Biathlon

Biathlet Benedikt Doll: "Ich nehm’s, wie’s kommt"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Sa, 09. Mai 2020 um 15:44 Uhr

Biathlon

Der durch die Corona-Pandemie bedingte Lockdown und damit verbundenen Beschränkungen fiel bei den Biathleten Benedikt Doll und Roman Rees in die lehrgangsfreie Zeit.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben das Saisonende der weltbesten Biathleten im März gerade noch gestreift: Beim vorletzten Weltcup in Kontiolahti (Finnland) wurden die Mixed-Staffelrennen abgesagt und anschließend wurde auch das Saison-Weltcupfinale in Oslo (Norwegen) gestrichen. Der folgende Lockdown fiel bei den Biathleten in die Lehrgangs- und Trainingspause von Ende März bis Anfang Mai, in jene Phase also, in der die besten deutschen Skijäger nicht Biathlon-spezifisch trainieren, sondern sich nach Lust und Laune sportlich fit halten und in ihren Aktivitäten flexibel sind.

"Ich bin im April auf überproportional viele Radkilometer gekommen, so zirka 1250 Kilometer." Roman Rees

"Ich bin im April auf überproportional viele Radkilometer gekommen, so zirka 1250 Kilometer. Manchmal bin ich auch joggen gegangen", sagt Roman Rees vom SV Schauinsland, der zur deutschen Biathlon-Nationalmannschaft (Lehrgangsgruppe A1) gehört. Nur einige der nachsaisonalen Freizeitaktivitäten wie der Besuch des Europaparks und Einkaufsbummel in Freiburg seien dieses Mal nicht möglich gewesen.

Rees war auf dem Rad hin und wieder im gebotenen Abstand mit einem Trainingspartner unterwegs, was eine Landesverordnung vom 11. April Profi- und Spitzensportlern ausdrücklich erlaubte: "Trainingseinheiten dürfen nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ausschließlich individuell, zu zweit oder in kleinen Gruppen von maximal fünf Personen erfolgen." Dennoch sah sich Rees vereinzelt Anfeindungen gegenüber: "Je länger die Ausgangsbeschränkungen dauerten, desto aggressiver wurden die Autofahrer. Sie haben manchmal wie verrückt gehupt oder uns den Vogel gezeigt", erzählt der 27-Jährige.

Radtouren und Läufe im Dreisamtal

Benedikt Doll (SZ Breitnau), der andere deutsche Weltklasse-Biathlet aus dem Schwarzwald, nutzte die Phase ohne Trainingsplan zu "Läufen im Dreisamtal" mit seiner Schwester Stefanie Doll und zu Radtouren im Schwarzwald und am Kaiserstuhl. Zudem plante der vielseitig talentierte Biathlon-Weltmeister von 2017 die komplette Elektroinstallation für ein Haus, das seine Eltern gerade renovieren. "Man muss die Anlage ja noch programmieren und am Schluss alle Systeme zusammenbringen, das ist dann schon eine Herausforderung."

Der erste offizielle Trainingstag der Schwarzwälder Spitzenbiathleten war am vergangenen Montag. Zu der Gruppe, die unter Anleitung des Furtwanger Stützpunkttrainers Roman Böttcher trainiert, gehört auch Janina Hettich (SC Schönwald), die sich in der vergangenen Saison vom zweitklassigen IBU-Cup bis ins deutsche WM-Team der Frauen hocharbeitete. Das nun wieder aufgenommene Gruppentraining erfolgt nach den derzeit gültigen Richtlinien: Beim Schießtraining bleiben jeweils drei Bahnen zwischen den Schützen frei und beim Skirollern halten die Biathleten Abstand.

"Wir werden im Training früher mit den intensiven Einheiten beginnen."Biathlet Roman Rees
Die Trainingsgruppe hat sich dafür ausgesprochen, in diesem Jahr einige Dinge anders zu machen. Benedikt Doll hat in den vergangenen Jahren immer mal wieder beim Saisonauftakt beklagt, dass er im Vorfeld wohl zu wenig schnelle Einheiten absolviert habe und deshalb noch die Spritzigkeit fehle. Und bei Roman Rees hat es sich ebenfalls gezeigt, dass er im Herbst und Frühwinter oft noch nicht an sein Leistungsvermögen herankommt.

