Bürger und Bauern Hand in Hand

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Di, 14. Dezember 2021

Bad Krozingen

Die Aktion "Ackerflur mit mehr Natur" setzt auf finanziellen Ausgleich, aber auch auf Begegnung und gegenseitiges Verständnis.

. Bei den Crowdfunding-Aktionen "Ackerflur mit mehr Natur" von Nachhaltigkeitsexpertin Carola Holweg aus Merzhausen üben Bürgerinnen und Bürger den Handschlag mit Landwirten. Dabei geht es nicht nur um einen finanziellen Ausgleich für zusätzlichen Pflegeaufwand und entgangene Ernteerlöse auf Seiten der Landwirte, sondern auch um tatkräftige Mithilfe. So wie bei der Randpflege eines kleinen Wäldchens inmitten der Ackerflächen beim Bad Krozinger Ortsteil Schmidhofen.

Eine kleine Waldfläche wie diese gibt es zwischen den Ackerbauflächen im Rheintal kaum noch. Drumherum Mais- und Getreideäcker, zur Zeit in Winterruhe. Auch wenn das Wäldchen wirklich klein ist, stellt es dennoch einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen dar. In das Dickicht der 30 Jahre alten, herausgewachsenen Christbaumkultur haben sich viele Laubbaumarten gemischt. Man hört Vogelgesang, wenn man vorbeigeht. Vor allem frühmorgens wurden schon Fasane, Hasen und Rehe gesichtet.

"Allgemein sind Feldgehölze, die an oder auf Ackerflächen stehen, in intensiv genutzten Gebieten mehr und mehr bedroht. Anreize für den Landwirt, die Flächen zu erhalten, gibt es keine. Dem will ich mit meinen Projekten begegnen", sagt Forstwissenschaftlerin Carola Holweg. Bei den Handschlag-Aktionen zwischen Bürgern und Landwirten geht es ihr nicht nur um mehr Artenvielfalt, sondern auch um mehr Nähe und Verständnis füreinander. "Uns als Gesellschaft sind viele Abläufe und Zwänge der Landwirtschaft völlig fremd. Dennoch urteilen Leute über die Menschen, die Landwirtschaft betreiben, was bei denen ein Gefühl des Frusts und der Isoliertheit hinterlässt", so Holweg. Zeit also, dass Landwirte und Menschen aus der Stadt sich kennenlernen, gemeinsam miteinander arbeiten und sprechen.

Seit 2020 erhält Landwirt Andreas Metzger einen Ausgleich aus Crowdfunding-Mitteln dafür, dass er das Wäldchen erhält. Bis Ende 2023 sind die Mittel dafür gesichert. Alle drei Jahre muss er einen Pflegeschnitt machen und sicherstellen, dass überragende Äste den umliegenden Nachbarn keinen Abzug beim Fördergeld bescheren. Mehr als zehn Freiwillige aus Bad Krozingen und Freiburg gingen dem Landwirt dabei zur Hand, der sich für das Kommen bedankte. Über die eigene Motivation sagten die Helferinnen und Helfer beim gemeinsamen Vesper: "Es hat mich gefreut, mit den eigenen Händen anzupacken", "Für die Natur was zu machen, ist immer ein gutes Gefühl", "Ich will einfach mal was Handfestes tun und nicht immer nur in Meetings sitzen", "Ich wollte den Landwirt direkt kennenlernen".

In einer weiteren Aktion vor einigen Tagen pflanzten die "Ackerflurpaten", wie Carola Holweg die Gemeinschaft der Unterstützenden nennt, eine 500 Meter lange Hecke zwischen zwei Ackerflächen bei Tunsel. "Diese Hecke wird die Landschaft als Lebensraum für Vögel und Insekten bereichern, wir pflanzen Schlehe, Schneeball, Kornelkirsche, Holunder und mehr. Und die Hecke wird auch die Landschaftsstruktur verändern, und das tut uns Menschen gut", sagt Michael Selinger, einer an der Aktion beteiligten Landwirte.

Auch am Batzenberg bei Pfaffenweiler wird eine Hecke zwischen den Weinbergen gepflanzt werden. "Meine Aktionen sind auch ein Fingerzeig an die Fachpolitik, die etwas ändern muss. Ich werbe also weiter um den Erhalt jedes Ackerbaums und jeder Hecke", sagt die Nachhaltigkeitsexpertin.

Infos zu den Projekten unter http://www.ecocrowd.de