Bürgermeisterwahl

850 Bürger kommen zur Kandidatenvorstellung in Buchenbach

Markus Donner

Von Markus Donner

Sa, 25. Januar 2020 um 16:49 Uhr

Buchenbach

Am 2. Februar wählen die Buchenbacher einen neuen Bürgermeister. Bei der offiziellen Vorstellung der Kandidaten gab es in der Sommerberghalle keine freien Plätze mehr.

Die Bürgermeisterwahl in Buchenbach scheint spannend zu werden: rund 850 Zuhörer kamen am Freitagabend zu der offiziellen Vorstellung der vier Kandidaten. Zehn Minuten Redezeit wurden vom Wahlausschussvorsitzenden Matthias Riesterer zugestanden, anschließend konnten ebenfalls zehn Minuten lang Fragen an den jeweiligen Bewerber gerichtet werden. Über die Reihenfolge der Vorstellung hatte zuvor das Los entschieden. Am Schluss gab es noch eine Fragerunde mit allen Kandidaten.

Harald Reinhard
Der Bürgermeister eröffnete die Vorstellungsrunde und machte deutlich, dass er gerne weiter Rathauschef in Buchenbach bleiben wolle. Buchenbach entwickle sich. Das sollte nicht stückwerkartig geschehen oder gar willkürlich, sondern wohldurchdacht. Konzeptionell. In sämtlichen Ortsteilen. Buchenbach müsse sich auf seine Stärken besinnen. Im März werde dazu ein Leitbildentwurf öffentlich vorgestellt. Danach sollen Workshops gebildet werden, in denen die Bürger ihre Ideen einbringen können.

"Heute weiß ich es besser und bin froh, dass ich geblieben bin." Harald Reinhard
In der Kommunalpolitik brauche es Kontinuität, betonte der Amtsinhaber und bemühte zu Beginn seiner Rede einen Vergleich mit dem SC Freiburg. Der habe seinem Trainer vertraut, auch als es mal nicht so gut lief und die Mannschaft abgestiegen war. Auch sein Vorgänger im Rathaus habe nicht in seinen ersten Dienstjahren am meisten bewirkt, sondern wurde erst mit der Zeit immer besser. Aller Anfang sei schwer, das bezog Reinhard auch auf sich. Ausdrücklich entschuldigte er sich dafür, dass er sich aus einer vorübergehenden Verzagtheit wegbeworben habe. "Heute weiß ich es besser und bin froh, dass ich geblieben bin." In der Gemeindeverwaltung habe jetzt ein motiviertes Team zueinandergefunden, das effizient arbeite, lobte Reinhard seine Mitarbeiter.

Herbert Bucher
Der Kandidat aus Freiburg-St. Georgen, der auf Manuskript und Rednerpult verzichtete, bekundete, die richtigen Voraussetzungen für die Ausübung des Bürgermeisteramtes mitzubringen. Viele Jahre hätte er als Interimsmanager gearbeitet, um den Firmen bei ihren Problemen zu helfen, sei es in der Verwaltung, bei den Finanzen oder in Personalangelegenheiten. Unter anderem arbeitete er in Berlin, "aber Buchenbach ist schöner". Als er sich vor seiner Bewerbung im Rathaus vorgestellt habe, sei er auf freundliche, aufgeschlossene und kompetente Mitarbeiter gestoßen. Etliche Jahre habe er den Bürgerverein St. Georgen geführt und dabei gegenüber der Stadt Freiburg die Interessen von mehr als 10 000 Bürgern in Sachen Verkehr, Bebauung, Kultur und Soziales vertreten. Aufgefallen sei ihm eine Inschrift über der Tür des OB: "Des Bürgers Wohl ist oberstes Gesetz."

"Alle müssen hier an einem Strang ziehen und dann auch noch in die richtige Richtung." Herbert Bucher
Bucher gibt vor, bei den Gesprächen mit der Stadt viel gelernt zu haben, gerade auch wenn’s ums Bauen geht, auch wenn man da gelegentlich in die Gesetzbücher schauen muss. Buchenbach habe "unendlich viel Potenzial", davon habe er sich überzeugt. Ohne dabei in die Details zu gehen, sei ihm ein Projekt besonders wichtig: der Falkensteigtunnel. "Alle müssen hier an einem Strang ziehen und dann auch noch in die richtige Richtung."

Ernst von Marschall
Auch der einheimische Kandidat aus dem Ibental verzichtete auf ein Redemanuskript. Vor anderthalb Jahren habe er ankündigt, sich in den Wahlkampf werfen zu wollen: "Hier bin ich, jetzt wird’s Ernst." Im Fall seiner Wahl garantiere er eine effiziente, schlanke und serviceorientierte Verwaltung. Die Verwaltung sei das Handwerkszeug des Bürgermeisters. Man müsse die Säge schärfen, bevor man ans Werk gehe. Ausdrücklich bekannte sich von Marschall zu der Initiative für einen Dorfladen, zumal ein großartiges ehrenamtliches Engagement dahinter stünde. Aber ein Dorfladen alleine reiche nicht aus, es bedürfe weiterer Attraktionen, um Buchenbach zu beleben. Ein Supermarkt sei jedoch entbehrlich, der bringe keine Laufkundschaft und bedeute die Versiegelung großer Flächen.

