Naturschutz

Brücke soll Fledermäuse über Rheintalbahn bei Müllheim lotsen

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Do, 10. September 2020 um 15:33 Uhr

Müllheim

Im Raum Müllheim sorgt eine Brücke für Fledermäuse über der Rheintalbahn für Gesprächsstoff. Vertreter der Bahn haben nun erklärt, was es mit dem ungewöhnlichen Bauwerk auf sich hat.

Im Zuge des Ausbaus der Rheintalbahn entsteht zwischen dem Müllheimer Kernort und dem Ortsteil Hügelheim eine Brücke für Fledermäuse über die Bahngleise. Das inzwischen weitgehend fertiggestellte, imposante Bauwerk sorgt für Gesprächsstoff in der Region. Die Bahn sieht darin nicht nur einen wichtigen Beitrag zu einer verantwortungsvollen Umweltstrategie, sondern verweist auch auf naturschutzrechtliche Vorgaben.

"So ein Bauwerk ist erklärungsbedürftig", gibt Stefan Lauber, Arbeitsgebietsleiter der DB für den Ausbauabschnitt 9.0 zwischen Hügelheim und Auggen unumwunden zu. Bei dem Pressetermin, zu dem die Bahn am Donnerstag geladen hat, erhebt sich hinter ihm das beeindruckende 11 Meter breite und 31 Meter lange Brückenbauwerk in eine Höhe von 8 Metern.

1,6 Millionen Euro kostet es – das sind zwar nur etwa ein Drittel bis ein Viertel dessen, was für eine Straßenbrücke dieser Größenordnung fällig wird, dennoch stellt sich Außenstehenden unweigerlich die Frage: Wozu? Schließlich soll das in der Rheinebene weithin sichtbare und im Bahnabschnitt zwischen Karlsruhe und Basel bislang einzigartige Bauwerk eigentlich nur einem Zweck dienen: Fledermäusen einen sicheren Weg über die Bahngleise zu ermöglichen.

Eine wichtige Fledermausroute führt entlang der Runs in Hügelheim

Entsprechend viel Mühe geben sich die Bahn-Vertreter diese außergewöhnliche Baumaßnahme zu erklären. Zwischen der Vorbergzone des Schwarzwaldes und dem Rhein liegen gerade in diesem Bereich des Markgräflerlandes wertvolle Fledermaushabitate. Die Tiere legen oft lange Wege zwischen ihren Schlafstätten am Rande des Schwarzwalds und den Jagdgründen in der Rheinebene zurück. Dabei, erklärt Oliver Toth, Umweltsachverständiger der DB für das Bahnprojekt Karlsruhe-Basel, nutzen sie spezielle Routen – Leitstrukturen, so der Fachbegriff – an denen sie sich mit ihrer Ortung per Ultraschall in der Dunkelheit orientieren. Eine wichtige Route, eine Fledermausautobahn wenn man so will, führt entlang der Hügelheimer Runs, einem kleinen Bachlauf, dessen Gehölze am Uferrand die nötige Orientierung bieten. Die Bahnlinie wird über einen Durchlass unterquert, den die Tiere bislang ebenfalls genutzt haben.

Im Zuge des Baus des dritten und vierten Gleises muss der Durchlass jedoch deutlich vergrößert und verlegt werden. Damit, so fürchten die Fachleute, ist er als Leitstruktur für die Fledermäuse nicht mehr oder nur noch sehr unzureichend geeignet. Was im Endeffekt gesamte Populationen gefährden könnte. Und die sind, laut einem von der Bahn in Auftrag gegebenen Gutachten, in dieser Gegend durchaus beachtlich. Neun Arten wurden beobachtet, darunter die in Deutschland besonders rare Wimperfledermaus. Die Experten schätzten pro Art 100 bis 800 Tiere, wobei die Dunkelziffer noch höher liegen könnte. Alle neun Arten sind streng geschützt.

Erfüllung gesetzlicher Naturschutzvorgaben

Wie Oliver Toth am Donnerstag ausführte, folgt die Bahn mit der Fledermausbrücke auch gesetzlichen Naturschutzvorgaben auf nationaler und europäischer Ebene. Unter anderem, so Toth, leite sich daraus ein Verschlechterungsverbot für gewisse Habitate ab. Soll in diesem Fall heißen: Durch den Ausbau der Rheintalbahn und den dadurch zunehmenden Bahnverkehr dürfen die Flugrouten für die Fledermäuse nicht gefährlicher werden.

Die Fledermausbrücke ist ein Ergebnis aus dem "Arbeitskreis Grünkonzept" – ein gemeinsames Projekt der Bahn und des Regierungspräsidiums Freiburg, das zum Ziel hat, die durch die Infrastrukturmaßnahmen der DB ausgelösten Eingriffe in die Natur möglichst sinnvoll auszugleichen. Diese Ausgleichsmaßnahmen sind vielfältig, allein im Bereich 9.0 sind dafür 40 Hektar vorgesehen, auf denen zum Beispiel neue Gehölze gepflanzt oder bislang ökologisch wenig wertvolle Habitate aufgewertet werden sollen.

Auch an der Fledermausbrücke ist noch einiges zu tun, wenngleich das eigentliche Bauwerk vor wenigen Wochen nach rund einem Jahr Bauzeit fertiggestellt wurde. Sie soll sukzessive begrünt werden – und zwar möglichst so, dass sich viele Insekten dort niederlassen. Das würde den Fledermäusen auch schon mal etwas Wegzehrung verschaffen. Außerdem muss noch die Hügelheimer Runs vom alten in den neuen Durchlass, der sich nun nördlich der Fledermausbrücke befindet, umgeleitet werden. Dann, so die Hoffnung, werden die Fledermäuse ihre neue Route über die Rheintalbahn finden. Hat sich die etabliert, erklärt Oliver Toth, wird sie von den folgenden Generationen weitergenutzt.

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