"Wir werden im Training früher mit intensiven Einheiten beginnen", erzählt Rees. Zudem haben die jüngsten Entwicklungen gezeigt, dass die Schubkraft des Oberkörpers immer bedeutender wird. "Wenn man hohe Geschwindigkeiten erreichen will, wird die Skiführung automatisch enger und die Schubfähigkeit aus dem Oberkörper wird wichtiger", sagt Rees. Auch daran wollen sie in der Profi-Heimtrainingsgruppe verstärkt feilen.

Ausweichtermine im September?

Erster Saisonhöhepunkt hätte die für August in Ruhpolding geplante Sommerbiathlon-Weltmeisterschaft werden sollen. Der August-Termin lässt sich aufgrund des Verbots von Großveranstaltungen bis zum 31. August nicht halten, nun suchen die Organisatoren – wie in vielen anderen Fällen – nach einem Ausweichtermin im September. Oktober wäre zu spät, weil da schon bei fast allen Verbänden die Vorbereitungen auf die Wintersaison beginnen. "Es ist schön, dass die Sommerbiathlon-WM in Deutschland ist. Wir haben schon geplant, dass wir da mitmachen, auch wenn der Stellenwert nicht allzu hoch ist", sagt Benedikt Doll.

Sommerbiathlon-Weltmeisterschaften gibt es seit 1996, Europameisterschaften seit 2004. Über ein Nischendasein ist die sommerliche Variante, bei der Skiroller oder ein Crosslauf die Skating-Disziplin ersetzen, jedoch nie hinausgekommen. Bestes Indiz dafür ist, dass der IBU-Sommercup, der 2008 erstmals ausgetragen wurde, fünf Jahre später wieder abgeschafft wurde.

"Ich bin kein Mensch, der sich Sorgen über Dinge macht, die ich nicht beeinflussen kann. Ich nehm’s einfach, wie’s kommt. " Benedikt Doll

Einiges deutet daraufhin, dass die Biathlontrainer auch bei der Qualifikation für das Weltcup- und IBU-Cup-Team dieses Mal einen anderen Weg einschlagen. Bisher war es so, dass die zweigeteilte deutsche Meisterschaft im September für die Nominierung maßgebend war. Die Lehrgangsgruppe A1 wird wohl bis zum Trainingslager in Muonio, hoch oben im finnischen Teil Lapplands, zusammenbleiben. Die Teameinteilung soll dann vor Ort in internen Rennen ermittelt werden, wobei hoch dekorierte Biathleten wie Benedikt Doll und Arnd Peiffer bei den Männern als gesetzt für das Weltcupteam gelten, ebenso Denise Herrmann, Vanessa Hinz und Franziska Preuß bei den Frauen.

Ob Simon Schempp und Erik Lesser nach der durchwachsenen Vorsaison noch einmal der Anschluss an die Weltspitze gelingt? Die Zeit spielt gegen die beiden, die dieses Jahr 32 werden. Der junge Philipp Horn hat seine enormen Möglichkeiten in der vergangenen Saison angedeutet, Johannes Kühn, Philipp Nawrath, Roman Rees und IBU-Cup-Sieger Lucas Fratzscher sind ebenfalls in einem Alter, in dem Steigerungen noch realistischer sind als jenseits der 30.

Die Weltcupsaison soll Ende November in Kontiolahti beginnen, die WM ist im Februar auf der Pokljuka (Slowenien) geplant. Ob er sich aufgrund der Corona-Situation Sorgen mache, dass Weltcuprennen im Winter ausfallen könnten, wurde Benedikt Doll gefragt. "Ich bin kein Mensch, der sich Sorgen über Dinge macht, die ich nicht beeinflussen kann. Ich nehm’s einfach, wie’s kommt. "