer & Medien

Die Gamescom in Köln ist in diesem Jahr noch größer, noch bunter. Aus Baden-Württemberg kommen die Spiele "A Juggler’s Tale" und das satirische Action-Game "Destroy All Humans!".

Dominik Schön steht mitten im Gewusel der Gamescom. Der 23-Jährige ist aus Ludwigsburg nach Köln gekommen, um "A Juggler’s Tale" zu zeigen. In dem Computerspiel – es soll 2020 erscheinen – rätselt sich die Marionette Abby durch eine zauberhafte, aber auch gefährliche Mittelalterkulisse. "A Juggler’s Tale" ist eines von mehreren Spielen, die derzeit in Baden-Württemberg entwickelt werden. Für Schön und seine Kollegen Steffen Oberle und Enzio Probst ist die Gamescom eine gute Gelegenheit, "A Juggler’s Tale" einem großen Publikum zu präsentieren. Und vielleicht auch einen Vertrag mit einem Spieleverlag abzuschließen.

Bis zum Samstag ist Köln das Zentrum der Computerspielwelt. Zur elften Ausgabe der Gamescom erwarten die Veranstalter weit über 300 000 Fans und Fachbesucher. Flächenmäßig ist die Gamescom gegenüber dem Vorjahr noch einmal um fünf Prozent gewachsen, sie belegt nun 210 000 Quadratmeter der Messehallen in Köln-Deutz. 1000 Aussteller aus über 50 Ländern sorgen für ein Spektakel, das weltweit seinesgleichen sucht: Mit zahlreichen Spieleneuheiten, E-Sport-Wettkämpfen, Konzerten und Cosplay-Wettbewerben, bei denen sich SpielerInnen wie Games-Figuren verkleiden.

Die neuen Trends sind Cloud-Gaming und die Ray-Tracing-Technologie

Natürlich ist die Gamescom auch in diesem Jahr ein Schaufenster für die neuesten Trends auf dem Spielemarkt: Etwa das sogenannte Cloud Gaming, bei dem Anbieter wie Google, die Telekom oder Vodafone Spiele direkt als Internet-Stream anbieten. Oder auch die Ray-Tracing-Technologie, die Spiegelungen und Schattenwürfe in Spielen realistischer macht. Besonders präsent ist auf der Gamescom das Thema E-Sport: In riesigen Arenen verfolgen Messebesucher, wie professionelle Zocker bei Fifa oder League of Legends gegeneinander antreten. Auch die "Indie Arena Booth", der Ausstellungsbereich für kleine Spielestudios, ist 2019 größer als je zuvor. Jeden Tag erscheinen weltweit hunderte Games – und der Kampf um Aufmerksamkeit wächst.

Große Spielefirmen wie Activision, EA oder Ubisoft verfügen hingegen über Marketing-Budgets im teils dreistelligen Millionenbereich. Für sie ist die Gamescom ein immens wichtiges Schaulaufen, entsprechend bombastisch kommen die Messestände daher. Rund um die festungsähnlichen Aufbauten stehen die Fans geduldig Schlange, um ihr Lieblingsspiel für ein paar Minuten ausprobieren zu können, ehe es in den Handel kommt. Zu den Blockbustern der Gamescom 2019 zählen Spiele wie die Fußball-Simulation "Fifa 20" (EA), das Endzeit-Abenteuer "Borderlands 3" (2K Games), das wuselige Aufbau-Strategiespiel "Die Siedler" (Ubisoft) oder das martialische "Call of Duty: Modern Warfare" (Activision).

Die richtig großen Studios siedeln sich eher

in anderen Ländern an

Spielerische Neuerungen und frische Geschichten sind in diesem Jahr allerdings eher bei anderen Games zu verzeichnen. Der Shooter "Control" (Remedy Entertainment) versetzt Spielende beispielsweise ins Hauptquartier einer Behörde für übernatürliche Phänomeme, die vor seltsamen Erscheinungen nur so strotzt. "Watch Dogs: Legion" (Ubisoft) ist zwar die Fortsetzung einer bereits existierenden Spielereihe über Hacking und Überwachung, setzt aber neue Akzente: Man kann nicht nur eine, sondern hunderte verschiedener Figuren steuern. Das wohl bizarrste Spiel der Gamescom ist "Death Stranding": In dem neuen Abenteuer von Entwicklerlegende Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") trägt der Protagonist unter anderem Babys in Nährlösungen mit sich herum und bekämpft unsichtbare Feinde.

