Pandemie-Entwicklung

Corona-Fallzahlen haben eine beunruhigende Trendwende vollzogen

Finn Mayer-Kuckuk und dpa

Von Finn Mayer-Kuckuk & dpa

So, 21. Februar 2021 um 20:51 Uhr

Deutschland

Am Freitag liefen die Corona-Fallzahlen seitwärts, am Wochenende sind sie sogar gestiegen. Die Aussagekraft der Sonntagsdaten ist zwar begrenzt, doch die Abwärtsbewegung ist eindeutig gebrochen.

Laut einer israelischen Studie verhindert der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer indes offenbar zu fast 90 Prozent die Übertragung des Virus auf andere.

"Die dritte Welle beginnt jetzt", twitterte am Sonntag der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. "Die Frage ist nur, wie schnell und wie stark." Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Sonntag 7676 neue Fälle binnen eines Tages, 1562 mehr als am vergangenen Sonntag. Auch die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, welche die Zahl der Ansteckungen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche angibt, erhöhte sich auf bundesweit 60,2 im Vergleich zu 57,8 am Vortag.

Die Daten vom Wochenende verheißen nichts Gutes für die angedachten Öffnungen. An diesem Montag kehren in Baden-Württemberg sowie neun weiteren Bundesländern viele Kinder in Kitas und Grundschulen zurück. Bund und Länder hatten sich in der vorvergangenen Woche darauf geeinigt, den nächsten Öffnungsschritt bei einem stabilen Wert von höchstens 35 Neuinfektionen bei der Sieben-Tage-Inzidenz zu erwägen. Als nächstes könnten Läden wieder öffnen. Darüber wollen die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 3. März entscheiden.

Es gibt derweil erste Antworten auf eine der großen offenen Fragen im Zusammenhang mit der Impfkampagne: Schützen die Spritzen nur vor einer fühlbaren Erkrankung und schweren Verläufen – oder auch vor verdeckten Verläufen und damit einer möglichen Weitergabe? Daten aus Israel zeigen nun, dass zwei Dosen des Biontech-Impfstoffs offenbar tatsächlich in neun von zehn Fällen eine Infektion vollständig unterbinden. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Beobachtungsstudie der Unternehmen und des israelischen Gesundheitsministeriums hervor, über die Bild und Spiegel am Sonntag berichteten. Geimpfte wären damit für das Virus nicht mehr erreichbar. Sie könnten in der Gesellschaft Brandmauern bilden, die das Virus stoppen. Biontech wollte das Dokument auf Anfrage am Sonntag nicht kommentieren. Auch das Gesundheitsministerium äußerte sich nicht dazu. Das Studienmanuskript basiert auf israelischen Gesundheitsdaten von Geimpften und Ungeimpften.

Sollte die Aussage zur Ansteckung durch Geimpfte stimmen, wäre dies eine außerordentlich wichtige Nachricht. Sie dürfte auch die Debatte über sogenannte Impfprivilegien neu entfachen. Israel will Geimpften einen Impfpass ausstellen und ihnen so mehr Teilnahme am öffentlichen Leben gewähren.

In Deutschland dürften Grundschullehrer und Kita-Beschäftigte in der Impfreihenfolge bald nach vorne rutschen. Mehrere Ländervertreter, Gesundheitsminister Jens Spahn und Bildungsministerin Anja Karliczek (beide CDU) befürworten das. "Sollte eine große Zahl von Lehrkräften und der Beschäftigten in den Kitas durch eine Impfung geschützt sein, wäre dies ein Beitrag, um eher Schüler und Schülerinnen in den Schulen selbst unterrichten oder eher Kinder in den Kitas betreuen zu können", sagte Karliczek. An diesem Montag könnte bei einer Schaltkonferenz der Gesundheitsminister der Länder eine entsprechende Grundsatzentscheidung fallen, kündigte Baden-Württembergs Ressortchef Manfred Lucha (Grüne) an.