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BZ-Interview

Wie viel Digitalisierung vertragen die Schulen?

Digitalisierung der Schulen ist ein viel diskutiertes Thema: Wie viel davon vertragen die Schüler, was können Lehrer leisten? Drei Experten streiten darüber im Interview.

  • Digitale Medien im Schulunterricht – für manche Lehrkräfte ein notwendiger Schritt, für andere eine Katastrophe zu Lasten der Pädagogik Foto: Arne Dedert

Für die einen ist die Digitalisierung der Schulen längst überfällig, für die anderen eine nicht zu kontrollierende Gefahr. In seinem Buch "Kein Mensch lernt digital" stellt Ralf Lankau, Professor für Mediengestaltung und Medientheorie an der Hochschule Offenburg, den pädagogischen Nutzen digitaler Medien in Frage. Mit ihm debattieren Sebastian Lorenz, Leiter des Kreismedienzentrums Freiburg, und Dejan Mihajlovic, Lehrer an der Freiburger Pestalozzi-Realschule.

BZ: Das Bundesbildungsministerium hat den Ländern für die digitale Ausstattung von Schulen fünf Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Gut oder nicht gut?

Lankau: Beim Digitalpakt darf ausschließlich in Hardware und in IT-Dienstleistungen investiert werden. Über den Pakt bekommen Schulen lediglich zwischen sieben und 35 Prozent von dem, was ihnen an Kosten entsteht. Die Schulen verpflichten sich, alle anderen Kosten zu übernehmen: die Lehrerfortbildung, die System-Updates und alles andere. Die Schuletats werden blockiert für diese Investitionen. Das ist das eine. Zum zweiten gilt der Digitalpakt für Grundschulen genauso wie für die beruflichen Schulen. Das kann nicht sein, Berufsschulen haben ganz andere Aufgaben und einen anderen Bedarf als Grundschulen. Es braucht mehr Differenzierung. Statt dessen wird so getan, als sei die Digitalisierung ein Allheilmittel.
Lorenz: Wenn man den Digitalpakt darauf reduziert, ein Allheilmittel für moderne Bildung zu sein, dann kann man so argumentieren. Ich finde, dass Investitionen in die digitale Schule längst überfällig sind. Und ja, das wird Folgekosten nach sich ziehen. Und ja, es muss zwischen Grundschulen und beruflichen Schulen differenziert werden. Einmal mit der Gießkanne drüber, das geht nicht. Das steht so auch im Digitalpakt. Man kann kritisieren, dass der Digitalpakt die Folgekosten offen lässt. Trotzdem – dass der Bund die Digitalisierung vorantreibt und Geld zuschießt, geht für mich in die richtige Richtung. Und es ist auch so, dass sich kein Lehrer vor der digitalen Bildung drücken darf. Übrigens werden die Fortbildungskosten vom Land getragen.
Mihajlovic: In den digitalen Wandel von Schulen zu investieren, finde ich gut. Dafür braucht es aber schlüssige Konzepte. Jeder weiß, wie das bislang läuft: Es sind noch Etatgelder übrig, also wird herumgefragt, und ein Lehrer, der sich besser mit Digitaltechnik auskennt, schlägt vor, Whiteboards anzuschaffen. Und dann stehen sie im Klassenzimmer, und keiner nutzt sie.
Lorenz: Nun, die Schule, an der ich unterrichte, ist komplett mit interaktiven Whiteboards ausgestattet, und es gibt keinen, der sie nicht nutzt. Ganz einfach deswegen, weil es ein ...

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