Brauchtum

Das Christkind in Engelskirchen beantwortet auch 2020 jeden Brief

dpa

Von dpa

Fr, 13. November 2020 um 20:04 Uhr

Panorama

Engelskirchen ist eine von mehreren Weihnachtspostfilialen in Deutschland. Alle Briefe, die bis zum 21. Dezember abgeschickt werden, werden auch beantwortet.

Das Christkind hat eine Video-Schalte nach Engelskirchen-Schnellenbach. "Habt ihr denn schon Plätzchen gebacken?", fragt es in die Kamera. "Noch nicht?" Auf einem Monitor neben ihm sind Kinder zu sehen, die gerade in einem etwas entfernten Kindergarten sitzen. Wenn es noch eine Szene gebraucht hat, um das Corona-Jahr 2020 zu illustrieren: Hier ist sie.

Unter normalen Umständen wäre das Christkind – eine Darstellerin im weißen Kleid – zur Eröffnung seiner sogenannten Weihnachtspostfiliale am Freitag in Engelskirchen von Kindern mit Wunschzetteln in der Hand umwuselt worden. Diesmal ist alles anders. Die Schreibstube selbst gibt es bereits seit 1985. Eingerichtet wurde sie, weil bei der Post Briefe auftauchten, die "An das Christkind bei den Engeln" adressiert waren. Um die Absender nicht zu enttäuschen, werden Jahr für Jahr Tausende Zuschriften beantwortet.
Die Adressen vom Christkind

  • An das Christkind
    51777 Engelskirchen
  • An das Christkind
    21709 Himmelpforten
  • An das Christkind
    97267 Himmelstadt
Weitere Adressen unter www.deutschepost.de/weihnachtspost


Am Freitag, am ersten Arbeitstag des Christkindes, sind rund 10 000 Briefe eingetrudelt. Eine erste Sichtung ergibt: Auch darin spielt Corona eine Rolle. "Mach das Virus weg", wünscht sich etwa Noah, dessen Oma den Text geschrieben hat. Ein weiterer Noah hofft, "dass wir trotz Corona mit der Familie feiern dürfen". Samuel ist ganz abgeklärt: "Ich weiß, dass Du auch dieses Jahr viel zu tun hast, besonders 2020. Wegen dem Coronavirus schreibe ich Dir jetzt schon."

Alle Briefe, die bis 21. Dezember abgeschickt werden, werden beantwortet

Alle Briefe, die bis zum 21. Dezember abgeschickt werden, werden auch beantwortet. Dafür trägt das Christkind gemeinsam mit 16 Helferinnen Sorge. "Wir freuen uns wirklich das ganze Jahr darauf, wenn es losgeht", sagte eine von ihnen, Steffi Renner. Sie macht den Job schon 16 Jahre lang. "Es ist schon irgendwo immer wieder neu." Zum Teil arbeitet das Team nun im Homeoffice. Alle Briefe werden geöffnet, gelesen und beantwortet. Dafür gibt es einen vorformulierten Brief, aber auch die Möglichkeit, individuelle Zeilen zu schreiben.

In den Wunschzetteln geht es nicht nur um Corona. Vielmehr finden sich klassische Wünsche: Ein Puppenstuhl, ein Rätselbuch oder ein großer Teddy. Hier und da wird es auch recht eigenwillig, etwa bei Michelle, die sich eine Nagellackmaschine wünscht. Oder bei Adrijana, die "ein echtes Pony" möchte. Sie bietet an, ihr ganzes Taschengeld zuzuschießen.

Engelskirchen ist eine von mehreren Weihnachtspostfilialen in Deutschland. Weitere gibt es etwa in Himmelstadt oder Himmelpforten – Orte, deren Name einen guten Draht nach oben nahelegen.