"Wir gehen jeden Tag mit dem Geld wählen. Nur sollten wir es in Buchenbach lassen und nicht bei Amazon." Ernst von Marschall
Die Hauptstraße sei durch den Verkehr sehr belebt. Warum die Straße nicht tiefer legen, Deckel drauf und dann hätten die Bürger und der Handel viel Platz, um sich im Dorf auszubreiten. Der Bürgermeister müsste bewusstseinsbildend wirken. "Wir gehen jeden Tag mit dem Geld wählen", so von Marschall, "nur sollten wir es in Buchenbach lassen und nicht bei Amazon".

Ralf Kaiser
Wie alle Kandidaten, setzt auch Ralf Kaiser auf mehr Bürgernähe. In den vergangenen Wochen habe er viel über die Themen Buchenbachs erfahren. "Ich greife auf, was mir am Herzen liegt. Weil es Ihnen am Herzen liegt." In Buchenbach stinkt’s, es sei laut und gefährlich, bekäme er zu hören. Daher müsse sich beim Verkehr etwas ändern. Um die Situation zu verbessern, werde er zusammen mit der Bürgerinitiative B 31 alle Hebel in Bewegung setzen, um der Forderung nach einem Tunnel Gehör zu verschaffen. "Ich will dranbleiben, fleißig sein, mich kümmern". Und alemannisch fügte er hinzu: "Manchmol hört de Spaß uff, do wird dann halt de Schwarzwälder ruskumme." Bäcker, Metzger, Apotheke, Laden – darauf soll in Buchenbach nicht verzichtet werden.

"Über das Landessanierungsprogramm sind bereits Gelder in Millionenhöhe ins Dreisamtal geflossen – in Buchenbach noch nicht." Ralf Kaiser
Im ersten Schritt wolle er daher das Leitbild beschließen, um im zweiten Schritt darauf ein Dorfentwicklungskonzept abzuleiten, ehe Aufnahmeanträge für die entsprechenden Förderprogramme gestellt würden. "Über das Landessanierungsprogramm sind bereits Gelder in Millionenhöhe ins Dreisamtal geflossen – in Buchenbach noch nicht." Für ihn sei es wertvoll, wenn engagierte Bürger selbst in die Hand nehmen, was ihnen wichtig ist. Das gelte für die Feuerwehr ebenso wie für den Dorfladen.

Bürgerfragen
Zahlreiche Besucher der Wahlveranstaltung nutzen die Gelegenheit, den Kandidaten ihre Fragen zu stellen – entweder direkt nach den Reden oder als am Ende alle Bewerber zusammen auf der Bühne standen. Immer wieder ging es dabei auch um den Falkensteigtunnel. Hier wollen die Bürger in den Dialog mit den Behörden eingebunden sein, Alleingänge des Bürgermeisters seien nicht zielführend. Harald Reinhard sprach von einem "Teilerfolg", wenn nun Planungsrecht geschaffen sei und ab 2025 weitergeplant werden könne. Wie es um den Radweg in Richtung Wagensteig bestellt sei, wollte eine Bürgerin wissen. Dem geben alle Kandidaten hohe Priorität. Der Bürgermeister legte mit einer Überraschung nach: Er habe vom Regierungspräsidium die Zusage bekommen, dass das Land diese Maßnahme mit einer Million Euro fördern werde. Thema war auch die Dorfmitte um das Rathaus. Die sei nach Dafürhalten von Herbert Bucher "kühl, was nicht an der Witterung liegt". Er wolle den Dorfplatz mit Bäumen und Blumen beleben, die er gerne aus eigener Tasche finanziere.

Was geschieht, wenn die Initiative für einen Dorfladen scheitert? Ralf Kaiser ist sich da sicher, dass es für die Genossenschaftsidee auch einen Plan B gebe. Auch eine aktive Nachbarschaftshilfe ließe sich garantier organisieren. Eine Bürgerin äußerste sich kritisch zum Mobilfunk der fünften Generation (5G). Hier waren sich drei der Kandidaten darin einig, dass der für die Infrastruktur unverzichtbar sei und auch vom Handwerk gebraucht werde. Ernst von Marschall lehnt diese Technik so lange ab, bis zweifelsfrei nachgewiesen sei, dass keine Gesundheitsrisiken zu befürchten sind.
Termin

BZ-Kandidatentalk am Mittwoch, 29. Januar 2020, 19 Uhr, in der Sommerberghalle in Buchenbach. Eintritt frei.

Mehr zum Thema: