Corona-Maske bietet Kriminellen Schutz

Carolin Eckenfels

Von Carolin Eckenfels (dpa)

Do, 17. September 2020

Panorama

Die Identifizierung ist schwieriger geworden, aber dank moderner Polizeitechnik nicht unmöglich.

. Strumpfhose, Clown-Maske, Motorradhelm: Kriminelle haben sich schon alles Mögliche über den Kopf gezogen, um nicht erkannt zu werden. Jetzt, da ein Mund-Nasen-Schutz zum Alltag gehört, stellt sich die Frage: Spielt die Corona-Maskenpflicht Straftätern in die Hände – vereitelt sie sogar die Verbrechensaufklärung?

Corona-Alltagsmasken erschwerten zwar die Gesichtserkennung von Tätern oder Verdächtigen, sagt Bernhard Egger, Abteilungsleiter beim bayerischen Landeskriminalamt (LKA). Das bedeute aber nicht, dass diese eine Identifizierung automatisch verhinderten. Bei der Gesichtserkennung komme es immer auf die Qualität des Bildmaterials an, sagt Egger. Auf die Entfernung der Kamera zur abgelichteten Person zum Beispiel oder auf die Pixelzahl. Wichtig sei die Augenpartie. "Natürlich: je besser das Bild, umso wahrscheinlicher die Identifizierung", sagt der Experte von LKA, wo die Ermittler viel mit speziellen Gesichtserkennungsprogrammen arbeiten und sich dabei in einer Vorreiterrolle sehen. Die Computersoftware sei in den vergangenen Jahren immer besser geworden. Und man habe auch Bilder mit Masken, bei denen die Täter schon identifiziert worden seien.

Bilder haben eine wachsende Bedeutung bei der Ermittlung von Tatverdächtigen. Eine deutschlandweite Polizei-Datenbank ist mittlerweile mit mehr als 5,8 Millionen Aufnahmen von etwa 3,6 Millionen erfassten Straftätern oder Beschuldigten gefüllt. Zehntausende Recherchen werden nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden pro Jahr mit einem Gesichtserkennungssystem durchgeführt. Im vergangenen Jahr seien damit mehr als 2100 Personen identifiziert worden.

Liegt ein Bild eines mutmaßlichen Täters vor, wird dieses mit den Millionen gespeicherten Bildern der Datenbank abgeglichen. Die Arbeit übernimmt ein Algorithmus. "Es wird ein Muster berechnet und die Software liefert Vorschläge", erklärt Egger. Ausgebildete Lichtbildexperten überprüfen dann die ausgespuckten Fotos infrage kommender Personen, ob wirklich ein Treffer dabei ist.

Zwar erschwere das Tragen von Schutzmasken das Wiedererkennen von Tatverdächtigen, "allerdings lassen Aufnahmen von Überwachungskameras grundsätzlich auch andere Merkmale zur Identifizierung zu", heißt es beim hessischen LKA. Beispielsweise Größe, Statur, Kleidung, Schuhe, die Fluchtrichtung sowie mögliche Mittäter. "Grundsätzlich ist zu sagen, dass Videoüberwachungssysteme ein wirksames Mittel auch zu Zeiten der Corona-Pandemie zur Aufklärung von Straftaten sind."

Man bekomme zwar Bilder und Videos, auf denen etwa Ladendiebe mit Masken zu sehen seien, berichtet Egger. "Aber wir haben jetzt keine Hinweise, dass die Maske bewusst in Bereichen getragen wird, wo sonst keine Maskenpflicht wäre, um eine Straftatenverfolgung zu verhindern oder zu erschweren." Es gebe auch keine Hinweise, dass die Pflicht ausgenutzt werde, um vermehrt Delikte zu begehen.