"Capoeira ist für mich wie Familie"

Antonia Meining, Klasse 4, Hofackerschule

Von Antonia Meining, Klasse 4, Hofackerschule (Freiburg)

Fr, 01. April 2022

Zisch-Texte

ZISCH-INTERVIEW mit dem Kampftanz-Trainer Jens Ulbrich, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat.

Capoeira ist eine spielerische Art zu lernen, wie man kämpft. Zisch-Reporterin Antonia Meining aus der Klasse 4 der Hofackerschule in Freiburg macht diese Sportart seit Jahren. In einem Interview spricht sie mit ihrem Trainer Jens Ulrich, der Freiburger Capoeira-Gruppe "meia lua inteira" in Freiburg über ihre gemeinsame Leidenschaft.

Zisch: Ich freue mich total darüber, unser Hobby vorzustellen. Was ist eigentlich Capoeira?

Ulbrich: Capoeira ist ein brasilianischer Kampftanz, der von brasilianischen Sklaven im Freiheitskampf erfunden wurde.
Zisch: Wie kamst du zu Capoeira?

Ulbrich: Ich habe irgendwann einen Bericht darüber gesehen. Damals war mein heutiger Lehrer auf Tour durch Europa. Der Bericht hat mich so interessiert, dass ich mir das mal anschauen wollte.

Zisch: Und wie lange machst du schon Capoeira?

Ulbrich: Seit 22 Jahren mache ich jetzt schon Capoeira und in Freiburg sind es jetzt schon zehn Jahre. Zuerst habe ich für mich Capoeira gemacht und dann kamen immer mehr Menschen dazu und irgendwann hatte ich eine eigene Gruppe.

Zisch: Was macht dir an Capoeira so viel Spaß?

Ulbrich: Das ist dieses Grenzenlose. Man hat ein Spiel ohne Begrenzungen weder im Körper noch im Kopf. Mir gefallen der Austausch und die Kommunikation zwischen den Leuten in Form von Bewegung, Musik und in jeglicher Form, die die Seele oder den Kopf berührt.

Zisch: Ist das dein Hobby oder dein Beruf?

Ulbrich: Ich bin einer der wenigen Menschen, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Ich bin selbständig und übe gleichzeitig mein Hobby aus.

Zisch: Wo trainierst du überall?

Ulbrich: Ich habe mittlerweile sieben feste eigene Gruppen. Außerdem mache ich verschiedene Schulprojekte und Workshops.

Zisch: Wie kann man sich so ein Training eigentlich vorstellen?

Ulbrich: Normalerweise wird im Training eben genau das gelehrt, was Capoeira ausmacht, das heißt Spiel, Musik, Tanz, Kampf, Spaß, Sprache, Instrumente, Bewegung und Gemeinschaft über Grenzen hinweg, körperliche genauso wie geistige. Antonia, du siehst ja, dass beim Training auch Menschen mit Handicaps mitmachen.

Zisch: Wie hast du das in Zeiten von Corona gemacht?

Ulbrich: Ganz unterschiedlich. Das Wichtigste war mir, so viel Normalität wie möglich für alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu schaffen. Das heißt, ich habe versucht, den persönlichen Kontakt aufrecht zu erhalten, am Anfang als Einzeltraining für alle, danach in kleinen Gruppen. Später wieder in größeren, festen Gruppen und draußen. Zusätzlich, leider in dem Fall für Capoeira, habe ich immer auch Online-Unterricht gemacht.
Zisch: Hast du das Gruppentraining oder uns Kinder vermisst, als wir uns nicht persönlich treffen konnten?
Ulbrich: Wie kann ich das jetzt sagen – Capoeira ist für mich wie eine Familie, und wenn ich dich jetzt frage, ob du deine Familie vermisst, wenn du sie nicht um dich hast, was ist dann eine Antwort? Das ist wirklich sehr einfach zu beantworten, oder was meinst du?