Die Gamescom mag groß, bunt und spektakulär sein. Dennoch wird der US-amerikanischen Electronic Entertainment Expo (E3) weltweit mehr Beachtung zuteil. Was daran liegt, dass die E3 jedes Jahr im Juni stattfindet – und die Publisher dort bereits ihre wichtigsten neuen Spiele ankündigen. Überhaupt fehlt es der deutschen Games-Branche nach wie vor an Glanz. Was vor allem daran liegt, dass die richtig großen Studios sich eher in anderen Ländern ansiedeln, wo die Bedingungen besser sind – etwa durch Steuernachlässe oder aktive Ansiedlungspolitik. In Deutschland gibt es zwar für 2019 einen zentralen Fördertopf von 50 Millionen Euro.

"A Juggler’s Tale" profitierte von regionaler Spieleförderung

Doch erstens sind die Antragsbedingungen nach wie vor bürokratisch. Und zweitens hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) – sein Ministerium ist erstaunlicherweise für Games zuständig – bis vor kurzem offengelassen, ob er sich für eine Verlängerung der Förderung einsetzen würde. Erst bei seinem Besuch auf der Gamescom machte Scheuer deutlich, dass er das weiter tun will. "A Juggler’s Tale" profitierte zunächst von regionaler Spieleförderung. Die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) gewährte dem Projekt 2018 ein zinsloses Darlehen von 20.000 Euro, das nur im Erfolgsfall zurückgezahlt werden muss.

Schön, Oberle und Probst legten als Studierende der Filmakademie Ludwigsburg ein Praxisjahr ein, um ihre Firma zu gründen und das Projekt voranzutreiben. "Wir fanden die Theater- und Märchenkultur superspannend", erläutert Schön. 2019 gewann "A Juggler’s Tale" zudem den Deutschen Computerspielpreis für das beste Nachwuchsprojekt: Mit den 35 000 Euro Preisgeld konnten die Gründer weitere Mitarbeiter dazu holen.

Spieleentwicklung wird in Baden-Württemberg wenig gefördert

Die MFG fördert die Games-Branche über das Programm Digital Content Funding (DCF). "Hier stehen 600 000 Euro jährlich zur Verfügung", erläutert Angela Frank, die den Bereich "Kultur- und Kreativwirtschaft" der MFG leitet. Hinzu kämen noch einmal knapp 200 000 Euro für die Förderung von Projekten, die virtuelle und erweiterte Realität nutzen, so Frank. "Mit dieser Förderung ist es gelungen, einer Reihe von baden-württembergischen Unternehmen zu einem guten Start in die Games-Branche zu verhelfen."

Dass sich einige andere Bundesländer hier stärker engagieren, ist allerdings auch kein Geheimnis. "Die Spieleentwicklung wird in Baden-Württemberg sehr viel weniger gefördert als zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, Berlin oder Bayern", kritisiert Adrian Goersch, Leiter des Studios Black Forest Games in Offenburg. "Es ist schwierig, die hochqualifizierten, erfahrenen Entwickler hierher zu bekommen, da die deutschen Hotspots eher Berlin, München, Düsseldorf-Köln und Frankfurt sind." Black Forest Games entwickelt derzeit das satirische Action-Game "Destroy All Humans!", das 2020 erscheinen soll und auch auf der Gamescom gezeigt wird. "BFG ist der größte Spieleentwickler in Baden-Württemberg", sagt Goersch stolz. Alle 70 Mitarbeiter seien in das Projekt involviert. Derzeit sucht BFG nach talentierten Artists, Programmierern und Game-Designern, um das Team weiter auszubauen. Womöglich heuern schon auf der Gamescom die ersten an.