Cliqz soll das Internet verändern

Thomas Magenheim-Hörmann

Von Thomas Magenheim-Hörmann

Fr, 11. März 2016

Computer & Medien

Burda Media verspricht mit dem neuen Browser eine Internet-Revolution made in Germany.

Daten gelten in der Internetwirtschaft als das neue Öl. Datenspuren hinterlassen Nutzer bei jeder ihrer im Schnitt 127 monatlichen Suchen im weltweiten Netz massenweise. Sogenannte Tracker zeichnen dabei im Hintergrund auf, welche Seiten jemand besucht, woraus personalisierte Werbung maßgeschneidert wird, die dann den persönlichen Internetverkehr vermüllen. Diese Praxis will der Münchner Medienkonzern Hubert Burda Media durch einen hier zu Lande erfundenen neuen Browser mit integrierter Suchmaschine namens Cliqz beenden. "Es ist die Möglichkeit, das Internet zu verändern", sagte Cliqz-Manager Jost Schwaner zum offiziellen Start der Innovation ziemlich unbescheiden.

Erst einmal ist der neue Browser in seiner Version 1.0 mit seinen Heilsversprechen für Windows und Mac hier zu Lande kostenlos verfügbar und werbefrei. Wer ihn aufruft, spart sich bei einer Suche den üblicherweise folgenden Click auf eine Suchmaschine, weil die bereits integriert ist. Die Cliqz-Macher haben in drei Jahren Arbeit einen eigenen Web-Index erstellt, mit dem sie das Netz bei einer Suchanfrage durchforsten und von den üblichen US-Anbietern unabhängig bleiben. Platzhirsch Google wird umgangen. Suchende erhalten bei Cliqz zwar nur drei Ergebnisse, die aber in 80 Prozent aller Fälle ausreichen, sagt Geschäftsführer Marc Al-Hames nach den Erfahrungen mit einer Testversion. Wem das nicht reicht, der könne dann immer noch zu einer anderen Suchmaschine wechseln.

In dieser Beschränkung auf das Wesentliche liegt aber nicht der Hauptnutzen von Cliqz. Parallel zum Marktstart veröffentlicht Burda eine Studie zum Tracking, die nachdenklich stimmt. Nur fünf Prozent aller Webseiten behalten Infos über Besucher für sich. Fast alle teilen sie mit Datensammlern. Das geschieht mittels Trackern, die gezielt den Weg nachzeichnen, den ein Nutzer nimmt. Wenn man eine Internetseite aufruft, stürzen sich oft Dutzende von Trackern auf den Besucher und verfolgen ihn über weitere Seiten hinweg. Daraus entsteht ein individuelles Werbeprofil. Oft wird ein Nutzer sogar persönlich identifizierbar.

Offiziell streiten Datensammler wie Google ab, solche Nutzungsstatistiken für Werbezwecke zu verwenden. Nachprüfbar ist das nicht. Das persönliche Erleben spricht eine andere Sprache, wenn eben solche individualisierte Werbung auf den eigenen Rechner flutet.

Bei Cliqz soll das Schnüffeln per Tracking technisch unmöglich gemacht werden. Trotzdem bleibe die Funktionalität erhalten. Man könne also alle Seiten weiter besuchen, nur deren Schnüffeln werde beendet. Normalverbraucher können das nur glauben. Aber Cliqz öffnet den eigenen Code jederzeit versierten Technikern um das Versprechen nachzuprüfen.

Kleinsilbiger werden die Cliqz-Macher und Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen dagegen bei der Frage, wie sich das Projekt, das dem Vernehmen nach bislang bereits eine zweistellige Millionensumme gekostet hat, einmal rechnen soll. Erst müsse man genügend Nutzer finden. "Irgendwann werden wir dann einen Weg finden, uns zu kommerzialisieren", sagt Kallen vage. Cliqz gehe gerade erst an den Start. Werbung könne es schon mal geben, aber keine personalisierte und Daten verkaufen werde man nie, weil die bei Cliqz nie den Rechner eines Nutzers verlassen würden, verspricht er.

Primär wolle man beweisen, dass Internetsuche nicht grundsätzlich mit persönlichen Daten bezahlt werden müsse und man das weltweite Netz aus Deutschland heraus in Richtung europäische Werte verschieben könne, sagt Kallen. Für so viel Selbstlosigkeit war der Medienriese Burda bisher nicht bekannt.

Hier kann man den neuen Browser herunterladen: https://cliqz.com/