Bundestrainer: "Grandios"

Gerd Welte, wsc

Von Gerd Welte & wsc

Di, 10. September 2019

Radsport

Beim German Masters der Kunstradelite in Murg fallen drei Weltrekorde / "Geniales Publikum".

MURG. Deutschland gilt als Hochburg des Kunstradsports. Weltweit ist keine Nation in dieser Branche so aktiv und so erfolgreich. Das ließ sich beim German Masters in Murg aus der Nähe beurteilen.

Angelika Wirth war begeistert. Doch nicht nur sie. Die Trainerin des RSV Wallbach, die sportliche Leiterin Claudia Lais und auch Abteilungsleiterin Martina Post vom RSV Wallbach, der für den Bund Deutscher Radfahrer den ersten Durchgang der German Masters ausrichtete, waren voll des Lobes ob der Leistungen der Kunstradakrobaten in der Murgtalhalle. Drei Weltrekorde an einem Tag – das ist auch im Kunstradsport wohl einzigartig. Das Beste, was Deutschland im Kunstradsport zu bieten hat, war zu Gast. Auch Sportler aus der Schweiz und Österreich nutzten die Nähe zu einem Start.

Weltmeister Kohl mit "Hammer Performance"

Die ersten Favoriten für die WM-Tickets zur Hallenrad-WM Anfang Dezember 2019 in Basel kristallisierten sich heraus. "Das war eine hervorragende Veranstaltung", so Bundestrainer Dieter Maute. Er habe "grandiose Leistungen" gesehen, so Maute, der "eine spannende WM-Qualifikation" erwarte.

Der "Überflieger schlechthin" war der dreifache Weltmeister Lukas Kohl (Kirchehrenbach). Hatte er vor einer Woche den Weltrekord auf 209,22 erhöht, so schraubte er diesen in Murg mit dem achtfach gezeigten Drehsprung in der Vorrunde auf 211,15 Punkte. Und im Finale, angestachelt durch Moderator David Schnabel (Waldshut-Tiengen), seines Zeichens achtfacher Weltmeister, zeigte Kohl gar den zehnfachen Drehsprung. 213,05 Punkte – "das bedeutet, dass ich mehr ausgefahren bin, als ich aufgestellt hatte", so Kohls Kommentar zum zweiten Weltrekord an einem Tag und dritten in nur sieben Tagen. "Eine Hammer Performance und ein geniales Publikum", sagte er. Doch es gab noch einen dritten Weltrekord. In der Vorrunde ließ Milena Slupina (TSV Bernlohe) ihr Können aufblitzen und brachte 195,35 Punkte auf die Fläche. Die Weltmeisterin von 2017 und zweifache deutsche Meisterin verbesserte ihren eigenen Weltrekord von 194,31. Europameisterin Viola Brand (2./Unterweißach) musste in Runde eins den Lenkerhandstand abbrechen und verfehlte im Finale den Lenker beim Mautesprung. 182,25 respektive 174,44, da ist noch Luft nach oben.

Dass die Abendveranstaltung mit den Finalrunden in den vier Disziplinen Einer (Frauen/Männer und Zweier (Frauen/Offene Klasse) mit knapp 300 Zuschauern ausverkauft war, übertraf die Erwartungen. 31 Fahrerinnen bildeten im Frauen-Einer ein Mammutfeld. Die Hoffnungen des RSV Wallbach ruhten auf den Schwestern Alisa und Anne Lais.

Alisa Lais weiter mit Chance auf die DM

Die 22-jährige Alisa, die in Stuttgart studiert und dort in Bonlanden trainiert, fuhr in der Vorrunde mit 163,19 Punkten auf den zehnten Platz. Zur direkten Qualifikation für die deutsche Meisterschaft Ende Oktober in Moers wäre Platz acht nötig gewesen. Damit verpasste die Schopfheimerin ihr Ziel knapp. Trainerin Wirth sah es positiv: "Ich bin sehr zufrieden mit Alisa. Die DM-Quali ist noch immer möglich." Die nächste Möglichkeit bietet sich Ende September beim Deutschland-Cup.

Höhepunkt für Alisa Lais war in Murg, dass sie von den Verantwortlichen des Weltverbandes UCI für das Finale eine Wild Card erhielt. Hier fuhr sie als Vierte 161,91 Punkte heraus. Pech hatte ihre jüngere Schwester Anne Lais (19), die zwei Sekunden vor Ende ihrer Übung vom Rad steigen musste. Das gab einige Abzüge, so dass sie mit 129,33 Punkten auf dem 23. Platz landete.