Titisee-Neustadt

Das Dennenbergstüble in Neustadt schließt nach 56 Jahren

Liane Schilling

Von Liane Schilling

Mo, 13. September 2021 um 16:30 Uhr

Titisee-Neustadt

Neustadt verliert einen beliebten Treffpunkt: Nach 56 Jahren schließt das Dennenbergstüble. Fast so lang kümmerte sich das Wirtspaar Bodenlos dort um seine Gäste.

"Wir freuen uns auf den Ruhestand, es wird uns ganz sicher nicht langweilig" erklären Klaus und Rosi Bodenlos vom Café Dennenbergstüble übereinstimmend. Nach 42 Jahren als Wirtsleute schließen sie ihr Lokal zum 30. September.

"Es ist der richtige Zeitpunkt" ist ihre Überzeugung, sie sagen, dass es nie Pläne gab, die Wirtschaft, die viele treue Stammgäste hat, an eines der beiden Kinder zu übergeben. Das Paar freut sich auf den geplanten Umbau der Gasträume zur Privatwohnung, über Zeit für die drei Enkelkinder und auf schöne Reisen.

Das Haus mit einem Nebengebäude wurde 1936/37 von den Schwestern Schlieper erbaut und als Pension Westfalen mit Kneippanwendungen und Diätküche betrieben. In den 50er Jahren wurde es an Familie Felsch verkauft, die es als Kurheim mit Anwendungen und medizinischen Bädern weiterführte und sogar einen Swimmingpool bot. 1963 wurde das Grundstück geteilt und die Pension wurde separat verkauft.

Besonders schätzten die Gäste den Wurstsalat der Wirtin

Hans und Elisabeth Bodenlos erwarben sie 1965 und führten sie als Vollpension mit mehreren Fremdenzimmern. Als Sohn Klaus mit Gattin Rosi 1979 übernahm, gab es neben dem Lokal noch acht Betten zu vermieten. Sie wurden später zu Privaträumen, in denen die Wirtin die Senioren der Familie pflegte. Klaus Bodenlos war während seiner Zeit als Wirt bei der Firma Franz Morat in Eisenbach voll berufstätig und sah die Wirtschaft als sein Hobby. Das Dennenbergstüble wurde zum beliebten Treffpunkt verschiedener einheimischer Vereine und Gruppen, und der Wurstsalat mit dem geheimen Familienrezept, das einst die Oma aus der sudetendeutschen Heimat mitbrachte, fand unzählige Anhänger.

(2018)

In den vergangenen Jahren reduzierte das Wirtspaar die Speisenangebote und auch die Öffnungszeiten. Während der siebenmonatigen pandemiebedingten Pause erkannten sie, dass das Loslassen gar nicht so schwerfällt wie ursprünglich angenommen. Trotzdem wollten sie wieder öffnen und nicht sang- und klanglos verschwinden. "Jetzt sind wir in der Abschiedswelle, alle wollen nochmal vorbeikommen", freut sich die Chefin.