50. Todestag

Coco Chanels Schöpfungen prägten die Damenmode des 20. Jahrhunderts

Silke Uertz /dpa

Von Silke Uertz (KNA)/dpa

Fr, 08. Januar 2021 um 21:27 Uhr

Panorama

Minimalistisch und funktional, bequem und emanzipiert sind die Kreationen von Coco Chanel. Die Unternehmerin starb am 10. Januar 1971 im Pariser Hotel Ritz.

. Luftige Hosen, sportliche Röcke, das "kleine Schwarze" – die Modewelt ist ohne ihre Entwürfe kaum denkbar. Vor allem die Haute Couture, also die "hohe Schneiderkunst", wurde durch Chanels Ideen revolutioniert. Das Chanel-Kostüm ist heute so aktuell wie zu seiner Entstehung Mitte der 1950er. Die zierliche Unternehmerin starb am 10. Januar 1971 – also vor 50 Jahren – im Pariser Hotel Ritz.

Gabrielle Chanel, später Coco genannt, wurde am 19. August 1883 im westfranzösischen Saumur als uneheliches Kind geboren. Nach dem Tod der Mutter 1895 lebte sie sieben Jahre lang im katholischen Waisenhaus des Klosters Aubazine. Dort lernte sie nähen. Nach einer Verkäuferinnen-Lehre und Auftritten als Chanson-Sängerin lernte sie 1906 in Vichy den Großindustriellen Etienne Balsan kennen, wurde seine Geliebte und wohnte in einem Anwesen Balsans in Compiegne. Dort machte sie Bekanntschaft mit der feinen Gesellschaft und der Liebe ihres Lebens, dem Briten Arthur "Boy" Capel.

1910 eröffnete Coco Chanel mit seiner Unterstützung ein Atelier für Hüte in der Pariser Rue Cambon 21. Drei Jahre später folgte eine Modeboutique im eleganten Seebad Deauville, 1915 in Biarritz. Wiederum nach drei Jahren, 1918, gründete sie in der Rue Cambon 31 ihr erstes Modegeschäft in Paris. Dem damals vorherrschenden Korsett setzte die Designerin lässige, maskulin geschnittene Jersey-Kleider entgegen. Ihre schwierigste Aufgabe? "Frauen zu erlauben, sich mühelos zu bewegen", antwortete sie einmal in einem Interview.

Ihre Kleidung, schlicht und oft aus praktischem Jerseystoff, fand großen Absatz. 1921 brachte sie ihr "Chanel No. 5" auf den Markt, das olfaktorisch Maßstäbe setzte. Es war das erste Parfüm, das natürliche Substanzen mit künstlichen Noten verband; es gilt heute als meistverkaufter Duft. Die amerikanische Vogue veröffentlichte 1926 eine Zeichnung ihres "Kleinen Schwarzen" und nannte das revolutionäre Etuikleid "Chanels Ford" in Analogie zum Automobil. "Mode ist vergänglich, Stil bleibt" – so lautete ihr Credo.

Chanels feines Näschen fürs Geschäft zeigte sie auch in der Vermarktung ihrer Mode. 1931 reiste sie auf Einladung von Filmboss Samuel Goldwyn nach Hollywood und schuf Kostüme für Produktionen der Traumfabrik. Bereits 1935 beschäftigte sie 4000 Angestellte. Als 1939 der Zweite Weltkrieg begann, musste sie vier ihrer fünf Boutiquen schließen, allein das Geschäft in der Rue Cambon blieb offen. Ihr Domizil, das Ritz, wurde nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Frankreich 1940 beschlagnahmt – als Residenz für Marschälle, Admirale und Minister aus Nazi-Deutschland. Dauergast Chanel hatte laut Biografen damals eine Liebschaft mit dem deutschen Diplomaten Hans Günther von Dincklage.

Nach der Befreiung der Hauptstadt 1944 wurde die Designerin als mutmaßliche Kollaborateurin verhaftet, kam aber schnell wieder frei. Ihre Rolle während der Besatzungszeit führte zu Kontroversen: Die Modezarin als Nazi-Agentin? Laut einer Biografie des US-Autors Hal Vaughan von 2011 sollte Chanel während der "Operation Modellhut" in Madrid dem britischen Kriegspremier Winston Churchill Geheimgespräche vorschlagen – woraus aber nichts wurde, weil Churchill nicht kam. Das Haus Chanel schrieb anlässlich der Debatte, niemand wisse mit Sicherheit, was damals passiert sei: "Es gibt viele verschiedene Versionen, die ohne Zweifel für immer ein Mysterium bleiben werden."

Coco Chanel war bereits gut 70 Jahre alt, als sie nach einer langen Pause ihre zweite Karriere lancierte. Ihr Tweedkostüm feierte insbesondere in den USA große Erfolge und stellte sich als sportive Alternative zum "New Look" Christian Diors mit seinen aufwendigen Drapierungen und Polstern dar. Stars wie Brigitte Bardot, Ingrid Bergman, Grace Kelly, Romy Schneider und Elizabeth Taylor trugen ihre neuen Kreationen – und damit zu ihrem Ruhm bei.

Am 10. Januar 1971 starb die Avantgardistin allein in ihrer Suite im Ritz. In ihrer Firma übernahm nach vielen Wechseln 1983 der deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld das Ruder und führte Coco Chanels Wirken bis zu seinem Tod 2019 erfolgreich weiter.