"Bekommen nicht alles mit"

Sarah Trinler

Von Sarah Trinler

Do, 16. Januar 2020

Hausen im Wiesental

BZ-INTERVIEWmit Mario Brugger über den Narrenbriefkasten / Einwürfe ab sofort möglich.

HAUSEN. Ab sofort hängt beim Gasthaus zum Adler wieder der Narrenbriefkasten der Narrenzunft Hausen (NZH). Dort können bis zum 1. Februar Beiträge für die Hausener Narrenzeitung "Rätschdäsche" eingeworfen werden. BZ-Redakteurin Sarah Trinler sprach mit Zeremonienmeister Mario Brugger, der unter anderem für die Narrenzeitung verantwortlich ist, über das Auswahlverfahren und teils haarsträubende Beiträge.

BZ: Herr Brugger, wie funktioniert das mit dem Narrenbriefkasten genau? Kann jeder Beiträge für die Narrenzeitung einwerfen oder muss man Hausener sein?

Mario Brugger: Eigentlich kann jeder etwas einwerfen – auch anonym. Der Beitrag muss sich halt auf einen Hausener beziehen. Wir sind dankbar für die Einwürfe, denn wir bekommen ja auch nicht immer alles mit, was im Dorf passiert.

BZ: Seit wann gibt es die Tradition des Narrenbriefkastens in Hausen?

Brugger: Schon lange. Ich würde sagen, so lange, wie es die Narrenzeitung in Hausen gibt. Also sicherlich seit den 60er Jahren.

BZ: Können Sie eine Entwicklung beobachten? Sind die Beiträge weniger geworden?

Brugger: Ja, die Anzahl an Einwürfen hat im Vergleich zu früher schon abgenommen. Das ist aber allgemein so, der Stoff für den Zunftabend etwa wurde auch weniger. Zum einen, weil die Originale fehlen, zum anderen, weil das Leben allgemein etwas anonymer geworden ist und man mittlerweile viele Leute im Dorf gar nicht mehr kennt. Aber immerhin hatten wir im vergangenen Jahr etwa 15 bis 20 brauchbare Beiträge.

BZ: Stichwort "brauchbar": Es wird also auch Unbrauchbares eingeworfen?

Brugger: Es wird schon auch ausgenutzt, dass die Einwürfe anonym erfolgen. So waren schon Beiträge dabei, die man beim besten Willen nicht hätte bringen können. Wenn wir das veröffentlicht hätten, wäre es unter Umständen ein Fall für einen Rechtsanwalt gewesen.

BZ: Wer entscheidet darüber, was abgedruckt wird und was nicht?

Brugger: In der Narrenzunft gibt es ein Schreibteam, das nicht nur für die "Rätschdäsche", sondern auch für den Zunftabend verantwortlich ist. Die letzte Entscheidung treffe ich – ich bin sozusagen der Chefredakteur – in Absprache mit unserem Oberzunftmeister Björn Keller. Denn der muss ja letzten Endes den Kopf hinhalten (lacht).

BZ: Hat es schon einmal Stress gegeben?

Brugger: Nein, bisher noch nicht. Aber es könnte ja immer mal passieren, dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlt. Es muss einfach in einem vernünftigen Rahmen bleiben.

Zur Person: Mario Brugger, 51 Jahre, arbeitet als Lagerist in Schopfheim und wohnt in Hausen. Über 40 Jahre ist er Mitglied der Narrenzunft Hausen. Von 2004 bis 2019 war er Oberzunftmeister.

Info: Die "Rätschdäsche" wird am Samstag, 15. Februar, von den Aktiven der NZH in Hausen verkauft, und ist anschließend auch in den Hausener Geschäften erhältlich.