Alexandre Tharaud

CD: KLASSIK: Zwischen den Zeiten

Alfred Rogoll

Von Alfred Rogoll

Mo, 30. März 2020

Klassik

"Versailles" nennt der Pianist Alexandre Tharaud sein jüngstes Werk: Und macht einen Ausflug in das barocke Königsschloss – auf dem Steinway. Zwischen Jean-Philippe Rameau und Jean-Henry D’Anglebert finden sich Trouvaillen von Jacques Duphly bis François Couperin. Letzterer benötige "nicht viele Noten, um wunderbare Welten zu erschaffen", konstatiert der Interpret. Er sieht in dieser Epoche das Fundament aller französischen Musik. Die vordergründig scheinbar zusammengewürfelte Auswahl entpuppt sich beim Hören als außergewöhnlich gelungenes Album. Nicht unbedingt für Anhänger historisch informierten Spiels, dafür für die einer ganzheitlichen französischen Klangtradition. Sabine Devielhes zarter Sopran und Justin Taylor bei einer Bearbeitung für vierhändiges Klavier bereichern bei Rameau den Ausflug in ein Barock mit heutigem Anstrich. Dass es in dieser Epoche noch keinen modernen Flügel mit all seinen Möglichkeiten gab: Tharaud macht es mit herrlich duftenden Farben und seinem zarten bis virtuosen Anschlag vergessen. Eine Reise zwischen den Zeiten.

"Versailles": Alexandre Tharaud (Erato).