Champagner und Mondschein

Volker Rothfuß

Von Volker Rothfuß

Do, 09. Januar 2020

St. Märgen

Traditionelles Neujahrskonzert des Duos Dombradi und Bumiller im Kapitelsaal in St. Märgen.

ST. MÄRGEN. Mit "Champagner schäumt im Glas" als Motto läutete das bekannte einheimische Künstlerpaar Györgyi Dombradi und Lambert Bumiller das neue Jahr und mit ihm das neue Jahrzehnt ein. Die anwesenden Fans erlebten einmal mehr die Interpreten mit eindrucksvollem Gesang und einfühlsamer Klavierbegleitung. Wenn die Chronisten richtig gezählt haben, war es ihr 20. Konzert unter dem prächtigen Kronleuchter im Kapitelsaal des Klostermuseums. Mit Operetten-Arien und Liedern von Komponisten wie Richard Strauss, Eduard Künneke und Robert Stolz bis hin zu einer Suite bergamasque für Klavier von Claude Debussy erfreute das sorgsam zusammengestellte Programm alle, die mit schönen und bekannten Melodien 2019 mal eben Tschüss sagen und gut unterhalten ins neue Jahr 2020 starten wollten.

Lambert Bumiller würdigte den Champagner mit ein paar launigen Worten als beliebtes Getränk, um das neue Jahr zu begrüßen. Später ließ der Pianist noch ein paar Anekdoten und einen historischen Rückblick folgen. Passend zu Bumillers Erklärungen startete der Abend mit der fulminanten Trinkspruch-Komposition Auf, hebe die funkelnde Schale empor zum Mund von Richard Strauss. Der meisterliche Franz Liszt bekam als nächster die musikalische Ehre. Sein Lied Freudvoll und leidvoll gab beiden Künstlern Gelegenheit, mit Charme, Inspiration und Empathie aufs Neue den festlich illuminierten Saal für sich zu gewinnen. Überaus gefühlvoll und typisch für den Komponisten geht seine Musik mit Freude in den Sextakkord, um hernach sogleich mit der kleinen Sext der Seele Leid Ausdruck zu verleihen. Keine Frage, das Champagner-Thema hat für Neujahr seine volle Berechtigung, allein, den ganzen Abend lang hätte wohl kaum einer auf dem Gebiet der Musik die Zeit mit knallenden Sektkorken verbringen wollen. Herzlich begrüßt wurde daher vom Publikum die Änderung des Themas, denn von nun an wurde der Mond musikalisch in eine Erdumlaufbahn geschickt.

Die ganze Romantik lebt von der Stimmung des Mondscheins, des still dastehen-den Mondes einschließlich der für deutsche Ohren ungewohnten Frau Luna. Die Mondscheinsonate von Beethoven etwa ist das wohl bekannteste Stück. Dem zeitlosen Abendlied Der Mond ist aufgegangen von Matthias Claudius kann die Zeit ebenso wenig etwas anhaben. Auch Brahms war dem Wanderer am Nachthimmel mit Kompositionen herzlich zugetan. In dem ersten von zwei dargebotenen Stücken spendet Brahms den unglücklich Verliebten Trost mit dem gut gemeinten Hinweis auf den über den Bergen stehenden Mond. Stimmungsvoll präsentiert wird dieses Lied von dem Duo im Stil eines beschwingten Tanzes.

Mit dem Adagio von Johann Sebastian Bach nahm das Klavier die Mondstimmung auf. Der Barockkünstler Bach bindet die Melodie, die aus Quinten und Sexten besteht, effektvoll an die Prim in der tieferen Lage. Bumiller lässt in seinem Spiel das Licht des Mondes glänzen, wenn es auf der Erde gebunden scheint, und er verwandelt die Prim wieder mit viel Ausdruck zu einer befreiten Melodie. In Claire de Lune, eines der schönsten Werke von Claude Debussy, malt Bumiller gefühlvoll und nuanciert mit den Tasten, was als schillernder Raum zwischen Mond und Erde im Jahr 1890 Musik geworden ist.

Ma önröl álmodtam megint erlöst den Liebesschmerz durch Musik. Der ungarische Komponist Imre Kalman spricht mit dieser Sehnsuchts-Arie Györgi Dombradi aus der Seele. Ihre Stimme klingt bei Kalman viel jugendlicher, denn seine Noten sind ihre Welt, er ist ihr musikalisches Zuhause. Bei Cäcilie von dem in München geborenen Richard Strauss wird Dombradis stimmliche Kunst auf andere Weise erlebbar. Bei diesem Paradestück romantischen Gesangs verwandelt sie den Raum zu einer Opernbühne. Das Crossover in die Wiener Romantik bildet das Lied Schlösser, die im Monde liegen. Dabei nimmt die volle, warme Altstimme Dombradis die Hand des Komponisten Paul Lincke und stellt sein Können in den Mittelpunkt. Strahlender Mond von Eduard Künneke lädt das Publikum noch einmal ein zum Tanz, den Champagner danach reicht Johann Strauss jun. mit seinem frech-leichten Tanz, der Champagner-Polka. Den vollen Griff in die Tasten liefert Bumiller zum Abschluss des Konzerts beim Finale Mein Liebeslied muss ein Walzer sein. Zwei Zugaben und viel Applaus zeigen, wie froh und beschwingt vom Vortrag der beiden das Publikum war. Für das 21. Konzert – vielleicht zum Neujahrstag 2021 – lassen sich St. Märgen und seine Besucher gerne wieder von Dombradi und Bumiller mit einem musikalischen Glas Champagner überraschen.