Betörende Klangschönheit bis ins feinste Detail

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 19. März 2019

Klassik

Das Kurpfälzische Kammerorchester im Rheinfelder Bürgersaal.

Populärer geht’s nicht. Mit Mozarts "Kleiner Nachtmusik" und Vivaldis "Vier Jahreszeiten" hatte das Kurpfälzische Kammerorchester Mannheim zum Abschluss der Saison der Meisterkonzerte in Rheinfelden zwei der beliebtesten Hits aus Klassik und Barock im Notengepäck. Werke, die derart präsent in den Ohren der Hörer sind, dass sie eine besonders genaue und feine Lesart brauchen. Und die lieferte das Orchester unter Leitung von Nicolas Chalvin im gut besuchten Bürgersaal.

Der französische Dirigent achtete in Mozarts Serenade KV 525 auf nuancierte dynamische Schattierungen und zarte Valeurs, so dass nie die Gefahr bestand, die "Kleine Nachtmusik" würde routiniert herunter geschnurrt. Vielmehr wurde in der Leichtigkeit, Transparenz, Eleganz und Feinheit des Streicherklangs durchhörbar, dass diese Serenade weit mehr ist als heiter-galante Unterhaltungsmusik. Sehr klar herausgearbeitet wurden die Satzcharaktere, das Festliche und die harmonische Melodik im Eröffnungssatz, der lyrische Klang in der Romanze, die etwas von einem Ständchen hat, der graziöse tänzerische Duktus im Menuett und der heitere, schwerelose Schwung im Rondo.

Eröffnet hatte das Kammerorchester den Abend mit der Sinfonie d-Moll op.3 des wenig bekannten Franz Ignaz Beck, einem Vertreter der Mannheimer Schule, in dessen Werk sich französische und italienische Einflüsse finden. Mit kultiviertem Streicherklang, schwungvollen Ecksätzen und fein ausgehorchtem Spiel im Andantino widmeten sich die Musiker dem Stück, das sich im Umfeld von Mozart nicht zu verstecken brauchte.

Im zweiten Teil dann Vivaldis "Vier Jahreszeiten", die durch unzählige Aufführungen und Einspielungen schon Kultcharakter bekommen haben. Das Kurpfälzische Kammerorchester und die Solistin Milena Wilke setzen in den Tonmalereien des Venezianers nicht so sehr auf barocke Affekte, auf geschärfte artikulatorische Kontrastwirkungen, auf illustrative und plakative Bildkräftigkeit. Ihre Sicht der Jahreszeiten ist geprägt durch romantisierenden Wohlklang, durch betörende Klangschönheit bis ins feinste Detail, vor allem im schönen Ton der jungen Geigerin. Die Stipendiatin des Deutschen Musikwettbewerbs lässt im "Frühling" den Vogelgesang auf Bezauberndste ertönen und ihren Violinton edel aufblühen. Die bukolischen Szenen werden lieblich in pastoraler Klangidylle dargestellt. Die lähmende Wärme, das wilde Schwirren der Mückenschwärme, der heraufziehende Sturm im "Sommer"-Concerto werden fein nuanciert ausgemalt. Der sommerliche Sturm, der in hurtiger Schnelligkeit über die Saiten fegt, klingt hier abgemildert. Gleichwohl sind die Streichertremoli und die Solopassagen makellos präzise und lebendig ausgeführt. Im "Herbst" gefällt, mit welcher Natürlichkeit und Frische Milena Wilke und das Orchester den ländlichen Tanz spielen, wie differenziert sie die Jagdepisoden ausmalen.

Vor allem die subtil ausgehorchten leiseren Stellen sind, auch im "Winter", von bemerkenswerter Feinheit der Gestaltung. Das Eisige, Harsche, die bittere Kälte, die aus dem Eingangssatz des "Winter"-Konzerts spricht, wird weniger barsch und hart ausgespielt. Und im Largo blüht Wilkes Violinton so wärmend auf wie ein Kaminfeuer an kalten Tagen. Das erwärmte die Zuhörer zum Saisonende der Meisterkonzerte.