Caritas und AWO wollen neuen Begegnungstreff

Dirk Sattelberger

Von Dirk Sattelberger

Mi, 17. Juli 2019

Zell im Wiesental

Für Zuwanderer und Einheimische in Zell / Integrationsmanagerin Doris Leymeier berichtet über ihre Arbeit mit bis zu 74 Asylbewerbern.

ZELL/HÄG-EHRSBERG (dsa). Der Gemeinderat in Zell und rund 30 Zuhörer erhielten am Montag aktuelle Informationen über die Zuwanderung in Zell und Häg-Ehrsberg. Integrationsmanagerin Doris Leymeier von der Caritas nutzte die Sitzung, um ihre Arbeit vorzustellen und auf Erfolge und Probleme einzugehen.

Leymeier schlug vor, den Begriff Einwanderer statt Flüchtlinge zu verwenden – "viele sind ja schon seit dem Jahr 2015 hier", sagte sie. Konkret kümmert sie sich derzeit um 50 Erwachsene und 24 Kinder und Jugendliche. Die Mehrheit komme aus Syrien (65 Prozent), die anderen Herkunftsländer sind Eritrea, Gambia, Afghanistan, Somalia, Irak, Iran und Senegal. 15 Prozent hätten eine Arbeitsstelle gefunden, die meisten besuchen einen Sprachkurs oder Politikkurs (45 Prozent). 10 Prozent der Zugezogenen nehmen an einer Maßnahme der Arbeitsagentur teil. "Die Zahlen werden sich verschieben, wenn die Sprachkurse beendet sind", sagte Leymeier. Beispielsweise sei das Sprachkurszertifikat B 2 Voraussetzung für die Aufnahme einer betrieblichen Ausbildung. Als Erfolg wertete Leymeier den verbreiteten Wunsch, Deutsch zu lernen, das überwiegend gute Miteinander in den Wohngemeinschaften, die Integration in Kindergärten, Schulen und Vereine sowie das ehrenamtliche Engagement. Als ein großes Problem nannte sie die ärztliche Versorgung; die ist derzeit in der Stadt stark ausgedünnt. Erschwerend komme hinzu, dass die Zuwanderer oft mehr Zeit als andere Patienten bräuchten, zum Beispiel wegen Sprachbarrieren oder psychosomatischer Erkrankungen.

Problematisch sei es außerdem, wenn jemand Älteres ohne Bildung und ohne Deutschkenntnisse eine Beschäftigung in Zell suche. Diese Menschen seien "schwer vermittelbar". Auf die Frage, ob denn alle Migranten hierbleiben werden, sagte sie: "Wer aus Afrika kommt, hat schlechte Chancen."

Doris Leymeier schlug vor, einen regelmäßigen Begegnungstreff für Einheimische und Zugezogene zentrumsnah in Zell zu gründen. Ihr Vorgesetzter Reinhard Zahn brachte die örtliche AWO ins Spiel, was Stadtrat Karl Argast (SPD) begrüßte: "Wir von der AWO wären bereit, Personal dafür abzustellen. Ideal wäre dafür die Begegnungsstätte", so Argast. Das Rathaus sucht derweil ehrenamtliche Bürger, die Kindern Nachhilfe erteilen. "Wir würden uns wünschen, dass es mehr werden", sagte Luzia Philipp.

Bürgermeister Peter Palme dankte den Caritas-Mitarbeitern für ihr Engagement. "Wir sind mit dem sozialen Frieden in Zell sehr zufrieden", so Palme. In puncto Ärzteversorgung berichtete er von Gesprächen mit dem Ziel, Verstärkung in einer Praxis zu bekommen oder eine geschlossene Arztpraxis fortzuführen. "In den nächsten Wochen wird sich da etwas herauskristallisieren", kündigte Palme an. Zuspruch bekam er auch von einem Zuhörer: Es könne nicht sein, dass nur ein einziger Arzt für ganz Zell zuständig sei.

Kontakt für Ehrenamtliche bei der Stadt: Luzia Philipp, Tel. 07625/133510
Mail: philipp@stadt-zell.de