Bundeswehr im Kosovo

Bundeswehrsoldaten stehen im Kosovo zwischen den Fronten

Sebastian Kaiser

Von Sebastian Kaiser

Mi, 30. November 2011 um 09:46 Uhr

Ausland

Im Norden des Kosovo stemmt sich die serbische Bevölkerung gegen die Zentralregierung in Pristina. Im Auftrag der Nato soll die Bundeswehr für Ruhe sorgen – eine schwere und gefährliche Aufgabe.

Ausrangierte Busse und Lastwagen blockieren die Straße. Holz, Schutt und Betonteile liegen herum. Eine Straßensperre in der nordkosovarischen Stadt Zupce. Serbische Demonstranten riegeln die Straße ab. Auf den Barrikaden haben Kfor-Soldaten aus Deutschland Stellung bezogen. Davor haben sich 40 Dorfbewohner versammelt. Spannung liegt in der Luft, die Stimmung ist gereizt. Ein Mann hat eine Kamera gezückt. Die Situation droht zu kippen. Männer schimpfen wütend, zeigen mit dem Finger auf den Fremden. Ein bullig wirkender Schlägertyp nimmt einen Stein in die Hand. Ein weiterer Mann kommt hinzu, er dürfte Mitte fünfzig sein, trägt Hemd und Sakko. Eine kurze Diskussion entbrennt, er schafft es, die Lage zu beruhigen. So geht es nun schon seit dem Sommer. Die serbische Bevölkerung errichtet Straßensperren, um gegen den Staat Kosovo zu protestieren, den sie nach wie vor nicht anerkennen. Versuchen die Kfor-Soldaten die Sperren zu räumen, kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.
Oberstleutnant Klaus Glaab bleibt mit verschränkten Armen oben auf dem Lastwagen stehen. Situationen wie diese bringen ihn längst nicht mehr aus der Ruhe. Glaab ist Kommandeur der deutschen Operational Reserve Force (ORF), einer aus 700 Soldaten bestehenden Reserveeinheit. Der 43-Jährige ist einer der wenigen, der die zahlreichen Straßensperren passieren kann, die seit Juli im Norden des Kosovo errichtet worden sind. Er steht in engem Kontakt zu den örtlichen Bürgermeistern und Polizeichefs, mit denen er sich regelmäßig zu Gesprächen trifft.
Seine Soldaten seien derzeit hohen Belastungen ausgesetzt, erzählt Glaab. Auf der einen Seite müssten sie sich vor Übergriffen schützen, auf der anderen Seite so niederschwellig wie möglich ihren Auftrag ausführen und die Straßensperren räumen – allerdings ...

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