Der BUND macht Druck

Ralf Strittmatter

Von Ralf Strittmatter

So, 16. Juni 2019

Buggingen

Der Sonntag Umweltschützer fordern Abschluss beim Thema Grundwasserversalzung in Buggingen.

In Buggingen spült Regen seit Jahrzehnten Salz von der einstigen Bergbau-Abraumhalde der Kali und Salz Aktiengesellschaft (K + S) ins Grundwasser. Diese Woche forderte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erneut, die Sanierung der Abraumhalde durch den einstigen Betreiber voranzutreiben.

Jeden Tag liefen bis zu 2,5 Tonnen Salz von der Abraumhalde des ehemaligen Kalibergwerks in Buggingen ins Grundwasser – so beginnt der Offene Brief, den der BUND diese Woche an Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne) und an die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer geschickt hat. Darin fordern die Umweltschützer die Politiker auf, die Sanierung der Halde durch den ehemaligen Betreiber, die Firma K + S mit Sitz in Kassel, voranzutreiben.

"Es geht darum, Druck zu machen", sagt Axel Mayer, Geschäftsführer vom BUND in Südbaden. Bereits 1997 hatte die Organisation die K + S wegen der Grundwasserversalzung angezeigt. In einem Rechtsstreit mit dem Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald unterlag das Unternehmen dann vor dem Mannheimer Verwaltungsgericht, das 2008 eine Sanierungsuntersuchung mit Analyse der Kosten, der Wirksamkeit und möglicher Varianten anordnete.

Die Sanierung selbst sei dadurch aber nicht verpflichtend, sagt Mayer. Seither laufen hierzu die Vertragsabstimmungen zwischen dem Land und der K + S, ohne dass etwas passiert. Über die "Verschleppung der Sanierung" zeigen sich die Umweltschützer vom BUND, wie sie in ihrem Offenen Brief schreiben, zunehmend ungeduldig und verärgert. "Wenn jemand im Winter Salz streut, bekommt er eine Geldbuße, aber sind große Firmen Verursacher, verläuft sich die Verfolgung häufig im Sand", sagt Mayer. Das sei schlichtweg ungerecht.

Zum Hintergrund: Die K + S hat von 1922 bis 1973 in der Bugginger Mine Kalisalz abgebaut. Dabei entstand der Kaliberg, eine 40 Meter hohe Halde, die teilweise aus Steinsalz besteht. Nach abschätzenden Untersuchungen des Landes besteht der Kaliberg aus bis zu 250 000 Tonnen Chlorid. Messungen des Grundwassers ergaben 2013 einen Salzgehalt zwischen 400 und 2 800 Milligramm Chlorid pro Liter Grundwasser. Die Trinkwasserverordnung erlaubt einen Höchstwert von 250 Milligramm.

Betonitmatten sollen die Halde komplett abdichten

In Buggingen verbinden viele den Kaliberg, der im Volksmund Kalimandscharo heißt, noch mit dem Bergbau, sagt Buggingens Bürgermeister Johannes Ackermann. Ihr Trinkwasser bekomme die Gemeinde jedoch aus Neuenburg und sei daher nicht betroffen, eine Notwendigkeit zu reagieren sehen die Bugginger indes schon: "Das Problem ist da und muss behoben werden, so schade es auch um den Kaliberg wäre", sagt Bürgermeister Ackermann.

Derzeit laufen Vereinbarungen zur Sanierung der Halde zwischen dem Landkreis-Hochschwarzwald und der K + S, wie es aus dem Landratsamt heißt. Dabei wollen die Parteien bis Ende des Jahres einen öffentlich-rechtlichen Vertrag schließen. Die Meldung sei bereits einige Wochen alt, am Stand habe sich seither jedoch nichts geändert. Demnach musste der erste Entwurf für ein Sanierungskonzept 2010 überarbeitet werden. Die Überarbeitung legte K + S drei Jahre später vor. Diese beinhaltet unterschiedliche Varianten der Sanierung mit Teil- und wesentlich teurerer, dafür effizienterer Vollabdeckung.

2014 gab es einen Ortstermin, um die unterschiedlichen Möglichkeiten zu prüfen. Es folgten Gutachten und Gespräche, wie eine Sprecherin im Umweltministerium des Landes mitteilt. Diese führten dazu, dass die K + S den Kaliberg mittels einer Vollabdeckung mit Betonitmatten sanieren will. Die geschätzten Kosten dafür betragen 3,4 Millionen Euro. Wie lange die Sanierung dann dauert, sei noch nicht absehbar. "Wir können die Ungeduld des BUND nachvollziehen", sagt die Sprecherin im Umweltministerium. Auch das Land sei mit der langen Verfahrensdauer unzufrieden und an einer zügigen Lösung interessiert.

Auch Breisach hat das Problem mit der hohen Grundwasserversalzung durch Salzminen im Elsass. "In Breisach haben wir im Grundwasser einen Salzgehalt von 150 Milligramm", sagt Klaus Rhode, Leiter des Fachbereichs Wasser bei der Badenova-Tochter bnNetze. Der Wert liegt unter den Vorgaben. Das Problem seien die Korrosionserscheinungen an den Leitungen. In Breisach hielten die Rohre mit zehn Jahren Lebensdauer gerade mal halb so lange wie in Freiburg. Rostbeseitigung und Schulungen von Mitarbeitern waren so aufwendig, dass Breisach nun Zusatzwasser aus Hausen bekommt. Die Angliederung kostet 7 Millionen Euro.